Aus Thüringen auf die Bühnen der Welt Altenburger Hut- und Kostümausstatter fertigt Kreationen für Filme und Theater weltweit

Die internationale Theater- und Filmwelt setzt auf das handwerkliche Können aus dem Altenburger Land. Im Örtchen Lödla hat die Altenburger Hut und Kostüm GmbH ihren Sitz. Der kleine Betrieb ist auf historische Hüte und Bekleidung spezialisiert. Zu den Kunden gehören neben Trachten- und Karnevalsvereinen vor allem Film und Fernsehen sowie Theater und Opernhäuser auf der ganzen Welt. Die Kostüme wurden u.a. im Oscar-nominierten Film "Der Untergang", bei den Salzburger Festspielen oder an der Oper in Amsterdam getragen.

Eine Schaufensterpuppe in einem leicht ausgeblichenen roten Kostüm mit Hut. Im Hintergrund ein Regal mit vielen verschiedenen Hüten. 4 min
Die Altenburger Hut und Kostüm GmbH fertigt Kreationen für die internationale Theater- und Filmwelt an. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler
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Die Theater- und Filmwelt setzt auf Kostüme "made im Altenburger Land". Ein kleiner Betrieb im Örtchen Lödla hat sich auf historische Bekleidung spezialisiert. Cornelia Winkler hat die Werkstatt besucht.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 07.03.2022 06:00Uhr 03:32 min

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Von außen vermutet man kaum, dass sich hinter der Fassade eines Bungalows im Gewerbegebiet Lödla eine weltbekannte Hutmacherei und Schneiderei verbergen. Nur ein kleines Schild am Eingang mit der Aufschrift "Hut und Putz" weist auf das Traditionsunternehmen hin. Die Kundenliste ist dafür umso erstaunlicher: Salzburger Festspiele, Amsterdamer Oper und etliche historische Filmproduktionen – das kleine Unternehmen mit Sitz unweit von Altenburg hat bereits Kostüme für erfolgreiche Filme und Theaterhäuser auf der ganzen Welt angefertigt.

Einzige Hutwerkstatt Mitteldeutschlands

Angefangen hat ursprünglich alles mit dem Zylinder. Und das bereits im 19. Jahrhundert, wie Betriebsleiter Harald Etzold erzählt: "Die Zylinder-Produktion gibt es seit 1860 im Haus in Altenburg. Das war Herr Hollersen. Von ihm haben wir auch noch seinen Original-Zylinder hier. Von da an wurden immer Zylinder gefertigt – bis 1960 privat, dann wurde es PGH bis '89 und dann 'Hut & Putz'."

Blick in eine Hutmacherei mit zahlreichen hölzernen Hutformen in den Regalen.
Mehr als 1.300 Hutformen liegen in der Werkstatt der Hutmacherei in Lödla bereit. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Heute ist die Hutfarbik in Lödla die einzige noch produzierende Hutwerkstatt in Mitteldeutschland. 2001 hatte Harald Etzold die Firma übernommen. Nachdem in der Corona-Pandemie die Theater häufig geschlossen und dadurch viele Aufträge weggebrochen waren, kam im vergangenen Jahr die Insolvenz – und zum Jahreswechsel die rettende Übernahme durch die "Matamorph GmbH". Nun heißt das Unternehmen Altenburger Hut und Kostüm GmbH. Etzold arbeitet weiter als Betriebsleiter.

Von der Hufmanufaktur zum Komplettausstatter

Der 66-Jährige kennt die Textilbranche wie kaum ein anderer. Bis Mitte der 90er-Jahre leitete er die Altenburger Wollspinnerei. Damals galt die Region Ostthüringen als Textilhochburg. Nachdem Etzold 2001 "Hut & Putz" übernommen hatte, erweiterte er das Angebot: vom Hut- zum Komplettausstatter für Kopfbedeckungen und Kostüme aller Art.

Der erste große Auftrag 2003 gab seiner Strategie Recht. Für die Aufführung des "Rosenkavaliers" am Salzburger Theater sollte das Altenburger Unternehmen Zylinder zusteuern. Doch dabei sollte es letztlich nicht bleiben. Harald Etzold sagt: "Das hat denen so gefallen, dass die Kostümbildnerin mich gefragt hat: Können Sie sich auch vorstellen, Uniformen zu fertigen?" Er habe zugesagt. Auf eine Musterproduktion sei schließlich die Bestellung erfolgt: 100 Uniformen für den "Rosenkavalier" in Salzburg.

Ein Mann mit geringeltem Pullover hält einen Zylinder in die Kamera.
Harald Etzold kennt sich in der Textilwelt bestens aus. Die Zylinder der Hutmacherei kamen unter anderem am Salzburger Theater zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Damit begann für das Unternehmen eine internationale Erfolgsgeschichte. Es folgten Aufträge von Opern- und Theaterhäusern weltweit: "Mata Hari" an der Oper Amsterdam, "Woyzeck" in Peking oder "McBeth" in München – überall spielten sie in den Altenburger Kostümen. Letzteres sei eines der aufwändigsten, aber auch schönsten Stücke gewesen, erinnert sich Etzold.

Auch die Filmwelt setzt auf Altenburger Kostüme

Doch die Kostüme "made in Altenburg" sind nicht nur auf den Bühnen der Welt zu sehen, auch in zahlreichen Filmproduktionen flimmerten sie schon über Bildschirme und Leinwände, z.B. in Dominik Grafs Historienfilmen "Das Gelübde" oder "Die geliebten Schwestern". Bekannteste ist sicher der Geschichtsfilm "Der Untergang". Der Streifen, in dem Bruno Ganz Adolf Hitler mimt, war 2005 sogar für den Oscar nominiert.

Eine Frau sitzt an einer Nähmaschine und näht.
Genäht werden Hüte und Kostüme in der kleinen Maßschneiderei im Dachgeschoss. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Die Altenburger waren in dem Film für die Ausstattung der gesamten Generalität zuständig. Alles handgefertigt von Etzold und seinem neunköpfigen Team. Klein, aber fein – so die Devise in Lödla. An erster Stelle steht dabei für den Betriebsleiter immer die Qualität. Sein Leitsatz: "Lieber zwei Minuten langsamer arbeiten, aber dafür qualitativ gut arbeiten."

Etzold ist sich sicher, die hochwertige Arbeit weiß man auch in der Theater- und Filmwelt zu schätzen. Probleme hätte jedenfalls noch keiner vermeldet. "Die Theater haben noch nie Qualitätsprobleme gehabt. Reklamationen kenne ich so gut wie keine von den Theatern, auch vom Film nicht. Demzufolge spricht sich das automatisch herum, dass wir als Hut und Kostüm GmbH einzigartig sind."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. März 2022 | 06:15 Uhr

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