1,5 Jahre Pandemie Wie kommt der Erfurter Club "Kalif Storch" durch die Corona-Krise?

Wo früher viele Menschen dicht an dicht schwitzten, dürfen derzeit maximal 40 Menschen im Außenbereich tanzen. Wie sieht der Clubbetreiber die Zukunft und wie ist der "Kalif Storch" durch die Corona-Situation gekommen? Die gute Nachricht, die Überbrückungshilfen haben offenbar geholfen. Aber es gibt andere Probleme.

Der Eingang zum Kalif Storch mit seinem gekreuzten Finger-Logo im Abendlicht. Davor die Gäste der Kleinen Rampe
Der Eingang zum Kalif Storch Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Die MusikClubs haben unter den Corona-Sicherheitsmaßnahmen gelitten, waren lange Zeit geschlossen, Beschäftigte mussten in Kurzarbeit. Mittlerweile ist die Coronalage – trotz aktuell steigender Inzidenzwerte – deutlich besser als vor einigen Monaten. Wie können die Clubs nun wieder öffnen und unter welchen Bedingungen? Die Politik diskutiert diese Fragen, und auch die Clubbetreiber haben ihre Vorstellungen.

Was sagen die Studienergebnisse?

Einer dieser Clubchefs ist Hubert Langrock, Mitbegründer und Geschäftsführer des Erfurter Clubs "Kalif Storch". Im Gespräch mit MDR KULTUR hat er sich für eine differenzierte Bewertung ausgesprochen. Erst sollten die Studien ausgewertet werden – und wenn ein Trend erkennbar ist, daraus Schlüsse gezogen werden. Beispielsweise bei der Gefahrenbeurteilung von PCR-getesteten oder geimpften Besucherinnen und Besuchern. Sollte sich hier eine Unbedenklichkeit herausstellen, könnte man die Clubs für diese Besuchergruppen öffnen. Langrock bemängelt, dass es dazu keine Auswertungen gebe.

Einzelbetrachtungen sind nötig

Der Clubchef wendet sich aber gegen pauschale Öffnungsforderungen, wie er sie beispielsweise von Interessenverbänden wie der Clubcommission oder der LiveKomm wahrgenommen hat. So mache es einen Unterschied, ob es ein "Keller mit einer Deckenhöhe von 2,50 Metern sei, wo es früher schon bei jeder Party von der Decke geregnet" habe. Bei einer Messehalle mit einem guten Belüftungssystem und 30 Meter hohen Decken sähe die Lage ganz anders aus, so Langrock.

Überbrückungshilfen haben geholfen

Ein positives Fazit zieht Langrock bei den staatlichen Überbrückungshilfen. Er könne zwar nicht für die anderen Einzelschicksale sprechen, jedoch greifen die Hilfen für den "Kalif Storch" gut. Sorgen bereite ihm eher die Perspektive und das Wegbrechen des Teams, sagt er, das sei für ihn ein größeres Problem als die finanziellen Sorgen.

Die Überbrückungshilfen, da muss man wirklich sagen, das ist schon gut. Und da können wir auch froh sein in Deutschland.

Hubert Langrock, Club "Kalif Storch" Erfurt

Kritik an der Haltung mancher Politiker

Zwiespältig nimmt Langrock die Situation bei der Politik und Verwaltung in Erfurt und Thüringen wahr. Es gebe durchaus Politiker, die sich für das Thema interessierten und es immer wieder auf die Agenda setzten. Andere räumten beispielsweise der Bundesgartenschau mehr Rechte ein als anderen.

Vera Klima auf einem Live-Konzert am 28.04.2019 im Erfurter Klub "Kalif Storch".
Für Veranstaltungen ist der "Kalif Storch" in Erfurt eine angesagte Adresse gewesen, hier ein Konzert mit Vera Klima 2019 Bildrechte: imago images / Future Image

Das Gesundheitsamt möchte Langrock zwar nicht pauschal schlechtreden, jedoch hatte er nach Gesprächsrunden persönlich nicht das Gefühl, dass man miteinander arbeitet, sondern dass es heißt: "Das und das geht – friss oder stirb!"

Es gebe in anderen Kommunen auch andere Möglichkeiten, betont Langrock und verweist auf ein konkretes Beispiel. So habe er Probleme, seinen Besuchern zu erklären, dass in Sömmerda tausend Besucherinnen und Besucher zusammen am See ein Oper Air feiern können – und im "Kalif Storch" dürfen aktuell nur 40 Leute im Außenbereich tanzen. "Das macht halt überhaupt keinen Sinn", so Langrock.

Mehr Kultur und Subkultur in Erfurt und Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. August 2021 | 07:10 Uhr

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