Musik im Freien Posaunist Florian Gaube bringt einen Hauch New-Orleans-Jazz nach Leipzig

Fast täglich steht Musiker Florian Gaube am Palmgartenwehr in Leipzig. Sein Ziel: Mit Improvisationen auf seiner Posaune Musik in die Stadt bringen. Am liebsten musiziert er eigentlich mit anderen zusammen in Jam-Sessions. Doch seit dem Winter spielt er auch vermehrt allein. Inspiration zieht er dafür aus Reisen und dem Blues und Jazz aus New Orleans.

Künstler mit seinem Instrument auf der Brücke über dem Wehr.
Bildrechte: Pia Uffelmann

Es ist laut auf der Brücke über dem Palmgartenwehr in Leipzig. Darunter rauschen die Wassermassen durch. Trotzdem hat sich Florian Gaube diesen malerischen Ort ausgesucht, um Posaune zu spielen, denn sein Instrument sei ganz schön laut. "Und es muss ja nicht sein, dass ich anderen Leuten meine Musik aufzwinge", erzählt er. Deswegen spielt er dort, am Palmgartenwehr, wo es laut ist. "Ich habe hier meinen Raum, so zu spielen, wie ich es für richtig halte", sagt der 28-Jährige.

Inspiriert von New Orleans

Künstler mit seinem Instrument auf der Brücke über dem Wehr.
Die Posaune ist Gaubes ständiger Begleiter. Bildrechte: Pia Uffelmann

Beim Spielen fallen ihm seine wilden langen blonden Haare immer mal ins Gesicht. Er wippt mit seinen Füßen, die in Wanderschuhen stecken, während er sein Instrument spielt, das augenscheinlich schon die eine oder andere Reise erlebt hat. "Ich bringe die Musik in die Stadt", sagt Florian und lächelt. Beinah täglich, je nach Wetter, ist der Musiker nachmittags auf dem Wehr. Hier probt und improvisiert er – und sieht sich dort am Wasser in einer Tradition mit der Musik aus New Orleans. Der Blues und Jazz, der dort herkam, habe auch immer etwas mit dem Mississippi zu tun, sagt Florian Gaube. "Dort in New Orleans hat man so etwas gespielt und da dachte ich, dann kann ich mich auch an einen Fluss setzen."

Am Wehr, überdacht, hat Florian schon länger einen guten Platz zum Spielen gefunden. Seit dem Winter spielt er dort. Bei Schnee war er geschützt, mit einem Platz zum Sitzen. Mit seinem Spiel vertreibt sich der gebürtige Leipziger auch die Langeweile. Denn angesichts der Pandemie ist es schon länger nicht mehr möglich, mit anderen in Jam-Sessions zu spielen, wie er es davor zu tun pflegte. Seinerzeit sei es möglich gewesen, jeden Abend irgendwo hinzugehen, in Kneipen und Clubs, um gemeinsam zu jammen. "Da steht dann ein Schlagzeug oder Leute haben Verstärker aufgebaut. Und man kann einfach mitspielen", erzählt der Musiker.

Die Menschen genießen die Musik mehr

Künstler mit seinem Instrument auf der Brücke über dem Wehr.
Auf dem Palmengartenwehr musiziert Florian Gaube seit dem Winter fast täglich. Bildrechte: Pia Uffelmann

Für den 28-Jährigen hat sich die Musik zum Mittelpunkt seines Lebens entwickelt. Der Leipziger hat an der Musikschule Posaune gelernt und dann sechs Jahre in einer Ska-Punk-Band gespielt. Auf Reisen durch Frankreich und Portugal vor vier Jahren hat er den handgemachten Blues auf den Straßen für sich entdeckt und kam voller Inspiration zurück. Er habe dann einige Projekte gestartet und beispielsweise mit einem Kumpel zusammen Blues gespielt. Der Name des Duos: Lost in Jam. "Wir waren die ganze Zeit auf der Jamsession und waren so ein bisschen lost. Wir kamen da nicht weg und haben dann immer weiter gespielt", erklärt Florian Gaube.

Vor Corona hat er fast jeden Abend irgendwo Musik gemacht – sonntags etwa die Jam-Sessions auf der Sachsenbrücke in Leipzig mit angeschoben – ein öffentlicher Ort, wo viele Menschen lose zusammenkommen. Durch die Pandemie lebt er jetzt ein neues Leben. Bei seinem Spiel am Wehr beobachtet er, dass die Leute die Musik mehr genießen. Man merke es nicht finanziell, so der Musiker, dass die Leute mehr geben. Aber die Leute brächten eine andere Stimmung mit.

Für die Frühlings- und Sommermonate hofft Florian Gaube, dass die Jam-Sessions draußen auf der Sachsenbrücke wieder losgehen. Er kann es kaum erwarten, endlich wieder mit anderen Musikerinnen und Musiker zusammenzuspielen und sich darin zu verlieren.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Mittag | 31. Mai 2021 | 12:40 Uhr

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