Hörspiel: "Mein lieber Wolf – Meine lieben, fernen Mädels" Was unerwartete Briefe ihrer Eltern der Leipziger Schauspielerin Ellen Hellwig offenbarten

Im Hörspiel "Mein lieber Wolf - Meine lieben, fernenMädels" führt die Schauspielerin Ellen Hellwig durch ihre Kindheit in Norwegen und Machern/Leipzig und zugleich in die Zeit zwischen Zweitem Weltkrieg, beginnender Ost-West-Lagerbildung und junger DDR. Hintergrund ist nicht nur ihr eigenes Erleben, sondern auch viele Briefe, die sich ihre Eltern – ein Deutscher und eine Norwegerin – in Jahren der Trennung geschrieben haben. Der unerwartete Dachbodenfund bietet einen einzigartigen Einblick in ihre junge Liebe und die wechselvolle Zeit.

Ein Wehrmachtsoffizier und eine junge Norwegerin sind die Protagonisten des Hörspiels "Mein lieber Wolf – Meine lieben, fernen Mädels". Erzählt wird eine deutsch-norwegische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges, von 1944 bis in die heutige Zeit. Sie basiert auf einer wahren Geschichte, der Familiengeschichte der Leipziger Schauspielerin Ellen Hellwig, die 1946 in Trondheim geboren wird, später in der DDR aufwächst.

Eine Frau mit Brille und Locken steht vor Pflanzen
Ellen Hellwig war vier Jahrzehnte lang festes Ensemblemitglied am Schauspiel Leipzig und ist noch heute dort Ehrenmitglied Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Unerwarteter Blick in die Familiengeschichte durch Briefe

Im Jahr 2010 findet Ellen Hellwig im Nachlass ihrer Mutter Briefe des Vaters an die Mutter aus den Jahren 1945 bis 1952. Sie sind Teil der Korrespondenz von Wolfgang und Ellen Hellwig, geb. Sdkjesol, den Eltern von Ellen Hellwig. Beide schreiben sich in Jahren ihrer Trennung eine Vielzahl von Briefen.

2015 wird zudem als Gegenpart ein Teil der Briefe der Mutter an den Vater auf dem Dachboden eines Hauses in Machern bei Leipzig gefunden, wo die Familie Hellwig nach dem Krieg wohnt, da die Leipziger Wohnung ausgebombt ist. Damit kann die Korrespondenz der Eltern neu auferstehen und teilweise rekonstruiert werden. Insgesamt sind es etwa 100 Briefe des Vaters und ca. 30 Briefe der Mutter.

Ellen Hellwig mit Brille, sie stützt ihren Kopf auf ihre Hand
Ellen Hellwig in dem DDR-Film "Solo für Martina" 1980 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufschlussreicher Dachbodenfund

Die Autorin des Hörspiels, Anne Osterloh, ist begeistert darüber, welchen Schatz diese Dachbodenfunde darstellen. Beschrieben würde nicht nur die Liebe dieser beiden Menschen, sondern auch die schwierige Zeit der Trennung und die schwere Zeit der Nachkriegsjahre in Leipzig, sagt Osterloh, auch das Fremdsein im eigenen Land der Mutter in Norwegen würde ersichtlich, zudem das "Sich-Auseinander-Leben" des Paares.

Die Briefe sind ein Schatz.

Anne Osterloh, Autorin des Hörspiels

Von der Liebe und ihren Schwierigkeiten

Die Briefe sind eine Zeitreise: Ellen Hellwigs Eltern lernen sich in Trondheim beim Skifahren kennen. Sie, Ellen Sdkjesol, ist damals erst 19. Er, Wolfgang Hellwig, schon über 30 und in Norwegen stationiert. Sie verlieben sich und heiraten heimlich kurz nach Kriegsende im Kriegsgefangenenlager Asen bei Trondheim. Dass sie einen Deutschen geheiratet hat, gesteht sie ihrem Vater erst, als sie mit Ellen sichtbar schwanger ist. Da habe der Vater geweint, erzählt die Mutter später.

Nach dem Krieg wird die Familie getrennt. Ellen bleibt mit ihrer Mutter beim Großvater in Trondheim. Der Vater Wolfgang geht zurück nach Leipzig, er will erst Arbeit finden und eine Wohnmöglichkeit für seine kleine Familie. Das Schlimmste soll überstanden sein, bevor die Familie zusammenkommt.

Holzhäuser stehen an der Küste, im Hintergrund sind Berge
Typische norwegische Holzhäuser an der Küste bei Trondheim Bildrechte: imago/imagebroker/giovannini

Während der norwegischen Mutter als "Verräterin" am eigenen Land die Staatsbürgerschaft entzogen wird und sie immer wieder um eine Aufenthaltsgenehmigung in Norwegen kämpfen muss, erlebt der Vater das Nachkriegsdeutschland zwischen Schleswig und Sachsen, die Hungerjahre und den politischen Wandel, der sich im Osten Deutschlands vollzieht.

1952 sieht die junge Familie sich wieder und die Korrespondenz endet. Für die Mutter kann die DDR jedoch nie eine neue Heimat werden.

Die Schauspielerin Ellen Hellwig

Ellen Hellwig, 1946 in Trondheim (Norwegen) geboren, gehört vier Jahrzehnte zum Ensemble am Schauspiel Leipzig. Im Laufe ihrer Karriere arbeitet sie außerdem für Film und Fernsehen und ist Hörspiel- und Synchronsprecherin sowie Professorin für Schauspiel. 2016 wird sie zum Ehrenmitglied des Schauspiel Leipzig ernannt.

Das Hörspiel "Mein Lieber Wolf – Meine lieben, fernen Mädels"
Hörspiel von Anne Osterloh

Länge: 60 Minuten

Regie: Anne Osterloh, Steffen Moratz
Produktion: MDR 2022

Mitwirkende:
Lise Risom Olsen
Ole Lagerpusch
Ellen Hellwig

Im Radio:
Montag, 18. April 2022, 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. April 2022 | 18:00 Uhr

Mehr MDR KULTUR