Trauer Früherer Leipziger Opernintendant Udo Zimmermann gestorben

Der ehemalige Intendant der Oper Leipzig, Udo Zimmermann, ist tot. Nach Angaben seiner Witwe starb er im Alter von 78 Jahren. Der gebürtige Dresdner war von 1990 bis 2001 als Intendant in Leipzig.

Der Komponist, Dirigent und Intendant, Udo Zimmermann
Udo Zimmermann Bildrechte: dpa

Der Komponist, Dirigent und ehemalige Intendant der Oper Leipzig, Udo Zimmermann, ist tot. Nach Angaben seiner Witwe starb er in der Nacht zum Freitag im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit. Der gebürtige Dresdner war von 1990 bis 2001 als Intendant in Leipzig. Anschließend ging er als Generalintendant an die Deutsche Oper Berlin.

MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky über Udo Zimmermann

Als Udo Zimmermann nach der Wende Opernintendant in Leipzig wurde, begann eine Ära, die von einer immensen künstlerischen Kraft getragen war und bis heute unerreicht bleibt. Sie begann 1990 und endete 2001. Natürlich brachte die Aufbruchstimmung Wind unter die Flügel. Geld war da, um diese Kunst zu ermöglichen. Jubiläen wie 300 Jahre Oper Leipzig brachten Aufmerksamkeit zu Beginn.

Udo Zimmermann wirkte mit Sachverstand und kluger Personalpolitik: Der Starchoreograph Uwe Scholz fand in Leipzig eine neue Heimat; Peter Konwitschny wurde eine Art Hausregisseur und startete von hier aus durch. Es gelang Udo Zimmermann, George Tabori für "Moses und Aaron" zu verpflichten oder Ruth Berghaus für "Die Fledermaus". Auch John Dew mit einer westsozialisierten Handschrift war mit im Boot, inszenierte einen Pop-Mozart der unterhaltsamen, aber nicht billigen Art. Zimmermann brachte zusammen, was sich heute allzu oft unvereinbar gegenübersteht. Er war ein Mann des Dialogs.

Besonders am Herz lag ihm natürlich die zeitgenössische Oper. Zwei Teile der Heptalogie "Licht" von Karlheinz Stockhausen wurden in Leipzig uraufgeführt: "Dienstag" und "Freitag". Gegen Ende der 90er-Jahre, als zunehmend eine Spardebatte die Spielpläne bestimmte, schwanden Gestaltungskraft und -lust.

Zimmermann hatte Glück, ging an die Deutsche Oper Berlin. Und er blieb immer Opernkomponist. Seine "Weiße Rose“ verschwand nicht nach der Uraufführung im Nirwana, sondern bleibt bis heute auf den Spielplänen. Und er war auch ein Netzwerker. Er leitete Reihen für zeitgenössische Musik, zum Beispiel "Musica viva" in München. Er war ein herausragender Künstler!

Zimmermann begann seine musikalische Laufbahn beim Dresdner Kreuzchor, der damals von Rudolf Mauersberger geleitet wurde. Schon in jungen Jahren begann er, selbst zu komponieren. Später studierte er neben Dirigieren und Komposition auch Gesang.

In seiner Vielseitigkeit als Künstler, als Dirigent, als Komponist, als Intendant, war er wirklich sehr sehr aktiv.

Michael Ernst, MDR KULTUR-Musikkritiker

Starkes Engagement für zeitgenössische Musik

Zu Zimmermanns kompositorischem Hauptwerk zählen seine Opern. Weltweit bekannt wurde vor allem die Kammeroper "Weiße Rose" aus dem Jahr 1986 über das Schicksal der Geschwister Scholl im Nationalsozialismus. Aber auch "Der Schuhu und die fliegende Prinzessin" wurde vielfach aufgeführt. Dabei standen Zimmermanns Werke schon zu DDR-Zeiten auch im Westen auf den Spielplänen. Neben Opern schrieb er Kammermusik, Vokal- und Orchesterwerke.

Zimmermann setzte sich besonders für Gegenwartsmusik ein, etwa mit der Gründung des Zentrums für zeitgenössische Musik in Dresden oder ab 1985 als Leiter der Werkstatt für modernes Musiktheater in Bonn. Als Gastdirigent leitete er berühmte Orchester wie die Berliner und die Wiener Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig oder das Tonhalle-Orchester Zürich. In den vergangenen zehn Jahren zog er sich krankheitsbedingt aus der Öffentlichkeit zurück.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Oktober 2021 | 08:10 Uhr

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