Starke Stimmen Orphil-Lyrikpreise für Daniela Danz und Ronya Othmann

Daniela Danz, Ronya Othmann, zwei Frauen mit Mittelscheitel und langen Haaren
Die Lyrikerinnen und Schriftstellerinnen Daniela Danz (l.) und Ronya Othmann wurden mit Orphil-Lyrikpreisen ausgezeichnet. Bildrechte: Nils-Christian Engel - Cihan Cakmak

Die in Eisenach geborene Schriftstellerin Daniela Danz erhält den Lyrikpreis Orphil der Stadt Wiesbaden 2022. Die Auszeichnung würdigt ihr bisheriges Werk und insbesondere den 2020 erschienenen Band "Wildniß", wie die Stadt am Mittwoch mitteilte. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Verleihung findet am 2. Juni um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine in Wiesbaden statt.

Wie kaum einer anderen Stimme der deutschsprachigen Lyrik gelingt es Daniela Danz, in ihren Gedichten Resonanzräume zu schaffen, die Vergangenheit und Gegenwart in Beziehung zueinander setzen.

Aus der Jury-Begründung für Daniela Danz

Daniela Danz ist in Thüringen verwurzelt

Die Lyrikerin und Autorin wurde 1976 in Eisenach geboren und lebt heute in Kranichfeld an der Ilm. Sie ist ehemalige Stipendiatin der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi 2016, war Writer in Residence der Queen Mary University of London 2017 und erhielt unter anderem den Günter-Kunert-Literaturpreis 2020 sowie den Literaturpreis der "A und A Kulturstiftung" in Köln. Von 2013 bis 2020 hat Danz das Schillerhaus in Rudolstadt geleitet.

Zu Danz' veröffentlichten Werken gehören unter anderem die Gedichtbände "V" (2014), "Pontus" (2009) und "Wildniß" (2020) sowie die Romane "Lange Fluchten" (2016) und "Türmer" (2006).

Ronya Othmann erhält Orphil-Debütpreis 2022

Die in Leipzig lebende Autorin Ronya Othmann erhält neben Danz den mit 2.500 Euro dotierten Orphil-Debütpreis für ihr lyrisches Erstlingswerk "Die Verbrechen". Die Gedichte des Bandes seien "Echokammern, die uns als Lesende nicht mehr so schnell entlassen", so die Jury. Othmanns Texte könnten als "unendliches Lied über Zerstörung von Raum" gelesen werden.

Othmann wurde 1993 in München geboren. Sie ist Tochter eines kurdisch-jesidischen Vaters und einer deutschen Mutter. In ihrem Werk bezieht sie sich auch auf ihre jesidischen Wurzeln, beispielsweise in ihrem 2020 bei Hanser erschienen Debütroman "Die Sommer", der die Ermordung von Jesiden durch den Islamischen Staat thematisiert. Othmann hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert und unter anderem an den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur (Ingeborg-Bachmann-Preis) 2019 in Klagenfurt teilgenommen.

Die Autorin Ronya Othmann sitzt auf einer Fensterbank und liest
Die Schriftstellerin Ronya Othmann Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Der Orphil-Preis – eine Auszeichnung für Lyrik

Der Orphil-Preis wird an Lyrikerinnen und Lyriker vergeben, "die mit ihrem Werk Stellung beziehen und sich politischen wie stilistischen Moden zu widersetzen wissen". Er wird alle zwei Jahre verliehen. Gestiftet wurde er von Ilse Konell, der Witwe des lange Jahre in Wiesbaden lebenden Dichters George Konell (1912-1991). 2020 erhielt ihn die Schriftstellerin Marion Poschmann, weitere Preisträger waren Christoph Meckel (2018), Ulrike Draesner (2016), Karin Kiwus (2014) und Ursula Krechel (2012).

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. April 2022 | 15:30 Uhr

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