Forschung zu künstlicher Intelligenz TU Dresden: Wie klingt die Musik der Zukunft?

Künstliche Intelligenz wird als eine der zukünftigen Schlüsseltechnologien betrachtet. Auch für Künstlerinnen und Künstler eröffnet KI neue Möglichkeiten – das zeigen auch die Arbeiten, die im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms am Schaufler Lab@TU Dresden, einer interdisziplinären Forschungsplattform der TU Dresden zur künstlichen Intelligenz, entstehen. Komponistin und Soundkünstlerin Esmeralda Conde Ruiz ist dort Stipendiatin und beschäftigt sich mit der Musik der Zukunft.

Eine dunkelhaarige Frau im dunkeblaunen Blazer steht mit verschränkten Armen vor einem großen Server.
Zum Abschluss ihrer Künstlerresidenz am Schaufler Lab der TU Dresden gibt Komponistin Esmeralda Conde Ruiz einen Einblick in ihre Forschung zu künstlicher Intelligenz und mehrstimmigem Gesang. Bildrechte: Schaufler Lab@TU Dresden, Foto: André Wirsig

Pläne ändern sich. So war es auch bei Esmeralda Conde Ruiz, als sie im Frühjahr nach Dresden kam und ihre Künstlerinnenresidenz im Schaufler Lab@TU Dresden zur künstlichen Intelligenz (KI) an der Technischen Universität (TU) antrat. Ihre Erfahrungen aus zahlreichen Chorprojekten, die die in London lebende Dirigentin und Komponistin weltweit gesammelt hat, wollte sie ursprünglich in die Welt der künstlichen Intelligenz übertragen und eine Art KI-Chor kreieren. "Die Idee war, sich inspirieren zu lassen, davon wie Chöre nonverbal miteinander kommunizieren", erklärt Ruiz ihr Vorhaben. "Der Chorleiter gibt ein Zeichen und es passiert etwas, aber genauso tauschen sie sich untereinander aus, während sie singen. Und ich habe mich gefragt, ob ein KI-Modell in dieser Form agieren kann, während ich es dirigiere."

Unmengen an Daten nötig

Soweit die Theorie. Doch als sie sich im Austausch mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Schaufler Lab und der TU intensiver mit dem Thema KI beschäftigte, war der Stipendiatin schnell klar, dass sich dieses Vorhaben keinesfalls während ihrer sechsmonatigen Residenz umsetzen ließe. Denn zunächst hätte sie dafür erst einmal Unmengen an Daten in diversen Chören sammeln müssen. Also justierte sie ihr Projekt neu und fragt sich nun: Wo befinden sich eigentlich all unsere Daten?

Was sie letztlich zu einer Serverfarm führte, die normalerweise nur für das Personal dort zugänglich sind. In den Hallen sei es extrem laut gewesen und es habe überall nach verbranntem Plastik gerochen. Zu ihrem großen Erstaunen nahm die Soundkünstlerin mit dem feinen Gehör einer Musikerin in all diesem Getöse jedoch eine überwältigende Klangvielfalt wahr. Klänge, die nicht in erster Linie von den Daten selbst erzeugt wurden, sondern von den Komponenten drumherum: den Regalgestellen, der Wasserkühlung und der Luftgebläse.

Töne außerhalb unserer Musikskala

Eine dunkelhaarige Frau im dunkeblaunen Blazer lacht in die Kamera.
Esmeralda Conde Ruiz, Soundkünstlerin Bildrechte: Schaufler Lab@TU Dresden, Foto: André Wirsig

Ruiz positionierte Mikrofone vor den Servern und zeichnete die Geräusche auf. "In meinem Kopf kann ich die Mikrotöne isolieren", sagt sie. "Als wir all diese verschiedenen Töne aufgenommen haben, haben wir über 25 gefunden. Wenn man sieht, welche Frequenz sie haben, dann gehören die meistens nicht unserer westlichen Musikskala an, sie liegen immer zwischen den Noten."

Die Töne hat sie später von einem Opernsänger nachsingen lassen. Auch sie selbst habe sich daran versucht, aber es sei schwierig gewesen, die Töne zu halten, berichtet sie. Umso mehr freue sie sich jetzt darauf, mit dieser Maschinenmusik jetzt weiterzuarbeiten, etwas daraus zu komponieren, dass nicht unseren westlichen Vorstellungen von Musik entspricht, sondern einer universelleren Idee folgt.

Freude am Experimentieren

Damit erweitert Esmeralda Conde Ruiz ihr ohnehin außergewöhnliches musikalisches Spektrum um ein weiteres Klangexperiment. So vereinte die gebürtige Spanierin zum Beispiel schon einen Gospelchor mit einem Barockorchester und ließ für eine Performance des Künstlers Ólafur Elíasson 40 Sängerinnen und Sänger sphärische Tonfolgen in riesige Eisblöcke singen oder besser hineinhauchen.

Dennoch eröffnet uns Esmeralda Conde Ruiz mit ihrer Recherche und der daraus entstehenden Komposition eine bisher ungekannte Klangwelt – die unserer permanenten digitalen Datenübertragung. Wer in diese Klangwelt hören möchte, muss sich allerdings noch etwas gedulden, denn Esmeralda Conde Ruiz wird dieses Werk erst im kommenden Frühjahr bei den "Dresdner Tagen der zeitgenössischen Musik" präsentieren. Über ihre Arbeit berichtet sie aber bereits am 29. September, auf einem Symposium in der der SLUB - Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek: "Zukunftsmusik. What the future might sound like".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. September 2022 | 06:15 Uhr

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