Literaturfestival beginnt Leipzig: Das Programm des Literarischen Herbstes reicht von Poesie bis Politik

Die Macher des Literarischen Herbstes 2022 haben ein gewichtiges Lesungsprogramm auf die Beine gestellt. Gäste sind unter anderem Serhij Zhadan, Juri Andruchowytsch, Daniela Dröscher, Eckhart Nickel oder Lucy Fricke.

Das Team des Literarischen Herbstes: (vlnr.): Nils Kahlefendt, Claudius Nießen, Jörn Dege, Anja Kösler
Das Team des Literarischen Herbstes: (vlnr.): Nils Kahlefendt, Claudius Nießen, Jörn Dege, Anja Kösler Bildrechte: Gert Mothes

Am 24. Oktober beginnt der Literarische Herbst, das Leipziger Festival für Literatur. Eine Woche wird in der Buchstadt gelesen, diskutiert und entdeckt, von poetisch bis politisch. Hochkarätige Gäste aus der Literaturszene sind dabei genauso wie Debütanten. Eingerahmt wird dieser Literarische Herbst von den zwei wohl derzeit bedeutendsten ukrainischen Schriftstellern: Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch. Die Veranstalter haben dieses Jahr "Weiterschreiben, weiterlesen" zum Motto erhoben. Auch das lässt sich poetisch wie politisch interpretieren.

Eröffnung mit ukrainischem Friedenspreisträger Serhij Zhadan

Serhij Zhadan, der ukrainische Schriftsteller, schaut in die Kamera
Serhij Zhadan aus der Ukraine ist der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Bildrechte: IMAGO / gezett

Eröffnet wird der Literarische Herbst 2022 mit Serhij Zhadan, dem diesjährigen Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels. Zhadan, der 1974 Luhansk in der Ostukraine geboren wurde, zählt zu den bekanntesten Schriftstellern seines Landes.

In den Romanen, Gedichten und Texten seiner Band Zhadan i Sobaky thematisiert er immer wieder die politischen Entwicklungen und Umbrüche in der Ukraine, die Folgen der Majdanproteste 2014 und den Krieg in seinem Land. Zuletzt erschien bei Suhrkamp: "Himmel über Charkiw. Nachrichten vom Überleben im Krieg". Seit Beginn des Angriffskriegs durch Russland im Februar spricht Zhadan seinen Mitbürger*innen in Charkiw Mut zu, er evakuiert Kinder und alte Leute aus den Vororten, verteilt Lebensmittel, koordiniert Lieferungen an das Militär und gibt Konzerte.

Am 24.10. 2022 spricht Stephan Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandfunks, mit Serhij Zhadan über sein Leben, seine Bücher und über den Krieg in der Ukraine. Die Schauspielerin Verena Noll liest Texte aus dem umfangreichen Werk des Autors.

Debuts im Literaturbetrieb

Die Leipziger Dichterin und Performancekünstlerin Martina Hefter
Die Leipziger Dichterin und Performancekünstlerin Martina Hefter Bildrechte: Sascha Kokot

Bevor die Bücher auf den Markt kommen, müssen sie geschrieben werden. Das ist ein langer Prozess. Die Veranstaltung "Beste erste Bücher" steht ganz im Zeichen der Roman-Debüts, zu Gast sind Behzad Karim Khani, Yade Yasemin Önder, Przemek Zybowski und Kerstin Brune.

Im Buchsalon diskutieren Tino Dallmann, Christine Koschmieder und Linn Penelope Micklitz bemerkenswerte Veröffentlichungen aus Sachsen. Es geht dabei um die Werke von Patrick Wilden, Undine Materni und Marlen Hobrack. Und wenn Sie sich fragen, ob man schreiben lernen kann, gibt es die Veranstaltung "Lyrikhotel". 2022 hat der Sächsische Literaturrat ein Mentoringprogramm zur Förderung begabter Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Sachsen aufgelegt. Im Genre Lyrik arbeitet z. B. die Dichterin und Performancekünstlerin Martina Hefter als Mentorin mit der Nachwuchsautorin Daria Pauke zusammen.

Bücher lesen, über Inhalte diskutieren

Die Buchrücken der Bücher im Literarischen Herbst 2022
Die Buchrücken der Bücher im Literarischen Herbst 2022 Bildrechte: picture alliance/dpa/Literarischer Herbst

Die Leipziger Autorin Christine Koschmieder ist zu Gast bei Rebecca Maria Salentins Literaturshow "Die schlecht gemalte Deutschlandfahne". "Dry", das Buch der Leipziger Autorin und Literaturagentin berichtet schonungslos über Abhängigkeit. Eckhart Nickel stand mit "Spitzweg" auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis. Er liest und ist im Gespräch mit Bettina Baltschev.

Daniela Dröscher ist mit ihrem von der Kritik gefeierten Roman "Alles über meine Mutter" zu Gast. Das Buch stand ebenfalls auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis. Ein hochaktuelles Buch über die Diplomatie in Krisenzeiten und die Krise der Diplomatie hat Lucy Fricke mit "Die Diplomatin" vorgelegt. Mit Jörg Schieke spricht sie u. a. über die Recherche dazu. Helmut Lethen gilt als einer der Mitbegründer der Kulturwissenschaft in Deutschland. Mit Jörg Magenau diskutiert er über die Faszination des Bösen.

Abschluss mit Heine-Preisträger Juri Andruchowytsch

Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch
Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch Bildrechte: IMAGO/Sabine Gudath

Der ukrainische Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer Jurij Andruchowytsch wird den diesjährigen Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten. Dieser Preis wird an Menschen vergeben, die im Sinne der Grundrechte – für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat – den sozialen und politischen Fortschritt fördern und der Völkerverständigung dienen. Mit seinen Büchern und Essays bewegt sich Andruchowytsch immer im politischen Geschehen in Europa. Die Einmischung, z. B. mit offenen Briefen, sieht er als eine seiner Aufgaben als Autor in Zeiten des Krieges.
In seinem neuen Buch "Radio Nacht" versucht der Schriftsteller, der von Poesie und Musik gleichermaßen inspiriert ist, den Ängsten und der realen Bedrohung die Souveränität der Phantasie entgegenzusetzen. Er liest und ist im Gespräch mit Katharina Raabe.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Oktober 2022 | 16:10 Uhr

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