"Sinfonie der Kulturen" Heimatklänge bei den Dresdner Musikfestspielen: Felix Räubers besonderer Soundtrack wird uraufgeführt

Von den Gesängen der sorbischen Osterreiter bis zu den Geräuschkulissen der erzgebirgischen Stollen: Felix Räuber, einst Frontsänger der Band Polarkreis 18, hat in den vergangenen drei Jahren nach den Klängen seiner sächsischen Heimat geforscht. Mit Aufnahmegerät und Kamera. Inspirieren ließ er sich auch zu eigenen Kompositionen. Am Dienstag feiert sein persönlicher Soundtrack als "Sinfonie der Kulturen" Uraufführung im Dresdner Kulturpalast – in einer Fusion aus Konzert und Film. Warum Räuber ausgerechnet auf einer Reise nach Nordkorea auf die Heimat-Idee kam, hat er MDR KULTUR erzählt.

Felix Räuber im Tagebau bei Dreharbeiten
Felix Räuber bei Aufnahmen im Braunkohle-Tagebau Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

Der gebürtige Dresdner Felix Räuber, einst Frontsänger der Band Polarkreis 18, hat die Klänge seiner Heimat Sachsen erforscht. Und das ganz konkret, mit Aufnahmegerät im Gepäck: Für sein Projekt "Wie klingt Heimat" reiste der 36-Jährige in die unterschiedlichsten Winkel Sachsens, um zuzuhören: wie die sorbischen Osterreiter singen, wie die Wälder im Zittauer Gebirge rauschen, wie der Bürgerchor Hoyerswerda Gundermanns Lieder intoniert, wie im Musikwinkel im Vogtland die Geigen klingen. Am Dienstag ist sein ganz persönlicher "Soundtrack der Heimat" im Dresdner Kulturpalast zu erleben.

Sinfonie der Kulturen

Felix Räuber mit Marc Oliver Rühle bei Drehortrecherche
Felix Räuber mit Marc Oliver Rühle bei der Drehortrecherche Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

Es ist eine musikalische Reise, die nicht auf Monate, sondern auf drei Jahre angelegt war. Nach jeder seiner Begegnungen vor Ort, die auch mit der Kamera begleitet wurde, sollte ein Lied entstehen: "So werden Vergangenheit und Zukunft miteinander verwoben", erklärte Felix Räuber dazu. Münden sollte das Projekt in eine "Sinfonie der Kulturen", die nun Uraufführung feiert. Aber nicht nur das: Aus jeder der zehn Begegnungen vor Ort entsteht auch eine TV-Dokumentation. Die Ausstrahlung sowie die Präsentation des Albums sind ebenfalls für 2022 geplant.

Blick auf die Heimat aus der Ferne

Felix Räuber mit dem Bürgerchor Hoyerswerda
Felix Räuber mit dem Bürgerchor Hoyerswerda (Im September 2020) Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

Bei diesem Mammutprojekt ist Räuber nicht allein unterwegs, sondern mit alten Weggefährtinnen und Weggefährten aus Dresden, darunter sein Freund noch aus Grundschulzeiten, Marc Oliver Rühle. Eine gemeinsame Reise der beiden 2018 nach Nordkorea war es, die den Anstoß für das Projekt gab. Räuber begleitete den Journalisten Rühle bei dessen Recherchereise in das abgeschirmte Land. Die Ferne weckte das Interesse an der eigenen Heimat. Auf dem Heimflug, noch ganz benommen von der Beschallung durch Kim Jong Uns Propaganda, ging ihnen irgendwo über der sibirischen Steppe ein Licht auf, wie sich Felix Räuber erinnert.

Wir haben uns dann echt gefragt: 'Was soll das? Wir fliegen einmal um die Welt, um 'das Exotische' zu suchen. Dabei haben wir eigentlich gar keine Ahnung, was direkt vor unserer Haustür los ist.'

Felix Räuber, Musiker
Felix Räuber mit Daniel Wessela, Kantor der Osterreiter der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal in der Katharinen-Kirche in Ralbitz
Felix Räuber mit Daniel Wessela, Kantor der Osterreiter der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal in der Katharinen-Kirche in Ralbitz (Im September 2020) Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

So begann die Recherche vor der Haustür, eine Suche nach der Heimat, transportiert über das Medium, welches dem Sänger Felix Räuber am nächsten steht: die Musik. Nachdem er vor 22 Jahren mit der Band Polarkreis 18 vor allen Dingen eines wollte: In die Welt hinaus und global orientiert sein, besinnt sich der gebürtige Dresdner nun auf seine Wurzeln.

Für ihre Recherche haben sich Felix Räuber und sein Team insgesamt zehn sogenannte Kulturkreise ausgesucht: Dazu gehört neben den Osterreitern und der Natur im Zittauer Gebirge auch eine Auseinandersetzung mit der Migrationskultur in Sachsen, etwa die ethnische Minderheit der Vietnamesen, die mit der DDR-Geschichte eng verbunden sind. Oder aber ein Blick in die Lausitz, wo die Anwohner täglich Braunkohlebagger hörten. Für diese Menschen gehöre auch der Lärm zum Klang ihrer Heimat, so Felix Räuber, aber auch die Lieder Gundermanns, die er bei einer Probe des Bürgerchors in Hoyerswerda aufgenommen hat.

Der schöne Klang von Heimat

Anliegen ist es, den Heimatbegriff selbst aktiv zu besetzen. Für Räuber ist Heimat etwas Philosophisches. Die Versuche von rechts, den Begriff politisch identitär aufzuladen, nehme ihm die Freiheit, sagt er:

Heimat ist ein unfassbar schönes Wort mit einem ganz offenen, getragenen Klang. Es ist auch ein Wort, das man in vielen Sprachen versteht. Zum Beispiel sagt man auf Isländisch: heimalandi.

Felix Räuber, Musiker

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. März 2021 | 16:40 Uhr

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