MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt #8 Welche Zukunft haben Clubs nach der Krise?

Clubs sind die Basis: Dort erproben sich junge Musikerinnen und Musiker, bevor sie später vielleicht in Konzert- und Kulturhäusern, Arenen und Hallen groß gefeiert werden. Clubs sind Begegnungsorte. Wie sie in Zeiten der Pandemie überleben können, das erkundete die digitale Zukunftswerkstatt von MDR KULTUR am Dienstag. Zu Gast waren Musikerin Alin Coen, die Geschäftsführerin vom "Werk 2" in Leipzig, Katrin Gruel, und Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch.

Eine Grafik, die einen Laptop und eine Discokugel inklusive der Überschrift "Digitale Zukunftswerkstatt" zeigt.
Bildrechte: MDR/Florian Leue

"Die Clubs waren die ersten, die zugemacht haben am Beginn des Lockdowns. Und werden die letzten sein, die wieder öffnen." Diese Prognose machte der renommierte Musikjournalist Jens Balzer im Sommer 2020 – und sollte Recht behalten. Welche Zukunft die Clubs in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben, darüber diskutierte MDR KULTUR am Dienstag in der 8. digitalen Zukunftswerkstatt.

Reinhard Bärenz, Hauptredaktionsleiter MDR KULTUR.
Reinhard Bärenz, Hauptredaktionsleiter MDR KULTUR Bildrechte: MDR/Joachim Blobel

Die Gäste:

  • Alin Coen, Musikerin
  • Katrin Gruel, Geschäftsführerin WERK 2 in Leipzig
  • Barbara Klepsch, Sächsische Kulturministerin

Moderation: Reinhard Bärenz, Hauptredaktionsleiter MDR KULTUR

Die Diskussion zur "Clublandschaft Mitteldeutschland" können Sie sich hier noch einmal anschauen:

Was bedeuten Clubs für Musikerinnen und Musiker?

Alin Coen, Musikerin: Junge Musikerinnen und Musiker spielen ihre ersten Konzerte in den lokalen Clubs. Damit sind sie besonders wichtig für die Nachwuchs-Förderung.

Darauf weist Alin Coen hin. Sie selbst spielte Pandemie-bedingt vor zwei Jahren ihr letztes Club-Konzert, abgesehen von einer Club Session für MDR KULTUR im November 2020. Sie meint:

Gerade ist ein bisschen Optimismus vorhanden, (...) eben weil Konzerte und Tanzveranstaltungen draußen stattfinden können. Aber man muss natürlich darüber nachdenken, was ab September passiert. Wie man die Clubs so aufrüsten kann, dass da auch über die Wintermonate was stattfinden kann.

Alin Coen Musikerin

Welche Öffnungsperspektiven sehen Club-Betreiber?

Aufgrund der Corona-Pandemie müssen Clubs wie das Werk 2 geschlossen bleiben. Doch wie gehen Club-Betreiber, Kulturschaffende und Künstler*innen damit um? Wie können sie ihre Existenzen sichern?
Welche Öffnungsperspektiven sehen Club-Betreiber. Bildrechte: MDR SPUTNIK / Kathi Groll

Katrin Gruel, Geschäftsführerin Werk 2 in Leipzig: Und selbst, wenn der Club-Betrieb wieder anläuft, werden die Bedingungen andere sein: Unbekannte und etablierte Acts stehen in neuer Konkurrenz um die limitierten Termine. Clubbetreibende sind im Zwang, finanzielle Verluste wieder einzuspielen und möglicherweise weniger auf den Nachwuchs, also auf Risiko zu setzen. Wie gehen sie im Leipziger Werk 2, das auch am Modellprojekt beteiligt ist, mit der Situation um? Ihre Erfahrungen wird Katrin Gruel schildern.

Welche Konzepte hat die Politik?

Barbara Klepsch, Sächsische Kulturministerin: Clubs sind soziokulturelle Orte der Begegnung und Keimzelle für den Nachwuchs, der vielleicht später in Konzert- und Kulturhäusern, Arenen und Hallen groß gefeiert wird. Clubs erschließen nicht selten verfallende urbane Räume, werden später bei der Stadtentwicklung aber zu wenig berücksichtigt oder vor allem als "Störfaktor" wahrgenommen, wenn ein Wohngebiet da entsteht, wo vorher Brache war. Im Februar 2020 stand das drohende "Clubsterben" sogar auf der Agenda des Bundestags. Mittlerweile sind die Clubs dank einer fraktionsübergreifenden Initiative als Kulturstätten anerkannt. Welche Konzepte hat der Freistaat, die Szene zu unterstützen? Nur eine von vielen Fragen an Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch.

Reallabor ohne Restart?

Zwar gibt es Modellprojekte wie derzeit in Leipzig. So tanzten beispielsweise in der weit über die Stadt hinaus bekannten Distillery gerade an zwei Abenden je 200 Menschen ohne Abstand und Maske im so genannten Reallabor. Die von der Universität Leipzig und dem Max-Planck-Institut begleitete Studie soll Aufschluss geben, was demnächst, vor allem in Spätherbst und Winter möglich sein wird.

Mit Restart-19 hatte es ein größer angelegtes Projekt mit jeweils 1.600 Menschen in der Arena Leipzig bereits im Herbst 2020 gegeben, die Erkenntnisse daraus fanden aus Sicht der Musikszene aber kaum Berücksichtigung. Dabei ist der Handlungsdruck groß, seit Monaten fehlen den meisten freien Musikerinnen und Musikern die Auftrittsmöglichkeiten und damit die Existenzgrundlage.

Was verloren geht, dort wo Clubs sterben, das zeigt eine vielbeachtete Studie der Initiative Musik, die 2019 durchgeführt wurde und zu diesen Zahlen kam:

  • 260.000 Künstlerinnen und Künstler oder Bands traten 2019 in Clubs auf, darunter ca. 75.000 Nachwuchsmusikerinnen und -musiker.
  • Über 2.000 Musikclubs mit 190.000 Konzerten erwirtschafteten 2019 insgesamt 1,1 Mrd. Euro Umsatz.
  • Ca. 45.000 Beschäftigte gibt es, 20 Prozent davon sind Ehrenamtliche.
  • 2019 fanden im Schnitt 500 Club-Konzerte pro Tag statt. Das hieße auch, dass seit Beginn des Lockdowns ca. 225.000 Clubkonzerte ausgefallen sind.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juni 2021 | 07:10 Uhr

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