"Zweite Schutzheilige Magdeburgs" Komödie über Königin Luise von Preußen als atmosphärisches Hörbuch

Ursprünglich war "Luise" über die Königin von Preußen als Operette konzipiert, komponiert von Jens-Uwe Günther. Aber dann kam Corona, die Kammerspiele Magdeburg mussten neue Wege gehen und wagten die Produktion eines Hörbuchs. Schauspieler Jörg Schüttauf konnte für das Projekt gewonnen werden, der als Erzähler die musikalischen Bühnen-Parts miteinander verbindet. Unter der Regie von Sängerin Susanne Bard entstand etwas Neues, was ein Stück weit alles ist: Operette, Hörbuch und Hörspiel in einem.

Postkarten mit dem Porträt der Königin Luise liegen auf einem Tisch. 5 min
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Ursprünglich war "Luise" über die Königin von Preußen als Operette konzipiert. Aber dann kam Corona, die Kammerspiele Magdeburg mussten neue Wege gehen. So entstand eine Art Hörspiel, mit Jörg Schüttauf als Sprecher.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 15.10.2021 12:29Uhr 04:34 min

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Großer Chor und feines Schauspiel, eine Operette, aber als Hörbuch – das ist besonders. Die Magdeburger Kammerspiele haben damit im besten Sinn aus der Not eine Tugend gemacht: Denn wegen Corona saßen die Kulturschaffenden auf dem Trockenen. Und motiviert durch das Landesförderstipendium haben sie das bisher unveröffentlichte Stück "Luise" aus der Schublade geholt, erzählt Autor Dirk Heidecke : "Dankenswerterweise gab es ja das Stipendium Kultur ans Netz, und da musste ja jeder Künstler mit einem Einzelprojekt sich eigentlich vorstellen."

Wir haben aber gesagt, wir trommeln ganz viele zusammen aus unserem eigenen Ensemble und aus der freien Szene und haben uns gemeinsam rangemacht, das Hörbuch aufzunehmen.

Dirk Heidecke, Autor

Und das waren viele. Allen voran der Komponist Jens-Uwe Günther – aber auch der neue Magdeburger Kammerchor unter der Leitung von Matthias Vetter hat mitgewirkt. Unter Pandemie-Bedingungen hieß das Proben über Zoom – eine Herausforderung.

Bild der Königin Luise im Brandenburg-Preußen Museum
Luise, Königin von Preußen im Portrait Bildrechte: dpa

Hilfe aus Schauspiel- und Opernhaus

15 Magdeburger Solisten konnte man gewinnen, sagt Susanne Bard durchaus ein bisschen stolz. Als Schauspielerin und Sängerin der freien Kammerspiele hat sie die Regie übernommen: "Ich selbst habe viele Hörspiele einsprechen können ehemals beim MDR und mit großen Leuten zusammengearbeitet. Insofern ist mir das Metier sehr vertraut, und wir haben Glück gehabt als Kammerspiele Magdeburg, dass wir eben Verbindung haben noch ins Schauspielhaus und auch die Sänger vom Opernhaus, die dabei waren, die uns freundschaftlich verbunden sind."

Da ging es wirklich nicht darum, Geld zu verdienen, sondern uns als freischaffende Künstler diese Möglichkeit überhaupt zu schaffen, dass wir das Ganze als Hörbuch, als Hörspiel auf eine CD bringen können.

Susanne Bard, Regisseurin

Jörg Schüttauf als Erzähler

Bleib kurz dran - Jörg Schüttauf
Konnte als Erzähler gewonnen werden: Schauspieler Jörg Schüttauf. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Als Erzähler konnten sie den bekannten Schauspieler Jörg Schüttauf gewinnen. Und er führt dann auch durch die Handlung, bei der es, wie bereits der Titel der Operette verspricht, um Königin Luise geht: "Luise ist gewissermaßen nach Königin Editha die zweite Schutzheilige Magdeburgs und ist sicherlich die berühmteste Königin der deutschen Geschichte. Und war in Preußen auch eine sehr moderne Königin zu ihrer Zeit und galt als Königin der Herzen als Vorbild für die Prinzessin der Herzen, Lady Di und durch ihren tragischen frühen Tod ist sie natürlich erst recht zur Legende geworden."

In den Befreiungskriegen von Napoleon hat sie eine große Rolle gespielt und hat eben viel mit Magdeburg zu tun, weil sie sich auch bei Napoleon für die Schonung Magdeburgs nach der Niederlage Preußens 1806 eingesetzt hat.

Regisseurin Susanne Bard über Königin Luise

Unterhaltsame Verwechslungskomödie

Denkmal von Luise Königin von Preussen im Geschwister-Scholl-Park in Magdeburg
Denkmal von Königin Luise im Geschwister-Scholl-Park in Magdeburg Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

In Magdeburg steht sogar ein Denkmal von ihr – doch greift die Operette nicht die Regentschaft von Luise und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen auf, sondern das Kennenlernen der beiden Prinzessinnen Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz und der beiden preußischen Prinzen-Brüder Friedrich Wilhelm und Louis. Darum nämlich wurde vom Autor Heidicke eine unterhaltsame Verwechslungskomödie gestrickt.

Dirk Heidecke führt aus: "Die Operette dreht sich historisch um die Zeit zwischen dem Kennenlernen des preußischen Thronfolgers, also Friedrich Wilhelm III., und Luise. Das war eine Doppelverlobung mit ihrer Schwester Friederike und dem Prinz' Louis. Und es ist eine Komödie, die einfach mal behauptet, die beiden Prinzen haben die Rollen getauscht, sodass sie dann erst mit dem falschen Prinzen ... Und eh sich das Missverständnis aufklärt, gibt es viele Wirren und am Ende löst sich das natürlich, wie sich das für eine Operette gehört, alles in Friede auf."

Unterhaltsam und lehrreich

Tatsächlich kann man dem Witz der Szenerie durch das atmosphärisch dichte Spiel gut folgen und auch die musikalische Qualität beeindruckt, denn alle Rollen wurden doppelt besetzt mit Schauspielern und Sängerinnen. Im besten Sinn also gute Unterhaltung, bei der man auch noch etwas über die historischen Figuren lernt. Wer da übrigens mehr wissen will, es gibt zum Hörbuch auch zwei Booklets, eines zum Leben der "Königin der Herzen", das andere mit Texten der Lieder, aber auch Fotos der außergewöhnlichen Gemeinschaftsproduktion. In dem Sinn auch eine Erinnerung an die kreative Kraft während der Pandemie.

Weitere Informationen "Luise", Hörbuch
Operette komponiert von Jens-Uwe Günther
Autor: Dirk Heidecke
Regie: Susanne Bard
Sprecher: Jörg Schüttauf
Preis: 24,80 Euro

Das Hörbuch wird am 17. Oktober 2021 im Magdeburger Schauspielhaus vorgestellt. Weitere Informationen folgen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Oktober 2021 | 07:10 Uhr