Vom 23. bis 26. September Neues Deutschfolk-Festival in Jena: Konzerte, Lesungen und Ausstellung

Vom 23. bis 26. September findet in und um Jena das 1. DeutschFolk-Festival statt, das sich auf traditionelle Musik aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fokussiert. Bands wie Bube Dame König oder Tworna beweisen, dass die deutsche Folksszene seit der DDR jünger, weiblicher und vielfältiger geworden ist. Das Festival will außerdem einen Gegenpol zu rechtem Deutschfolk bieten. Neben Konzerten gibt es deswegen Vorträge, Lesungen und eine Ausstellung im Programm.

Leute sitzen am Abend vor einer Open-Air-Bühne
Das AmViehTheater Beulbar ist ein Veranstaltungsort des DeutschFolk-Festivals. Bildrechte: Henryk Schmidt

Vom 23. bis 26. September findet in und rund um Jena das 1. DeutschFolk-Festival statt, das sich auf Musik regionaler und traditioneller Herkunft fokussiert. An vier Festivaltagen werden mit einem Schwerpunkt auf mitteldeutscher Folkmusik neben Konzerten, offenen Folksessions, einem Tanzworkshop auch drei Vorträge sowie eine begleitende DDR-Folk-Ausstellung angeboten. Veranstalter ist die vor einem Jahr gegründete DeutschFolk-Initiative, die traditionelle Musik an ein breites Publikum herantragen will, ohne dabei nationalistische oder rein kommerzielle Interessen zu verfolgen.

Bands wie Bube Dame König und Tworna

Musikerin Peggy Luck ist Teil der DeutschFolk-Initiative, die sich zum Ziel gemacht hat, Deutschfolk aus seinem Nischendasein herauszuholen. Im Gespräch bei MDR KULTUR erklärte sie, dass in den letzten Jahren durch die Gründung neuer Bands viel Bewegung in die deutsche Folkszene gekommen sei. Entgegen seines verstaubten Images sei Deutschfolk vergleichsweise jung, musikalisch sehr fit und vor allem weiblicher geworden.

"In der Folkszene der DDR musste man die Bands schon eher suchen mit Frauenanteil. Und hier gibt es mit Tworna, Bube Dame König, Hüsch, auf jeden Fall einige Bands, die einen sehr guten, starken Frauenanteil haben", sagt Initiatorin Luck. Davon könne man sich auf dem Festival selbst überzeugen.

Die Band Bube Dame König: Till Uhlmann, Juliane Weinelt, Jan Oelmann
Die Band Bube Dame König spielt am 25.09. ein Konzert. Bildrechte: Sebastian Schröder

Festival als Gegenpol zu rechter Folkszene

Das Festivalprogramm umfasst außerdem Vorträge und Lesungen, die sich mit dem Verhältnis von Folkmusik zur deutschen Geschichte beschäftigen. Man wolle auf diese Weise explizit einen Gegenpol zu rechtem Deutschfolk darstellen, erklärt Initiatorin Luck: "Und ich würde auch sagen, dass folkloristisches Wurzelwerk an sich immer erst mal jenseits dieser Fronten links und rechts ist." Den Veranstaltern sei wichtig, sich von nationalistischen Interessen zu distanzieren.

Deswegen sagen wir akustische Heimat für Kopf, Herz und Beine. Also es gibt zu nachzudenken, diskutieren. Es gibt zu hören, es gibt sich kennenzulernen.

Mehr zur Geschichte der DDR-Folkszene von 1976 bis 1990 bietet eine Festival-Ausstellung in der Kulturkirche Löbstedt in Jena. Wolfgang Leyn, auf dessen Buch "Volkes Lied und Vater Staat" die Ausstellung basiert, hält einen Vortrag zur Romantik und dem Volkslied. Bernhard Hanneken, der langjährige künstlerische Leiter des Rudolstadt-Festivals, wird sein Buch über die deutsche Folkszene in beiden Teilen des Landes vorstellen.

Fans und Bands sollen sich kennenlernen

Das Deutschfolk-Festival soll nicht das einzige seiner Art bleiben, sondern eine Reihe werden, die in den nächsten Jahren durch alle Bundesländer führt. Auf diese Weise sollen Menschen in jeder Ecke des Landes regionale Folkmusik kennenlernen können, wünscht sich Initiatorin Luck. Man habe außerdem einen virtuellen Stammtisch für Folkmusikerinnen und Musiker ins Leben gerufen, um das neu gewonnene Netzwerk über das Festival hinaus zu stärken.

Die Bandmitglieder von "Tworna" aus Dresden
Auch die Band Tworna ist beim DeutschFolk-Festival in Jena vertreten. Bildrechte: Ray van Zeschau

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