Reihe "Feature Ring" in Hellerau Musiker in Dresden bieten authentische Liveatmosphäre in One-Shot-Videosessions

Seit vielen Jahren lädt das Ring Trio zu Konzerten nach Dresden Hellerau. Für die pandemiebedingten Pause haben sie sich ein sehenswertes Videoformat zusammen mit Gastmusikern einfallen lassen: Feature Ring. Ben Garit Hernandez stellt für MDR KULTUR das Format vor und gibt Einblick in einiger der gelaufenen Performances.

Ring Trio
Das Ring Trio Bildrechte: Stephan Floss

Das Ring Trio ist so etwas wie die Hausband des Europäischen Zentrums der Künste in Dresden Hellerau. Seit über zehn Jahren laden die drei Musiker – Schlagzeuger Demian Kappenstein, Pianist Eren Solak und Bassist Felix Otto-Jacobi – einmal im Monat ganz verschiedene Künstler zu sich, ganz egal ob Synthiepopband, Soulsängerin, Sprachpoetin oder Free-Jazz-Posaunist.

Ehrliche Livevideos

"Feature Ring" nennen sich diese einmaligen Konzerte und Begegnungen auf der Bühne des Festspielhauses. Normalerweise passiert das Live vor Publikum. In Pandemiezeiten müssen andere Ideen her, wie die neuen One-Shot-Performances des Ring Trios. One-Shot bedeutet hierbei, dass die Videos in einer Einstellung an einem Stück gedreht werden, ohne Schnitt. Eine knappe halbe Stunde erhält man so Livemusikfeeling, dazu gibt es Interviews und Gespräche, Blicke und Einblicke.

Wir wollen kein Musikvideo, sondern das Gefühl erzeugen, wir machen das live und können jeden Moment scheitern. Wir sind ja umgeben von Perfektion im digitalen Konsum und da interessiert es uns ganz besonders, diese vulnerablen und risikofreudigen Momente abzubilden, denn da geht’s wirklich um was.

Schlagzeuger Demian Kappenstein zu den One-Shot-Performances

Immer eine andere Energie: Mirna Bogdanović

Mirna Bogdanovic
Mirna Bogdanović Bildrechte: Dovile Sermokas

Das Ring Trio hat beispielsweise die slowenische Musikerin Mirna Bogdanović zur One-Shot-Performance nach Hellerau eingeladen. Vier Scheinwerfer tauchen dabei die Bühne in warmes Licht , ein leichter Nebel schlängelt sich an Demian Kappensteins Schlagzeug entlang, vorbei am schwarzen Bechstein-Klavier, an dem Eren Solak sitzt, weiter zu Felix Otto Jacobi, dem man ganz genau auf die Finger schauen kann, während er die Saiten seines schneeweißen E-Basses zupft. Bogdanović im ersten Song soulig-sanft – nimmt sich dann die Zeit, ihre Ukulele zu stimmen, zupft schlichte Akkorde zu ihrem Gesang, bis die Band einsetzt und der Song zusehends an Fahrt gewinnt.

Ich weiß schon oft, was funktioniert und was nicht – aber es gibt natürlich noch immer Raum, was anders zu machen. Weil, jede Band hat eine andere Energie – und dann entsteht wieder was Neues.

Mirna Bogdanović

Sprachspaziergang: Tanasgol Sabbagh

Tanasgol Sabbagh
Tanasgol Sabbagh Bildrechte: Sergen Yener

Beim gemeinsamen Konzert mit der Spoken-Word-Künstlerin Tanasgol Sabbagh gab es einige dieser "risikofreudigen Momente", die man durch die One-Shot-Performances erhält. Im Konzertvideo begleitet die Kamera Tanasgol auf einer Wanderung durch das Festspielhaus. Plötzlich sind die Zuschauenden da, wo das Publikum für gewöhnlich nicht hinkommt: in den Garderoben oder auf der Beleuchterbrücke. Sabbagh trägt per Funkmikrofon fortlaufend ihre Poesie vor, sie trifft beim Spaziergang auf die einzelnen Musiker und beide verbinden sich kurz in einer gemeinsamen Performance – bis es wieder weitergeht.

Und ich danke Gott und dem freien Markt und der globalisierten Gesellschaft dafür, dass mein Geschlecht und meine Herkunft mein Kapital geworden sind. Und ich unterwerfe mich gern dem Diktat des Netzwerkens und des Fröhlichseins und der selbstermächtigten Ausbeutung und gäbe meine Seele her – wenn sie denn etwas wert wäre.

Tanasgol Sabbagh in ihrer Performance

Pop mit rauchiger Stimme: Alli Neumann

Alli Neumann
Alli Neumann Bildrechte: Clara Nebeling

Ton, Licht, Kamera, alles muss aufeinander abgestimmt sein. In der One-Shot-Performance gibt es keinen doppelten Boden, alles passiert in Echtzeit. Auch im kommenden Konzert, wenn das Ring Trio auf Alli Neumann trifft. Die 26-jährige Newcomerin erinnert mit ihren deutschsprachigen Popsongs und der rauchigen Stimme ein bisschen an Nena.

Verzerrte E-Gitarren, dicke Synthesizer und obendrauf noch ordentlich Hall. Ein bisschen Krawall gehört dazu, wenn Alli Neumann richtig aufdreht. Wie wird ihr Hitsong "Monster", eine charmant-süffisante Popnummer, da wohl gemeinsam mit dem Ring Trio klingen? Viel Zeit zum Proben bleibt nicht. Die meisten Absprachen gibt es im Vorfeld über Zoom und Telefon. Auch dieses Konzert wird wieder als One-Shot-Performance gedreht. Trotzdem wird wieder alles neu, wieder alles anders sein. Das war ja schon immer der große Reiz der Feature Ring Konzerte in Hellerau.

Musiker und Musik

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Februar 2021 | 17:10 Uhr

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