Literatur Gotha: PEN-Zentrum streitet über Abwahl von Präsident Yücel

Der Schriftstellerverband PEN-Zentrum Deutschland kommt ab Donnerstagabend in Gotha zu seiner Jahrestagung zusammen. Im Zentrum stehen bis Sonntag die Menschenrechte, der Krieg in der Ukraine – und ein Streit über den Verbleib von PEN-Präsident Deniz Yücel im Amt. Außerdem sind zahlreiche Lesungen an verschiedenen Orten der Stadt geplant. Bei Vorträgen und Podiumsdiskussionen sind unter anderem der Blogger Sascha Lobo, die Philosophin Svenja Flaßpöhler und die Autorin Eva Menasse vertreten.

In Gotha eröffnet Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow am Donnerstagabend die Jahrestagung der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland. Bis Sonntag sind verschiedene Podien und Lesungen geplant, die sich mit der Unterdrückung der Menschenrechte in Belarus und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine befassen.

Im öffentlichen Teil des Programms streiten am Samstag um 19 Uhr im Schloss Friedenstein die Autorinnen Eva Menasse und Marjana Gaponenko, der Schriftsteller und ehemalige PEN-Präsident Johano Strasser und der Journalist und derzeitige PEN-Präsident Deniz Yücel über Krieg und Frieden und die Haltung des PEN. Auch die Philosophin Svenja Flaßpöhler und der Blogger Sascha Lobo nehmen an der Diskussion teil.

Außerdem lesen an zahlreichen Orten in Gotha Exilautorinnen und -autoren aus ihren Texten, darunter Schriftsteller aus Afghanistan, Irak, Iran, Südsudan, Syrien und Uganda. Insgesamt werden über 120 PEN-Mitglieder aus aller Welt erwartet.

Der Streit um PEN-Präsident Deniz Yücel

Die Mitgliederversammlung des PEN-Zentrums am Freitag und Samstag steht im Zeichen eines Streits über das Präsidium um den Journalisten Deniz Yücel: 47 Mitglieder stellten einen Antrag auf Abberufung von Yücel sowie von Vizepräsident Ralf Nestmeyer und Schatzmeister Joachim Helfer, darunter Klaus Modick, Christoph Peters, Tanja Kinkel, Werner Rügemer und Renan Demirkan. Sie werfen dem Präsidium "Querelen" vor.

Die Nachrichtenagentur epd zitiert aus dem Antrag, aus den Querelen ergebe "sich eine tiefgreifende, systemische Störung des Anstands und der Würde des PEN". Zwei Beisitzerinnen seien zurückgetreten, eine davon aus dem Verband ausgeschieden. Zwei Vorstandsmitglieder und die Geschäftsstelle seien "bedrängt" worden, der Generalsekretär "kaltgestellt" und der Justitiar "brüsk entlassen". Die Abberufung der Verantwortlichen solle einen Neubeginn ermöglichen.

Eva Menasse
Auch die Autorin Eva Menasse diskutiert auf einem Podium mit. Bildrechte: imago/teutopress

Zweiter Antrag unterstützt Yücel

Ein anderer Antrag von 61 PEN-Mitgliedern fordert dagegen, Yücel, Nestmeyer und Helfer das Vertrauen auszusprechen. Unter diesen Antragstellern sind Konstantin Küspert, Christoph Links und Nikola Anne Mehlhorn. Das Präsidium arbeite erfolgreich für bedrohte und verfolgte Kollegen und Kolleginnen, heißt es laut epd in dem Antrag: "Zugleich sind wir darüber erfreut, dass der PEN mit seinem Einsatz für die Freiheit des Wortes heute in der Öffentlichkeit so präsent ist wie schon sehr lange nicht mehr."

Yücel hatte sich auf dem Literaturfestival lit.Cologne Mitte März für eine Flugverbotszone über der Ukraine ausgesprochen. Mehrere prominente Autorinnen und Autoren werteten das als nicht im Einklang mit der PEN-Charta. Die früheren PEN-Präsidenten Gert Heidenreich, Christoph Hein, Johano Strasser, Josef Haslinger und Regula Venske forderten Yücel auf, sein Amt niederzulegen. Außerdem werden ihm nach Medienberichten von Mitgliedern des Clubs in der internen Kommunikation "Bösartigkeiten, widerwärtige Beleidigungen, Diskriminierungen und falsche Anschuldigungen" vorgeworfen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Mai 2022 | 06:30 Uhr

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