Literatur Mit James Cook um die Welt: der hallesche Naturforscher Johann Reinhold Forster

Der Naturwissenschaftler und Entdecker Johann Reinhold Forster hat mit James Cook die Welt umsegelt. Studiert hatte er zuvor in Halle, wo er später Professor wurde und seine letzten 18 Lebensjahre verbrachte. Ein neues Buch des Historikers Michael Pantenius beschreibt Forsters Leben und zeigt auch seine Verbindung zu der Saalestadt.

Michael Pantenius: "Johann Reinhold Forster. Von Tahiti an die Saale"
Für das Cover des Buches "Johann Reinhold Forster. Von Tahiti an die Saale" hat der hallesche Künstler Moritz Götze den Naturforscher porträtiert. Bildrechte: Annett Krake/MDR KULTUR

Der hallesche Hasenverlag setzt eine historische Persönlichkeit ersten Ranges ins Bild, die kaum einer kannte: Johann Reinhold Forster war ein weltberühmter Botaniker, Ornithologe, Ethnologe, Geograph und Philosoph. Er segelte mit James Cook um die Welt, lehrte in Halle an der Universität und gestaltete maßgeblich den Botanischen Garten, so wie er heute vorzufinden ist.

Auf dem Cover des reich illustrierten Buches "Johann Reinhold Forster. Von Tahiti an die Saale" ist das Konterfei des Botanikers zu sehen, gezeichnet vom international bekannten halleschen Künstler Moritz Götze.

Ein Doppelporträt des Malers John Francis Rigaud (1742-1810) zeigt Johann Reinhold und Georg Forster (um 1780) im Schloss in Wörlitz
Ein Doppelporträt des Malers John Francis Rigaud (1742–1810) zeigt Johann Reinhold und Georg Forster um 1780. Das Bild befindet sich im Schloss in Wörlitz. Bildrechte: dpa

Forster war ein blinder Fleck in der halleschen Geschichte

"Das Porträt erfasst die Vielschichtigkeit seines Charakters, seine Ausgewogenheit zwischen Gefühl und Verstand, aber auch seine Lebendigkeit und seine Klarheit", sagt der Autor des Buches, der Historiker Michael Pantenius, der über die epochale Cook-Forster-Reise unlängst den Roman "Die Umseglung der Welt" veröffentlicht hat.

Michael Pantenius hat es geschafft, das erstaunliche und facettenreiche Leben von Forster nachzuspüren, es eindrücklich und schwungvoll zu beschreiben. Das Buch hebt eine bisher unbeachtete Persönlichkeit in den gebührenden Fokus und löscht gleichzeitig einen blinden Fleck hallescher Geschichte.

Ein Universalgelehrter

Johann Reinhold Forster wurde 1729 in Dirschau in Polen geboren. Die Jugend verbrachte er also in der Provinz, bevor er das Joachimsthaler Gymnasium in Berlin besuchte. Diese Eliteschule ermöglichte ihm eine erstklassige Ausbildung, förderte sein Sprachtalent und beflügelte seine Weltoffenheit. Forster lernte globalisiert, beschäftige sich mit französischer Philosophie und lebte im Geist der Aufklärung.

Er studierte in Halle Theologie, predigte dann in einer Gemeinde in der Nähe von Danzig jeden Sonntag von der Kanzel – doch seine wahre Leidenschaft galt der Botanik. Zusammen mit seinem Sohn Georg (1754–1794) erforschte er nebenher intensiv die Welt der Pflanzen, Tiere und Mineralien, tauschte sich international aus und wurde zunehmend ein angesehener Botaniker.

Mit James Cook auf Weltumseglung

Ein glücklicher Umstand verschaffte ihm und seinem Sohn die einmalige Gelegenheit, James Cook bei seiner zweiten Weltumseglung zu begleiten. Durch ihren leidenschaftlichen Forschergeist, ihre Studien und bildliche Dokumentation sowie ihre Reisebeschreibungen trugen Vater und Sohn grundlegend zum Verständnis außereuropäischer Welten bei.

Im Laufe seines Lebens schrieb Forster über 80 Bücher, unterhielt Kontakte zu Naturwissenschaftlern aus aller Welt und wurde 1780 im Namen des Königs an die Universität nach Halle berufen. Nach ihm ist die Forsterschwalbe benannt, und James Cook benannte ihm zu Ehren geographische Punkte in Südgeorgien.

Forster war ein Universalgelehrter, ein Ausnahmetalent und ein Unnachgiebiger, der viele gesellschaftlich und politisch wichtige Kontakte, unter anderem zu Fürst Franz von Anhalt-Dessau, unterhielt. Durch diese Verbindung ist im Gartenreich Wörlitz ein Teil der Forster'schen Südseesammlung in einer Dauersaustellung zu sehen.

Auf dem Stadtgottesacker in Halle erinnert eine Gedenktafel an den Universalgelehrten, der 1798, im Alter von 69 Jahren, verstarb.

Angaben zum Buch Michael Pantenius: "Johann Reinhold Forster. Von Tahiti an die Saale"
Hasenverlag
88 Seiten
14 Euro
ISBN: 978-3-945377-78-9

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. April 2022 | 15:15 Uhr

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