Themenjahr der Klassik Stiftung Sprachexplosionen und -labore: Wie in Weimar die Sprache erforscht wird

Ein Parcours aus Sprachexplosionen führt durch Weimar und ermöglicht einen neuen Blick auf die Klassiker wie Goethe und Schiller. In einem Sprachlabor vor dem Weimarer Stadtschloss soll aber auch die aktuelle Sprache im Alltag, in den Nachrichten und den sozialen Medien erkundet werden. Gleichzeitig wurde eine neue Ausstellung zum Aufklärer Martin Wieland eröffnet. Für ihr neues Themenjahr hat die Klassik Stiftung Weimar einiges geplant.

Blick in einem Ausstellungsraum: Auf der rechten Seite hängen Bilder an der Wand. Auf der linken Seiten ist mit buntbemalten Stellwänden einen Gang gebaut.
Im Weimarer Schillerhaus haben sich Kunstschaffende mit Sprache auseinander gesetzt. Bildrechte: dpa

Die Klassik Stiftung Weimar will 2022 mit einem Themenjahr für die Macht der Worte sensibilisieren. Mit drei Sonderausstellungen, Workshops und Veranstaltungen ist das Themenjahr Sprache gerade gestartet. Denn die Sprache ist vielfältig, kann destruktive Hasssprache oder beflügelnde Poesie sein, formvollendete Literatur oder ein verbaler Shitstorm in Social Media.

Sprache als Mittel im Krieg

Dabei hat das Thema Sprache und die sich aus ihrem Gebrauch ergebenden Realitäten gerade noch einmal tragische Bedeutung erlangt. "Wir tun dies in einer Weltlage, die wir uns vor einem halben Jahr alle noch nicht vorstellen konnten", sagte Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz am Donnerstag in Weimar zum Start des Themenjahres.

Zwar habe man in der Vorbereitung auch an die "Macht der Worte" gedacht, die auch zuvor schon für gesellschaftliche und persönliche Verwerfungen gesorgt hat. "Aber wir dachten noch nicht an Sprache als Kriegsschauplatz, als Mittel der Propaganda – wie es im Moment eben in Russland der Präsident Putin vormacht", so Lorenz.

Eine Frau mit rotem Schal und Brille hält eine Rede.
Ulrike Lorenz, Direktorin der Klassik Stiftung Weimar, eröffnete bereits zum zweiten Mal ein Themenjahr. Bildrechte: dpa

Aktionen für Schulklassen

Im Ilmpark vor dem Weimarer Stadtschloss soll die Sprache bis Ende Oktober für alle Interessierten verhandelt werden, in dem temporären Bau, der im Themenjahr 2021 "Klimawandel" noch als "Grünes Labor" genutzt wurde.

Vor der Fassade des Weimarer Stadtschlosses steht ein Kubus, auf dem Spachlabor in einer Sprechblase steht.
Das Sprachlabor soll Raum für Poetry Slams und Workshops bieten. Bildrechte: dpa

Mitmachaktionen und Picknickdecken zum Ausleihen soll es geben, ebenso sind Projekttage und Workshops für Schulklassen geplant, Groß und Klein sind zur spielerischen Auseinandersetzung mit Sprache eingeladen. Auch die Lastenräder für Workshops sollen wieder durch die Quartiere radeln.

Junge Menschen mit TikTok-Sehgewohnheiten interessieren

An Stationen wirkmächtiger Sprachnutzung entlang soll der Sprachparcours "Sprachexplosion" führen, von den Wohnhäusern Goethes und Schillers ausgehend unter anderem über das Nietzsche-Archiv und das Museum Neues Weimar. "Dort wurde gedacht, geschrieben, nächtelang diskutiert", sagt Projektleiterin Petra Lutz.

Eine Platte mit Text weist auf das Schillerhaus in Weimar.
Der Parcours "Sprachexplosionen" führt durch Weimar und soll einen niedrigschwelligen Zugang ermöglichen. Bildrechte: dpa

Anvisiert werde aber nicht nur das traditionelle Bürgertum sondern auch Jüngere, wofür beispielsweise die TikTok-Sehgewohnheiten der jüngeren Generation bedacht wurden, so Lutz. So gibt es auch "die erste Selfie-Wand der Klassik Stiftung Weimar". Aber trotz allem Spielerischen "stehe die Literatur im Fokus", betont Lutz.

Zwei Ausstellungen zu Christoph Martin Wieland

Gleich zwei Ausstellungen werden im Themenjahr dem Shakespeare-Übersetzer und Aufklärer Christoph Martin Wieland gewidmet. Das Goethe- und Schiller-Archiv zeigt mit "Wieland! Weltgeist in Weimar" ab dem 5. Mai die erste Schau des Themenjahres. Ab dem 3. September folgt dann im Wielandgut Oßmannstedt die Dauerausstellung "Der erste Schriftsteller Deutschlands" zu Wieland.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Mai 2022 | 07:40 Uhr