Literatur Schriftsteller Thomas Kunst sieht sich bei Deutschem Buchpreis übergangen

Der in Sachsen-Anhalt lebende Schriftsteller Thomas Kunst findet, dass seine Literatur zu wenig gewürdigt wird. Sein Buch "Freie Folge" etwa hätte aus seiner Sicht 2015 den Deutschen Buchpreis verdient gehabt. Im Interview mit MDR KULTUR äußert Kunst auch einen Verdacht, warum er damals nicht einmal auf der Longlist stand. Über die Buchpreis-Nominierung für seinen Nachfolgeroman "Zandschower Klinken" 2021 habe er sich dann sehr gewundert.

Der 2021 mit "Zandschower Klinken" für den Deutschen Buchpreis nominierte Schriftsteller Thomas Kunst findet, dass er die Auszeichnung schon vor Jahren verdient gehabt hätte. Kunst sagte MDR KULTUR: "Ich hielt das einfach für angemessen, mit 'Freie Folge' wirklich den Deutschen Buchpreis zu bekommen." Der Roman war 2015 erschienen und schaffte es damals gar nicht erst auf die Longlist.

"Ich weiß noch, wie elementar meine Enttäuschung war, als ich mir die Zeitung mit der Longlist gekauft habe, (...) und mein Buch stand verflixterweise nicht mit drauf. Und ich habe die Welt wirklich nicht mehr verstanden", so Kunst. Danach sei er gebrochen gewesen.

Ich war einfach am Ende und dachte: Die Welt ist so beschissen, so abgrundtief ungerecht, dass ich das nicht mehr aushalte.

Thomas Kunst, Schriftsteller

Erfolgsaussichten bei Preisen ungleich verteilt?

Kunst äußerte den Verdacht, dass die Erfolgschancen bei derartigen Preisverleihungen auch von der Größe des jeweiligen Verlages abhingen. Es gebe natürlich auch Autorinnen und Autoren von kleineren Verlagen, gerade bei Jung und Jung, die ebenfalls schon auf Long- und Shortlists standen, sagte der Autor. "Aber prinzipiell würde ich sagen, je größer der Verlag, umso bedeutender die Chancen. Das ist leider so." Deshalb habe er nach dem Misserfolg auch seinen "Herzensverlag" Jung und Jung verlassen.

2021 erschien im Suhrkamp Verlag Kunsts nachfolgender Roman "Zandschower Klinken" – und schaffte es im selben Jahr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Darüber habe er sich sehr gewundert, so Kunst. Schließlich sei sein Leben in der Literatur bis dahin "nicht gerade eine Erfolgsstory" gewesen. So seien die meisten seiner bislang fast 20 Bücher untergegangen. Das gehe "so weit, dass die meisten ja sogar vergessen, dass ich davor Lyrik geschrieben habe, vor diesem Roman, der jetzt so erfolgreich ist."

Mehr zum Deutschen Buchpreis

Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Literatur-Branche. Er wird seit 2005 von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verliehen. Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Sieger oder die Siegerin erhält 25.000 Euro, die übrigen Autorinnen und Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.

Bisher wurden Romane aus folgenden Verlagen ausgezeichnet: Carl Hanser, Suhrkamp, S. Fischer, Kiepenheuer & Witsch, Jung und Jung, Rowohlt, Luchterhand , Frankfurter Verlagsanstalt und Matthes & Seitz Berlin.

Broterwerb als Lesesaal-Aufsicht in der Bibliothek

Kunst betonte, dass er trotz des Erfolgs mit "Zandschower Klinken" keineswegs reich geworden sei: "Das ist sehr sehr überschaubar". Insgesamt habe er für das Buch bislang rund 5.000 Euro bekommen – bei fünf Jahren Arbeit. Kunst verdient seinen Lebensunterhalt neben der Schriftstellerei seit 1987 als Pförtner und Lesesaal-Aufsicht in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig.

Ich schreibe jetzt schon so lange, und ich denke, angemessen gewürdigt bin ich für mein Werk überhaupt noch nicht.

Thomas Kunst, Schriftsteller

Als Grund für seinen ausbleibenden Erfolg sieht der Schriftsteller auch eigenes Verhalten: "Ich habe mich immer gefragt: Woran liegt das? Habe ich immer das Maul zu weit aufgerissen? Habe ich mich immer zu sehr echauffiert über diesen Literaturbetrieb? Habe ich Leute angegriffen? Werde ich sicherlich alles gemacht haben", so Kunst – er sei eben "nicht so der Diplomat".

Mehr über den Autor Thomas Kunst wurde 1965 in Stralsund geboren. 1986 kam er für ein Lehramtsstudium (Deutsch und Musik) nach Leipzig, was er nach zwei Monaten abbrach. Seit 1987 arbeitet er in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Mittlerweile lebt er in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt.

Kunst schreibt Lyrik und Prosa. Sein Debüt "Besorg noch für das Segel die Chaussee. Gedichte und eine Erzählung" erschien 1991 im Reclam Verlag. Seitdem hat er knapp 20 Bücher veröffentlicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Januar 2022 | 12:05 Uhr

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