Festival Der Yiddish Summer beginnt in Weimar

Jedes Jahr wird in Weimar mehrere Wochen lang die Jiddische Kultur gefeiert: Beim Yiddish Summer 2022, der vom 15. Juli bis 20. August stattfindet, wollen die Organisatorinnen und Organisatoren den Einfluss der türkischen und griechischen Kultur erkunden. Außerdem sind Workshops geplant, unter anderem zu Sprache und Esskultur. Bei der Eröffnung am Freitag gab es vor allem viel Wiedersehensfreude!

Mehrere Menschen musizieren gemeinsam auf dem WEimarer Marktplatz
Ganz Weimar wird vom Klang der jüdischen Musik erfasst. Bildrechte: Yiddish Summer Weimar

"In diesem Sommer thematisieren wir zum allerersten Mal die jiddische Kultur und die Rolle von jiddischen Musikern im Osmanischen Reich", erklärt Alan Bern, der künstlerische Leiter des Weimarer Festivals Yiddisch Summer. Er freut sich auf die kommenden vier Wochen – Workshops, Konzerte, Jam Sessions, Tanz, Begegnungen stehen auf dem Programm. Es gibt Konzerte in Weimar, Erfurt (unter anderem im Zughafen, der Kleinen und der Alten Synagoge), Altenburg, Leipzig – selbst im kleinen Kapellendorf bei Wasserburg und beim Verein der Natur- und Heimatfreunde von Niederzimmern (nahe Weimar) sind Veranstaltungen geplant.

Ein Festival, das nicht nur die Weiten der jiddischen Kultur – der Sprache und Musik – auslotet. Der Yiddish Summer in Weimar ist auch ein Festival, dass mit den Menschen ins Gespräch kommen will. Wer mag, kann die Sprache erlernen, bei Kochkursen einen Blick in die jiddische Küche werfen, an Instrumentalworkshops teilnehmen, einen Shabbes-inspirierten Abend erleben – und damit sind nur wenige Punkte des Festivals genannt. Auch ein Wiedersehen mit Ilya Shneyveys und dem Caravan Orchestra (unter anderem in Leipzig, am 11. August 2022 auf dem Marktplatz) ist geplant.

Spannende Entdeckungen in Weimar

Seit mehr als 20 Jahren gibt es den Yiddish Summer Weimar. In diesem Jahr gibt es also den Blick auf die griechische und türkische Einflüsse im Gesang, in der Melodik und die Antwort auf die Fragen: Was verbindet alle? Was macht heute einen gemeinsamen Klang aus und wie bringt man ihn zeitgemäß auf die Bühne?  

"Da sind so viele spannende Entdeckungen zu machen", sagt Alan Bern. Man könne sich locker ab jetzt zehn Jahre mit diesem Thema beschäftigen und es wäre noch immer nicht erschöpft. Er freue sich auf die Konzerte mit Kyriakos Gouventas, Vassilis Ketentzoglou und Sofia Papazoglou aus Griechenland. Unter dem Titel "The Amber Gate" stehen sie in Erfurt, Weimar und Eisenach auf der Bühne. "Das ist für mich eine einzige Freude", meint Bern.

Eine Frau mit braunen lockigen Haaren lächelt.
Sofia Papzoglu ist eine der vielen Gäste beim Festival 2022 Bildrechte: Yiddish Summer Weimar

Wiedersehen beim Yiddish Summer

Viele langjährige Wegbegleiter und Freunde von Alan Bern sind auch in diesem Jahr wieder zu Gast. Einer von ihnen: Michael Alpert: "1996 haben wir gemeinsam in der Band 'Brave Old World' begonnen. Es ist seitdem so viel gewachsen, vieles entstanden. Natürlich geht es uns um Musik, aber immer auch um die jiddische Sprache." 

Von der Seite ist ein Mann mit einem Akkordeon zu sehen.
Alan Bern ist langjährige Leiter des Weimarer Festivals. Bildrechte: Yiddish Summer Weimar

Michael Alpert lebte lange in New York, nun ist er in Schottland zuhause. Dem Yiddish Summer Weimar ist er eng verbunden, lehrt Tanz und Gesang.  Er gilt als einer der profiliertesten Kenner der jiddischen Sprache. "Wenn ich nach Deutschland komme, bin ich nicht nur der Jude und der 'yiddisch guy'. Ich bin Amerikaner, Kalifornier. Aktuell lebe ich in Schottland,  45 Jahre war ich in New York." Mit anderen Worten: Wer hier ist, vereint viele Dinge in einem Leben, in einer Persönlichkeit – in einem Künstlerleben – und genau das macht Weimar und dieses Festival so faszinierend – für die Gäste und die Akteure. 

"Der Ort steht für dieses Zusammenspiel aus unterschiedlichen Menschen, Musik, Tanz, aus sehr verschiedenen Aspekten der osteuropäischen jüdischen Welt, natürlich auch eng verbunden mit der Vergangenheit, aber eben auch mit zeitgenössischen Dingen. Wir feiern das und wir nennen es: Jiddisch-Land", so Alpert. Nicht nur gemeinsam als "The Amber Gate" kreieren sie ihren eigenen, neuen Sound. Sie bringen Klangwelten zusammen und sind auf sinnliche Weise miteinander musikalisch im Gespräch. 

Eine Frau schreibt verschieden Schriftzeichen auf eine weiße Tafel.
Zum Yiddish Summer gehören auch zahlreiche Workshops. Bildrechte: Yiddish Summer Weimar

Besonderer Klang des Jiddischen

"Yiddish Summer-Sound" – gibt es den? Christian Dawid, ein Spezialist für diverse Blasinstrumente, schmunzelt bei dieser Frage. Denn auch ihm fällt diese große Gemeinsamkeit, diese enge und stille Verbundenheit beim Improvisieren auf. "Es gibt immer eine Welt, und man trifft sich dort", erzählt er. "Alle haben einen anderen Zugang. Vieles ist neu, vieles vertraut." Mit den griechischen Musiker*innen nun auf einer Bühne zu stehen, sei für ihn großartig: "Es sind einfach wunderbare Musiker und Musikerinnen, die Besten in ihrem Feld. Auch in Griechenland und in der ganzen Welt bekannt für das, was sie machen und das inspiriert."

"Wenn du zuhörst, öffnet es die Ohren", sagt Christian Dawid. "Du erlebst immer wieder etwas Neues, eine neue Tiefe, eine neue Nuance. Nichts wird ein zweites Mal genau so gespielt wie es davor gespielt wurde. Dabei bleibst du wach und bekommst viel Inspiration."

Weitere Informationen Der Yiddish Summer Weimar findet vom 15. Juli bis zum 20. August 2022 an mehreren Orten in und um Weimar statt.

Ausgewählte Termine:
Francesca Ter-Berg & Jake Shulman-Ment Duo | Klezmer String Power
31. Juli, 20 Uhr in der Alten Synagoge Erfurt

The Anton Pann Ensemble
9. August, 20 Uhr im mon ami Weimar

KaraYam
10. August, 20 Uhr im mon ami Weimar

Amintire
11. August, 20 Uhr im mon ami Weimar

Yiddish Creativity Lost / Yiddish Creativity Found – Die Nacht der ermordeten sowjetischen jiddischen Dichter*innen
12. August, 20 Uhr im mon ami Weimar

Yiddish Summer Weimar Open Air, u.a. mit dem Caravan Orchestra
13. August, 20 Uhr im mon ami Weimar

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juli 2022 | 09:40 Uhr

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