Corona-Regeln Was die 3G-Regeln für Großveranstaltungen bedeuten

Um einen weiteren Anstieg der Corona-Infektionszahlen zu verhindern, gilt seit dem 23. August vielerorts die 3G-Regel. Für kulturelle Großveranstaltungen gilt damit folgendes: Wer geimpft, getestet oder genesen ist, bekommt Zutritt. Auch die Plätze sollen reduziert bleiben. Der Geschäftsführer der Arena Leipzig, Philipp Franke, hat mit MDR KULTUR darüber gesprochen, was die 3G-Regel in der Praxis bedeutet.

Um herauszufinden, wie Großveranstaltungen während einer Pandemie möglich sein können, simulierte die Uniklinik in Halle ein Konzert mit Tim Bendzko.
Vor Corona fanden in der Leipziger Arena Konzerte mit zehntausenden Besuchern statt. Coronabedingt muss die Anzahl der Gäste nun weiter reduziert bleiben. (Archibild) Bildrechte: Uniklinik Halle

MDR KULTUR: Herr Franke, in der Arena Leipzig stehen Ihnen im Hauptraum rund 8.000 Plätze zur Verfügung. Sind die neuen Corona-Regeln für Sie ein verlässlicher Planungshorizont?

Philipp Franke: Die Arena hat ein Fassungsvermögen von bis zu 12.300 Personen in der größten Konzertvariante – das ist die Stehplatzvariante. Die größte Sitzplatzvariante fasst um die 8.000 Besucher. Zunächst begrüßen wir, dass zumindest erstmal Bewegung in die Diskussion zur Durchführung von Großveranstaltungen in Corona-Zeiten gekommen ist. Wobei eine echte Perspektive für uns noch nicht so richtig zu erkennen ist.

Philipp Franke
Philipp Franke ist einer der Betreiber der Leipziger Arena. Bildrechte: ZSL

Nach wie vor treffen die Landesregierungen die Vorgaben für die Schutz- und Hygienekonzepte, die Kontaktnachverfolgung, Einlass-Management, etc. Die Bundesländer bilden keine einheitlichen Regelungen in den Corona-Verordnungen ab, sodass es immer noch nicht zu einem Harmonisierungsprozess gekommen ist. In der Regel finden bei uns klassische Tour-Veranstaltungen statt. Solche Veranstaltungen finden nicht nur in Leipzig satt, sondern in verschiedenen Städten der ganzen Bundesrepublik. Solange es keine Harmonisierung der Regelungen für Großveranstaltungen gibt, werden die Veranstalter diese Tourneen nicht wieder losschicken, so dass es für uns zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht die erhoffte Perspektive gibt.

Welche Veranstaltung können Sie momentan überhaupt ins Auge fassen?

Die Quarterback Immobilien Arena in Leipzig
In der Arena setzt man momentan vor allem auf regelmäßige (Sport)Veranstaltungen. Bildrechte: imago images/ Picture Point LE

Die aktuellen Corona-Regeln lassen zu, Veranstaltungen zu betrachten, die regelmäßig stattfinden. Aktuell bereiten wir die neue Handball-Bundesliga-Saison vom SC DHfK Leipzig vor. Da sind wir natürlich im Austausch mit der Stadt Leipzig und dem SC DHfK, um das grundlegende Hygienekonzept zu erstellen. Das ist zum jetzigen Stand machbar, weil diese Handballspiele eine gewisse Regelmäßigkeit hervorrufen. Man kann also über die ganze Saison diese Planung angehen. Für alle weiteren Veranstaltungen, besonders diese Tourneeveranstaltungen, ist es aktuell tatsächlich schwierig, an die Umsetzung heranzugehen.

Ab 5.000 Plätzen Kapazität soll auch die Platzanzahl reduziert werden. Was bedeutet das wirtschaftlich für Sie?

Das wirtschaftliche Risiko einer Veranstaltung trägt immer der jeweilige Konzert- oder Sport- oder Show-Veranstalter. Die Veranstaltungen, die seit März 2020 nicht stattfinden konnten aufgrund der Corona-Pandemie, wurden zu einer Zeit geplant, als man noch von komplett anderen Voraussetzungen ausgegangen ist. Man hat eine gewisse Kalkulation dahinter. Und jetzt sollen diese Großveranstaltungen, die schon mehrfach verlegt wurden, auf einmal mit einer ganz anderen Kapazität gespielt werden. Da ist es tatsächlich schwierig, das wirtschaftlich zu spielen.

Für alle neuen Formate, die geplant werden, ist es wiederum auch schwierig, weil man mit einer 50-prozentigen Auslastung konfrontiert ist und auch da eine Wirtschaftlichkeit hinein bekommen muss. Es ist für die verlegten Veranstaltungen und für neu geplante aktuell schwierig. Deswegen sind wir immer noch nicht bei der Perspektive, die wir uns erhofft haben.

Andre Rieu in Madrid, 2019
Eine Großveranstaltung im November 2021 ist eine Konzert mit dem Stargeiger André Rieu. Bildrechte: imago images/alterphotos

Risiko und Verunsicherung gibt es aber auch bei den Besucherinnen und Besuchern. Nehmen Sie das wahr?

Wir merken natürlich, dass unsere Gäste mittlerweile schon mehrfach ihre Veranstaltungstickets wieder in die Schublade gelegt haben und auch, dass wir bei neuen Großveranstaltungen teilweise nicht die Ticketverkäufe verzeichnen, die wir in der präpandemischen Zeit hatten.

Nichtdestrotz merken wir – zumindest bei den Handballspielen und den Open-Air-Veranstaltungen auf der Festwiese –  dass es auch wieder freundliche und zufriedene Gesichter zu verzeichnen gibt. Diejenigen, die Tickets erwerben und den Besuch antreten, haben auch ein emotionales Erlebnis. Wenn man zu einer Veranstaltung geht, kann man das auch mit einem sicheren Gefühl tun. Wir sind natürlich auch gewillt, unserer Verantwortung nachzukommen und beispielsweise die 3G konsequent einzuhalten oder auch alle anderen Schutzmechanismen auf der Veranstaltungsfläche abzubilden.

Das Interview für "Aufgefallen" von MDR SACHSEN führte Heike Leschner.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Aufgefallen - das Kultumagazin | 16. August 2021 | 20:00 Uhr

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