70. Geburtstag Wie Karat-Gitarrero Bernd Römer in Erfurt die Musik entdeckte

"Über sieben Brücken", "Schwanenkönig" und "Der blaue Planet" – mit Karat spielte Bernd Römer einige der wichtigsten deutschsprachigen Alben ein, erfolgreich nicht nur im Osten. Am 6. September 2022 wird "der beste Gitarrist der DDR" 70 Jahre alt und erzählt uns einem Rundgang, wie für ihn alles anfing in seiner Heimatstadt Erfurt; als schlechter Musikschüler, der lieber zu Hause Gitarre übte, als mit Mädchen abzutanzen. Inzwischen baut der Gitarrero eigene Instrumente.

Karat-Gitarrist Bernd Römer steht auf der Bühne und hebt die Arme siegessicher nach oben.
Mit Karat ist der Erfurter Gitarrist Bernd Römer immer noch auf Tour. Bildrechte: MDR/Werner Lengenfelder

MDR KULTUR: Bernd, wir beginnen im Erfurter Stadtgarten. Was verbindest Du mit diesem Ort?

Drei Männer sitzen in einem Biergarten an einem Tisch.
Die Erfurter Blues-Legende war ihm Vorbild: Bernd Römer mit Jürgen Kerth (l.) und MDR-Musikjournalist Werner Lengenfelder (r.) Bildrechte: MDR/Werner Lengenfelder

Bernd Römer: Das war der angesagteste Tanzladen und ich habe in diesen Räumen mit meiner Band, den Pythons, auch mal eine Weile geprobt – das muss 1967/68 gewesen sein. Und vor kurzem, im August, habe ich dort im Biergarten mit Karat gespielt.

Das Original von karat

Du hast uns einen Freund mitgebracht, die Erfurter Blues-Legende Jürgen Kerth. Von ihm hast Du Dir die ersten Tricks und Kniffe an den Saiten abgeschaut.

Auch wenn Jürgen nicht gewesen wäre, hätte ich Gitarre gespielt, aber er war damals meiner Meinung nach schon eine Weltnummer. 1966 habe ich mir zum Geburtstag meine erste Gitarre gekauft. Er hat mich total inspiriert und ohne Jürgen wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Die Gruppe "Karat" mit ihrem Sänger und Komponisten Herbert Dreilich (vorne rechts), gehörte zu den Spitzengruppen der Rockmusik in der DDR. In der DDR und in zwölf Ländern, wo die Gruppe auftrat, spielten sie vor ausverkauften Häusern. Besonders bekannt sind die Lieder "Über sieben Brücken", "Der blaue Planet" und "Die Glocke Zweitausend". L-r: Thomas Kurzhals, Christian Liebich, Michael Schwandt, Bernd Römer und Herbert Dreilich. Aufgenommen in Ost-Berlin am 29.04.1987.
Auch auf Auslandstourneen spielte Karat vor ausverkauften Häusern: Thomas Kurzhals, Christian Liebich, Michael Schwandt, Bernd Römer, Herbert Dreilich (v.l.n.r.) Bildrechte: dpa

Weiter geht es zum Domplatz. Welche Erinnerungen hast Du an diesen Ort?

Es war eine absolute Abenteuer-Kindheit. Wir haben hier Fußball gespielt und auch mal eine Lampe zerschossen. Unser Tor war zwischen einer Mauer und der Lampe.

2020 sind wir dann ein einziges Mal mit Karat auf dem Domplatz aufgetreten. Für mich ein absolutes Highlight. Beim Solo vom "Schwanenkönig" habe ich mich umgedreht und habe mir die beiden Kirchen angeguckt. Das war Gänsehaut pur.

Bernd Römer

Vom Domplatz schauen wir auf die Andreasstraße 33, dein Elternhaus. Wo genau hast Du gewohnt?

In der ersten Etage, mein Kinderzimmer ging nach hinten raus. Daneben mein Bruder Manfred. Wir hatten eine unvergessen schöne Kindheit. Unten hatte mein Papa seinen Goldschmiedeladen und der Hausbesitzer, ein Schneidermeister, seine Werkstatt.

Die Schallplatte "Karat - Der blaue Planet" ist halb aus einem Plattenregal hervorgezogen.
Karat: "Der blaue Planet" (1982) war das meist verkaufte Album einer DDR-Band und erreichte Platz 7 der westdeutschen Album-Charts. Bildrechte: dpa

Bernd, wie war das denn damals bei Dir mit der Liebe und den Mädels?

Meine Kinderfreundin hatte, als wir beide 13 waren, schon das Beatles-Album, das es in der DDR gab. Und das hat mich total angezündet. Da war für mich klar: Bernd, Du willst Gitarre spielen und lange Haare haben.

Der Erfurter Karat-Gitarrist Bernd Römer sitzt mit zwei Frauen an einem Biergarten-Tisch.
Treffen mit Fans in Erfurt: Gitarrist Bernd Römer ist immer noch beliebt. Bildrechte: MDR/Werner Lengenfelder

Kurioserweise habe ich damals nur mal hie und da geguckt und es hat auch mal gekribbelt, aber ich hab' nie rumgetanzt wie andere. Ich habe mir die Gitarristen angeguckt, bin immer heim, habe mir meine Gitarre genommen und habe versucht, das nachzuspielen.

In der Pergamentergasse 31 ist Dein ehemaliger Kindergarten gewesen. Warst Du ein braves Kind?

Jein. Wenn es darum ging, Blödsinn zu machen, da war Römer immer dabei. Ich wurde aber vor einigen Jahren noch einmal eingeladen zu einer Feier.

Deine ehemalige Schule ist in der Schottenstraße. Warst Du ein guter Schüler?

Als ich sie beendet hatte, habe ich gesagt: Nie wieder Schule! Ich habe in Musik eine Vier gehabt. In Russisch war ich sehr gut, da hatten wir eine ganz sympathische Lehrerin – und dann funktioniert das auch.

Bernd Römer lehnt vor einer grünen Tür in Erfurt.
Bernd Römer vor der Tür seines einstigen Kindergartens in Erfurt Bildrechte: MDR/Werner Lengenfelder

Dann war ich in einem Projekt und habe eine Ausbildung zum Funkmechaniker gemacht. Dadurch konnte ich später als Musiker alles selbst reparieren. Und jetzt baue ich auch Gitarren und habe da ein Know-How entwickelt, das – glaube ich – sogar einmalig ist.

Gitarrist Bernd Römer 47 min
Bildrechte: Jean Marc Schablin

Das Gespräch führte Werner Lengenfelder. Redaktionelle Bearbeitung: ks

Musik erleben in Erfurt

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 04. September 2022 | 22:05 Uhr

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