Techno-Clubs Wenn Clubs im ländlichen Raum sterben: Sparte 13 in Naumburg

Naumburg ist bei Touristen beliebt und für seinen Dom, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, weltbekannt. Doch Clubs haben es hier schwer. Nach nur fünf Jahren musste der Techno-Club "Sparte 13" in Naumburg im Jahr 2019 schließen. Schuld daran sind unter anderem die Abwanderung junger Menschen und die lokale Altersstruktur. Doch die Betreiber geben nicht auf, sie wollen die Subkultur in ihrer Region lebendig halten. Zum Beispiel mit dem "Friendship Open Air"-Festival, was viel Engagement erfordert.

Fünf Jahre lang betrieben die Technoproduzenten Jan Ve und Mac Kee den kleinen Club "Sparte 13" in der Naumburger Altstadt. Die kleine Location über einer Bar war der einzige Underground-Club der Region. Circa 150 Menschen passten in den Laden, und auf dem Line Up standen Szene-DJs wie Robag Whrume, Cinthie oder Sven Tasnadi.

In einem Raum hängen lauter Disco-Kugeln von der Decke. Es handelt sich um die Bar im Techno-Club "Sparte 13" in Naumburg, der 2019 schließen musste.
Einblick in den Bar-Bereich der "Sparte 13". Bildrechte: Jan Ve

Ende 2019 musste die "Sparte 13" dann schließen. Clubbetreiber Jan Ve und Mac Kee, Booker des Clubs, trennten sich nur schweren Herzens von ihrem "Wohnzimmer", denn sie haben hier nicht nur viele gute Partys gefeiert, sondern auch sehr viel Herzblut und Freizeit in den Club gesteckt.

In der Sparte 13 stecken fünf Jahre unseres Lebens. Aber wenn du das nicht finanzieren kannst, bist du weg vom Fenster.

Jan Ve, ehemaliger Clubbetreiber der "Sparte 13"
Sparte 13, Club, Naumburg
Die "Sparte 13" hielt fünf Jahre lang die Technokultur in Naumburg lebendig. Bildrechte: Christiana Mehlhorn

Anfangs lief es noch sehr gut, aber im Laufe der Zeit konnte der Club nicht mehr genügend Geld einspielen. Das liegt nach Ansicht von Jan Ve auch an der Altersstruktur der Stadt. Denn die Naumburger sind laut einer Bevölkerungsstatistik aus dem Jahr 2019 im Durchschnitt knapp 50 Jahre alt. Das wirkte sich auf den Erfolg des Clubs aus, erklärt Jan Ve:

"In Leipzig kommt immer was nach, da ziehen immer neuer Studenten hin. Und dadurch gibt es mehr Potenzial. Wenn hier eine Gruppe von zehn Leuten nicht kommt, weil sie heiraten oder Kinder kriegen, kommen nicht so schnell neue nach. Das ist halt das Problem an der ländlichen Gegend!"

Abwanderung ist ein großes Problem

Clubsterben auf dem Land unterscheidet sich vom Wegbrechen der Clubs in Großstädten. Die Gentrifizierung spielt eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es um die Abwanderung jüngerer Menschen in die nächstgrößeren Städte, weil es dort mehr berufliche Perspektiven und ein größeres kulturelles Angebot gibt. Mac Kee fügt hinzu, dass es durch die innerstädtische Lage der "Sparte 13" auch Beschwerden wegen der Lautstärke gab.

Die Sparte war ja mitten in der Innenstadt. Das heißt, es gab auch immer Themen mit den Anwohnern. Und wenn du sowieso schon ein paar Parteien ein Dorn im Auge bist, wird keiner sagen: Wir unterstützen euch als Stadt.

Mac Kee, Ex-Booker "Sparte 13"

Auch wenn die Stadt Naumburg die "Sparte 13" nicht gefördert hat, ist sie der Szene gegenüber wohlgesonnen. Denn die Naumburger um Jan Ve und Mac Kee veranstalten einmal im Jahr das erfolgreiche "Friendship Open Air". Nachdem es aufgrund der Corona-Pandemie 2020 ausfallen musste, konnte es in diesem Jahr wieder stattfinden. Das erforderte zuvor einige Wochen Arbeit auf dem Innenhof eines alten Industriekomplexes im Norden von Naumburg.

Sparte 13, Club, Naumburg
v.l.n.r.: Podcasterin Katharina Groll mit Mac Kee und Jan Ve beim Interview in Naumburg Bildrechte: Christiana Mehlhorn

"Friendship Open Air" Naumburg: Kleines Festival, großes Engagement

Sparte 13, Club in Naumburg
Die Clubszene beeindruckt auch in Naumburg durch Kreativität. Bildrechte: Jan Ve

Auch wenn das "Friendship Open Air" 2021 etwas kleiner ausfiel, bauten Jan Ve, Mac Kee und ihre Freunde mit viel Liebe zum Detail das Festivalgelände auf. Neben einer selbstgezimmerten Holzbühne gab es eine Bar aus Europaletten, eine Sitzecke und Deko à la "Alice im Wunderland".

Für Jan Ve war es die harte Arbeit auf der Baustelle wert, er möchte auch weiterhin hochwertige Veranstaltungen machen, bei denen sich die Gäste sich nicht nur volllaufen lassen und dann wieder gehen, sondern das Open Air genießen und morgens mit dem Gefühl aufwachen, dass es schön war: "Ich trinke selbst nicht, und für mich ist das schönste Gefühl, wenn es losgehen kann, die Bar anfängt zu arbeiten und die Party läuft. Klar und wenn am Ende die Kasse so stimmt, dass alles bezahlt werden kann, fällt auch eine Last von mir."

Es geht nicht ums Geld

In Naumburg geht es nicht ums Geldverdienen, sondern darum, Subkultur am Leben zu erhalten und den Menschen aus der Stadt etwas zu bieten. Auch wenn das nicht immer klappt und der Club "Sparte 13" schließen musste. Jan Ve, Mac Kee und ihre Freunde geben nicht auf und planen schon wieder neue Veranstaltungen in ihrer Heimatstadt.

Über die Autorin Katharina Groll

Katharina Groll ist Musikjournalistin und Liebhaberin elektronischer Musik. In dieser Kulturszene ist sie auf- und mitgewachsen. Sie liebt die Musik, kennt die Künstlerinnen und Künstler und engagiert sich leidenschaftlich für die Szene. Im neuen Podcast "Raveland" von MDR SPUTNIK stellt Groll die regionale Technoszene und ihre Macherinnen und Macher vor. Bei MDR SPUTNIK betreut sie seit fünf Jahren die Sendung "Clubperlen".

Mehr zu Techno in ländlichen Regionen

Mehr zum Thema Clubs

Mehr aus Naumburg und Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | 08. September 2021 | 10:00 Uhr

Abonnieren