Raveland Thüringen Deutschlandweit bekannt: Technoclub "Muna" in Bad Klosterlausnitz

Techno-Clubs gibt es nicht nur in Großstädten. Der Club "Muna" im thüringischen Bad Klosterlausnitz ist seit 27 Jahren eine feste Adresse für die Szene der Region – dank der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Auch der erfolgreiche House-DJ und -produzent Mathias Kaden bleibt seiner Heimat treu und legt regelmäßig hier auf.

Von wegen auf dem Dorf werden ab 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt! In Bad Klosterlausnitz gibt es seit 27 Jahren einen Techno- und House Club. Die Muna ist über Thüringens Grenzen hinaus bekannt und wird regelmäßig von bekannten DJs und Produzentinnen der Szene bespielt. Außerdem gibt es einmal jährlich ein Open Air, einzelne Konzerte und Kinderfeste. Doch Kulturarbeit auf dem Land fordert von den Betreibenden auch ihren Tribut. Das Herz der Muna ist die Verein Moonray Spirit e.V.. Über 100 Menschen sind Mitglied.

Gegründet wurde die Muna bereits im Jahr 1994, nachdem einige junge Leute aus der Region in dem barackenartigen Gebäude auf einem ehemaligen Armeegelände erste Veranstaltungen machten. Nach dem Vorbild von damaligen Raves in Berlin nutzten sie den Leerstand für Partys und buchten sich die legendären Techno-DJs der Epoche in ihren Club, erinnert sich Vereinsmitglied Miezo.

Gelände des Club Muna in Bad Klosterlausnitz.
Gelände des Club Muna in Bad Klosterlausnitz. Bildrechte: TKR Drumandpress

Das waren meine ersten Berührungspunkte mit House und Techno. Hier war alles mit fluoreszierenden Farben bemalt und es hingen Stahlketten von den Decken herunter. Deko in den 90ern war anders, Hauptsache es war dunkel und es gab flackernde Strobolichtern.

Miezo, "Muna"-Mitbegründer und DJ

Für die "Muna" aus Berlin zurück in die Heimat gezogen

Bis heute legt Miezo auch als DJ in der "Muna" auf. Miezo lebte einige Jahre in Berlin, kam aber nach Bad Klosterlausnitz zurück. Einer der Gründe für seine Rückkehr war der Wunsch, sich im Verein für die Region zu engagieren. Die Lust etwas in der Heimat auf die Beine zu stellen, hat sich bei den Vereinsmitgliedern bis heute nicht verändert und so sind und sind drei Generationen auf der "Muna" aktiv. Miezo sagt, der Club ist darüber hinaus aber auch für die Region so wichtig.

Wir wollen neue Perspektiven aufzeigen und Räume schaffen, wo junge Menschen sich ausprobieren können oder einfach das tun können, worauf sie Lust haben. Leider wird heutzutage darauf wenig Wert gelegt, denn es geht immer nur um Leistung, darum etwas zu müssen.

Miezo, "Muna"-Vereinsmitglied und DJ

Gelände des Club Muna in Bad Klosterlausnitz.
Gelände des Club Muna in Bad Klosterlausnitz. Bildrechte: TKR Drumandpress

DJ Mathias Kaden bleibt Heimat Thüringen treu

"Das ist verdammt viel Arbeit den Laden aufrecht zur erhalten", so Miezo. "Aber wir wissen, wofür wir das tun." Heute ist die "Muna" eine echte Club-Institution und setzt Bad Klosterlausnitz auf die Landkarte der nationalen Technoszene. Das liegt nicht zuletzt auch an Mathias Kaden, der weltweit als DJ und Produzent unterwegs ist. Mit über 100.000 Abonnenten bei Facebook gehört er in Deutschland zu den bekanntesten Namen, wenn es im House-Musik geht. Seine Karriere startete hier und im Gegensatz zu vielen seiner Musikerkolleginnen ist er in der Heimat geblieben, anstatt nach Berlin, Amsterdam oder New York zu gehen.

Die Muna bedeutet mir nach wie vor alles. Ich wohne mit einer kurzen Unterbrechung schon immer hier und hab das auch gebraucht. Denn wenn du in Berlin lebst, jeden Abend mit deinen DJ-Kumpels schön essen gehst, dann fängst du vielleicht an dich zu verändern.

Mathias Kaden, weltweit als DJ und Produzent unterwegs

Für Mathias Kaden ist die Heimat nach wie vor ein wichtiger Ausgleich: "Mein engster Kreis findet es zwar cool, aber für die war es nie ein großes Ding, dass ich weltweit auflege. Wenn ich hierher zurückkam nach einem Gig, wurde ich also immer extrem geerdet." Bis heute lebt Kaden mit seiner Familie in Gera-Langenberg.

zu sehen sind v.l.n.r.: Mathias Kaden, Kupfer, Kathi Groll, Uta, Miezo, Feli.
zu sehen sind v.l.n.r.: Mathias Kaden, Kupfer, Kathi Groll, Uta, Miezo, Feli. Bildrechte: Felicitas Loether

Und plötzlich macht man die Steuererklärung

Doch die ehrenamtliche Kulturarbeit auf dem Land fordert von den Betreibenden auch ihren Tribut: Uta ist Schatzmeisterin und erklärt mit einem Augenzwinkern, dass es manchmal auch wirklich stressig werden kann: "Das ist so der Running Gag hier, dass einem gesagt wird: Komm her, hier ist es schön! Und dann hast du die Kette dran und machst plötzlich die Steuererklärung!

Über die Autorin Katharina Groll

Katharina Groll ist Musikjournalistin und Liebhaberin elektronischer Musik. In dieser Kulturszene ist sie auf- und mitgewachsen. Sie liebt die Musik, kennt die Künstlerinnen und Künstler und engagiert sich leidenschaftlich für die Szene. Im neuen Podcast "Raveland" von MDR SPUTNIK stellt Groll die regionale Technoszene und ihre Macherinnen und Macher vor. Bei MDR SPUTNIK betreut sie seit fünf Jahren die Sendung "Clubperlen".

Obwohl wenig Zeit für andere Hobbies bleibt: die Menschen im Verein um die Muna sind sich einig, ihren Club um jeden Preis erhalten zu wollen. Wenige deutsche Techno-Clubs können auf ein beinahe 30-jähriges Bestehen am selben Standort zurückschauen. Schon gar nicht im ländlichen Raum. Viel zu oft mussten sie anderen Bauvorhaben weichen, oder konnten sich finanziell nicht mehr tragen, weil junge Leute abwanderten. Umso wertvoller ist die Muna in Bad Klosterlausnitz, weiß Vereinsmitglied Uta: "Es macht Spaß, die Muna ist eine große Familie und man kriegt auch das Feedback von den Gästen wie schön es hier ist. Und die Menschen sind es, die uns so antreiben. Viele meiner besten Freunde sind auch hier und dadurch sind wir alle sehr mit dem Ort und dem Club verbunden."

Mehr zu Techno in ländlichen Regionen

Mehr Subkultur und Clubkultur in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen