Rassismus-Debatte Debatte um Winnetou-Kinderbücher: Leipziger Verlegerin kritisiert Verkaufsstopp

In den sozialen Medien hat es heftige Kritik auf die Kinderbücher zum Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou" gegeben. Die Vorwürfe: Wiedergabe rassistischer Stereotype und kulturelle Aneignung. Der Ravensburger Verlag hat die Bücher nun vom Markt genommen. Doch geholfen sei der Debatte damit nicht, kritisiert Monika Osberghaus vom Leipziger Verlag Klett Kinderbuch.

Der junge Häuptling Winnetou (Mika Ullritz) in einer Szene aus «Der junge Häuptling Winnetou»
Mika Ullritz als Winnetou in einer Szene aus dem neuen Film "Der junge Häuptling Winnetou" Bildrechte: picture alliance/dpa/Leonine Studios | Marc Reimann

Die Leipziger Verlegerin Monika Osberghaus hat den Auslieferungsstopp zweier Winnetou-Kinderbücher des Ravensburger Verlags als "unglücklich" kritisiert. Der Verlag hatte die Bücher nach Rassismus-Vorwürfen aus dem Programm genommen. Dazu sagte die Klett Kinderbuch-Verlegerin Osberghaus am Dienstag bei MDR KULTUR, Ravensburger habe im Vorfeld eine Entscheidung getroffen: "Wenn man sich schon entschieden hat, ein Buch zu bringen, müsste man mit einer Haltung dahinterstehen, warum man das gemacht hat", so Osberghaus.

Diese Entscheidung könne man dann auch verteidigen und mit Kritikerinnen und Kritikern in Diskussion treten. Den sofortigen Auslieferungsstopp bezeichnete die Verlegerin als "ein Einknicken, um die Leserinnen und Leser nicht zu verprellen."

Ravensburger zieht Winnetou-Kinderbuch zurück

Der Ravensburger Verlag hatte Mitte August angekündigt, die Auslieferung von Kinderbüchern zu dem gleichnamigen Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou" zu stoppen und die Bücher aus dem Programm zu nehmen. Begründet wurde das in einem Instagram-Post mit dem Feedback der Nutzerinnen und Nutzer, das gezeigt habe, "dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben".

Monika Osberghaus
Monika Osberghaus, Verlegerin von Klett Kinderbuch Bildrechte: Susen Heyder, Lichtbildnerei Leipzig

Trotz aller Kritik forderte Osberghaus in der Debatte aber auch Verständnis für ihre Kolleginnen und Kollegen. Innerhalb der Verlage würden Themen wie Diversität und kulturelle Aneignung viel diskutiert, sagt sie. "Da haben wir gerade eine Gemengelage, auch gesellschaftlich, wo wir im Umbruch sind. Die Verlage reagieren darauf – das gelingt mal so und mal so. Da verhaut man sich auch mal." Die Kinderliteratur müsse sich dadurch neu erfinden. Für sie sei klar: Wer heute Kinderbücher schreibe, müsse sich von klassischen Indianergeschichten verabschieden.

Kulturminister Hoff hält Verkaufsstopp für falsch

Auch Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff (Linke) kritisierte die Reaktion des Verlags. Hoff sagte dem MDR, damit werde eine Debatte letztlich dadurch beendet, dass man sich zurückziehe. "Der Verlag hat ein ökonomisches Interesse und reagiert darauf. Für die Debatte ist das nicht gut", so der Minister.

Wenn tatsächlich Betroffene sich in ihren Gefühlen verletzt fühlten, müsse man reagieren. Im Fall der Kinderbücher habe es aber eine Debatte in den sozialen Netzwerken gegeben. Diese seien mit ihrer oft klaren "Frontstellung – schwarz-weiß, Verbotsforderung, Ablehnung, Kritik" jedoch keine Arena für eine wirkliche Debatte.

Quelle: Monika Osberghaus im MDR KULTUR-Interview, dpa | Redaktionelle Bearbeitung: Cornelia Winkler, Hendrik Kirchhof

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. August 2022 | 17:15 Uhr

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