Weltmusik in der Provinz Die wichtigsten Fragen zum Rudolstadt-Festival

Die Augsburger Band Revelling Crooks beim Rudolstadt-Festival 2019.
Die Augsburger Band Revelling Crooks beim Rudolstadt-Festival 2019. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wann findet das Rudolstadt-Festival 2022 statt?

Das Rudolstadt-Festival 2022 findet vom 7. bis 10. Juli 2022 statt.


Was ist für das Festival 2022 zu erwarten?

Nach zwei Corona-Absagen haben sich die Organisatoren entschlossen, für 2022 ein neues Programm zu entwickeln. Ursprünglich sollte das 2020er-Programm auf 2021 übertragen werden, eine erneute Schiebung kam für die Macher jedoch nicht in Frage. So ist der geplante Länderschwerpunkt "Deutschland" vorerst vertagt. Stattdessen wird 2022 unter dem Motto "Titos Erben" stehen und die Musik der Nachfolgestaaten Jugoslawiens in den Mittelpunkt stellen.


Welchen Rang hat das Rudolstadt-Festival?

Das Rudolstadt-Festival ist Deutschlands größtes Festival für Folk-, Roots- und Weltmusik. Seine Premiere erlebte es im Juli 1991, (neu-)gegründet von einem deutsch-deutschen Organisationsteam, anfangs als Tanz&FolkFest, später TFF Rudolstadt und seit 2016 als Rudolstadt-Festival.

Heute gehört das Rudolstadt-Festival zu den bedeutendsten Festivals seiner Art in Europa. Jedes Jahr gastieren Solisten, Bands und Ensembles von mehreren Kontinenten, etablierte Künstler ebenso wie Newcomer der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Beim letzten öffentlichen Festival 2019 kamen Musiker aus rund 40 Ländern. Während des Festivals wurden mehr als 100.000 Besucher in der thüringischen Kleinstadt gezählt.

Rund 100 in- und ausländische Medien berichten vom Festival. Mehrere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zeichnen Konzerte auf. MDR KULTUR lädt Künstler ein und sendet im Radio live aus Rudolstadt. Videojournalisten, Webreporter und Fotografen machen die Festivalatmosphäre online nacherlebbar. Kameraleute vom MDR-Landesfunkhaus Thüringen drehen einen einstündigen Fernsehfilm über das Festival.


Wo finden die Konzerte statt?

Es gibt mehr als 20 Spielstätten, verteilt über die ganze Stadt. Dazu zählen das Barockschloss Heidecksburg, der Marktplatz, die Stadtkirche, das Theater, die Bibliothek, der Handwerkerhof sowie mehrere Freilichtbühnen und das Tanzzelt im Heinepark am Ufer der Saale. Nachtschwärmer können dort bis in die frühen Morgenstunden Konzerten lauschen – und tanzen. Musiziert wird auch auf der Straße, in öffentlichen und in privaten Gärten.


Was bietet das Rahmenprogramm?

Zusätzlich zu den rund 300 Konzerten bietet das Festival Tanz-, Gesangs- und Instrumental-Workshops, Vorträge und Ausstellungen. Unterhaltsame Liedgeschichte vermittelt das "Songposium". Im Instrumentenbau-Zentrum kann man schauen, probieren und kaufen. Am Wochenende wartet auf die Jüngsten ein fantasievolles Kinderfest im Heinepark.


Was ist die neue RUTH?

Erstmals gibt es statt des bisherigen Weltmusikpreises in vier Kategorien nur noch eine Auszeichnung: Musikerinnen und Musiker können die RUTH nun ebenso gewinnen wie verdiente Einzelpersonen, Initiativen oder spannende aktuelle Projekte. Dafür stehen die Preisträger der neuen RUTH: Humba Efau aus Köln hatten sich die Organisatoren bereits für 2020 ausgeguckt – aus Anlass des 25. Geburtstages dieses besonderen Karnevals-Projektes von Grafiker und DJ Jan Ü. Krauthäuser, in dem sich u.a. alte kölsche Leeder und afrobrasilianische Widerstandskultur verbinden, zu erleben bei Konzerten, auf CD und als spannende historische Recherche nachzulesen. Ausgezeichnet wird außerdem der Berliner Publizist Christoph Dieckmann. Der studierte Theologe ist Autor zahlreicher Bücher und schreibt häufig über ostdeutsche Themen, Rockmusik und Fußball, u.a. in der "Zeit". Wegen der Absage der Rudolstadt-Festivals 2020 und 2021 wird die RUTH 2020 auch beim Rudolstadt-Festival 2022 vergeben


Was kosten die Tickets?

Eine Dauerkarte für alle vier Tage und Konzerte an fast 30 Orten der Stadt gibt es ab 120 Euro, Menschen mit Hauptwohnsitz im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt zahlen 63 Euro. Eine Juniorkarte (7 bis 16 Jahre) kostet ebenfalls 63 Euro (für junge Menschen aus dem Landkreis 31,50 Euro). Für Camping oder andere Unterkunft – für Reisende mit Zelt, Wohnmobil und/oder Auto gibt es jeweils gesonderte Kombi-Karten, ebenso für Übernachtungen in einer Gemeinschaftsunterkunft (Turnhalle) auf auf dem Gelände eines Freibades.

Neben Dauerkarten gibt es auch wieder Innenstadtkarten für nur einen Tag. Sie werden ausschließlich vor Ort am jeweiligen Tag verkauft und kosten jeweils 10 Euro, ermäßigt 5 Euro.


Was gibt es für ein Hygienekonzept?

Nach Angaben der Veranstalter gibt es keine Corona-bedingten Beschränkungen. Für Veranstaltungen in Innenräumen wird aber empfohlen, freiwillig eine Maske zu tragen.


Welche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es?

Hotels und Pensionen sind während des Festivals im weiten Umkreis ausgebucht. Dafür werden in dieser Zeit in Rudolstadt mehrere Zelt- und Caravanplätze eingerichtet. Die Übernachtungen dort sowie in einer Drei-Felder-Sporthalle können nur in Kombination mit einem 4-Tages-Festival-Ticket online gebucht werden (siehe oben).


Wie komme ich nach Rudolstadt?

Die thüringische Kleinstadt an der Saale ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Deutsche Bahn und Abellio fahren von Leipzig bzw. Halle über Jena nach Rudolstadt, auf der Strecke von Nürnberg her verkehrt der Franken-Thüringen-Express. Ab Erfurt und Weimar kann man den Kombus nehmen, ab Berlin den Flixbus. Bahnhof und Busbahnhof sind nur fünf Gehminuten vom Rudolstädter Marktplatz entfernt. Anreise mit Pkw über die A4 Dresden-Frankfurt, die A9 Berlin-Nürnberg-München bzw. die A71 Erfurt-Schweinfurt. Von drei P+R-Parkplätzen an den Zufahrtsstraßen nach Rudolstadt ist das gesamte Festivalgelände durch Shuttle-Busse zu erreichen, für Karteninhaber ist das kostenlos.


Woher kommt die Folk-Tradition in Rudolstadt?

Das Rudolstadt-Festival hat eine Vorgeschichte in der DDR, denn bereits im Jahr 1955 fand hier das "1. Fest des deutschen Volkstanzes" statt. Dieses wurde zu einem DDR-Tanz- und Folklorefest mit Schwerpunkt auf osteuropäischer Musik und bestand bis 1989. Der Name des Treffens änderte sich mehrfach, aus dem Fest des deutschen Volkstanzes wurde u.a. das Tanz- und Musikfest des Bezirkes Gera und ab 1969 bis 1989 das alle zwei Jahre stattfindende Tanzfest der DDR. Ab den 80er-Jahren spielte zunehmend auch die Folkmusik eine Rolle bei den Veranstaltungen, was den Neustart des Treffens ab 1991 in Rudolstadt inspirierte.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Radio: MDR KULTUR | Folk und Welt | mittwochs | 21:00 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. April 2022 | 08:30 Uhr