Uraufführung vor 200 Jahren Ausstellung: Wie "Der Freischütz" zum Publikumshit wurde

Vor 200 Jahren uraufgeführt war Carl Maria von Webers romantische Oper "Der Freischütz" sofort ein Publikumsrenner. Schon nach der Uraufführung waren Jägerchor oder Jungfernkranz offenbar Gassenhauer, was Heinrich Heine arg nervte. Für Weber, damals Hofkapellmeister in Dresden, brachte "Der Freischütz" Ruhm und Wohlstand. Was die romantische Gruselstory zur Nationaloper machte, zeigt jetzt eine kleine, feine Ausstellung im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden. Gezeigt werden etwa 30 Exponate, darunter Handschriften, Kostüme, Bilder und Filme im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden.

Zwei Personen mit langen Gewändern in einem grün-roten mystischen Bühnenbild, in der Mitte ein Dreibein-Kochtopf über Feuer, Totenköpfe und Skelette
Uraufführung feierte "Der Freischütz" am 18. Juni 1821 im neueröffneten Berliner Schauspielhaus. Bis heute wird die Oper gespielt, wie z.B. hier 2015 bei den Erfurter Domstufen-Festspielen. Bildrechte: imago/Bild13

Ohne Webers "Freischütz" wäre Richard Wagners Musik undenkbar. Das sagt Romy Donath vom Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden Hosterwitz: "'Der Freischütz' war die wichtigste Oper im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum, bevor Wagner kam", betont sie mit Blick auf die soeben eröffnete Ausstellung, die aus Anlass der Uraufführung vor 200 Jahren zeigt, warum der "Freischütz" mehr ist als eine "romantische Gruselstory".

Authentisch: Museum als Lebens- und Wirkungsstätte

Romy Donath ist quasi mit dem "Freischütz" aufgewachsen. Unter ihrem Künstlernamen Romy Petrick kennt man sie auch als Sängerin. In Rathen oder bei den Domstufen-Festspielen in Erfurt hat sie das Ännchen gesungen. Für sie ist das Carl-Maria-von-Weber-Museum ein Kleinod: "Wenn man dann an diesen Ort kommt und weiß, hier hat Weber mit seiner Familie gelebt, hier wurde gemeinsam musiziert, dann hat man nochmal ein ganz besonderes Gefühl für die Räume", sagt Donath.

Carl-Maria-von-Weber-Museum
Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden-Hosterwitz Bildrechte: imago/Volker Preußer

Es ist der einzige Ort, der so konkret an Weber erinnert, in gewisser Weise ein Heiligtum.

Romy Donath Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden

Inspiriert von der Elb-Landschaft

Portrait von Carl Maria von Weber
Carl Maria von Weber (1786-1826) Bildrechte: IMAGO / UIG

Auch die Landschaft war Weber wichtig und hat womöglich den "Freischütz" mitgeprägt, meint Regisseur Johannes Gärtner: "Das ist eine wirklich inspirierende Gegend gewesen, nicht nur für Weber, auch für Wagner. Alle Musiker und Künstler von Caspar David Friedrich bis Ludwig Richter haben das gemacht: direkt vom Haus loslaufen in die Seitentäler der Elbe. Insofern schwingt viel von dem einfachen Leben im 'Freischütz' mit."

Prägend für Richard Wagner

Ab 1817 war Weber Hofkapellmeister in Dresden. Mutmaßlich hat er den "Freischütz" für die damalige Hofkapelle geschrieben, die später von Richard Wagner geleitet wurde. Der "Freischütz" war für Wagner ein Initialerlebnis, wie Gärtner sagt: "Er hat als Kind mitgesungen im Chor und fand natürlich das Kostüm toll, weil er auch aus einer Theaterfamilie kam. Er hat explizit gesagt, so möchte er komponieren können. Und er hat sich auch zeitlebens mit Weber auseinandergesetzt."

"Der Freischütz": Neue Art der Oper und Publikumsrenner

Was nicht zuletzt auch daran lag, dass Weber mit dem "Freischütz" ganz neue Wege geöffnet hat, wie Donath erklärt: "Das geschah natürlich in Abgrenzung zur Opera seria oder zur italienischen Hofoper. Das war ein völlig neues Sujet, eine neue Art von Operntheater." Ein Wagnis, das von Erfolg gekrönt war. Eingeschlagen wie eine Bombe, sei der "Freischütz", so Donath, weil er das erstarkende Nationalgefühl genau getroffen habe. Das Publikum habe sich damit identifizieren können, auch wegen der volksliedhaften Melodien, dem Handlungsort im Wald oder der "Förster- und Jägeratmosphäre".

Derzeit probt das Ensemble unter anderem die Oper "Der Freischütz". Alle Schauspieler und Sänger beherrschen ihren Text...
Vom "Freischütz"-Ruhm hatte der Librettist wenig. Bildrechte: MDR JUMP

Musikalisch betrat Weber für Neuland und kam damit bei seinem Publikum bestens an, wie Donath erinnert: Schon bei der Uraufführung mussten demnach "gleich mehrere Nummern wiederholt werden, weil die Melodien so eingängig waren." Sogar danach hätten die Leute sie auf der Straße gesungen und gepfiffen, was Heinrich Heine damals in Berlin als Lärmbelästigung empfand:

Der 'Freischütz' hat quasi Einzug gehalten in alle Haushalte, jeder hat den Jägerchor oder vom Jungfernkranz gesungen, das sind die Schlager des 19. Jahrhunderts.

Romy Donath Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden

Finanzieller Erfolg für den Komponisten

Freischütz Szene Freikugeln giessen in der Felsenbühne Rathen
"Der Freischütz" auf der Felsenbühne Rathen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Webers Oper "Der Freischütz" war am 18. Juni 1821 im neueröffneten Berliner Schauspielhaus uraufgeführt worden und eroberte schnell die Theaterwelt. In Dresden hatte das Stück am 26. Januar 1822 unter der Leitung des Komponisten Premiere. Neben aller Popularität war "Der Freischütz" für Carl Maria von Weber auch ganz persönlich ein großer Erfolg, wie Romy Donath weiter erläutert:

Für Weber selbst war der 'Freischütz' wie ein Befreiungsschlag. Durch den finanziellen Erfolg konnte er sich erst von seinen Schulden lösen.

Romy Donath Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden

Erst danach habe für ihn ein gewisser Wohlstand begonnen, der ihn unabhängig machte und mit dem er sich materiell abgesichert fühlen konnte.

Die Museumschefin kommt zwar von der Bühne, fühlt sich aber an ihrer neuen Wirkungsstätte äußerst wohl: "Für mich ist es eine ganz besondere Ehre, hier arbeiten zu können. Das Museum ist das einzige weltweit, dass dem Komponisten gewidmet ist. Das Haus hat sich eigentlich kaum verändert. Was die Atmosphäre betrifft, können wir Weber in jedem Zimmer noch nachspüren."

Weber war von 1817 bis zu seinem Tod 1826 als Königlicher Hofkapellmeister in Dresden tätig. Im heutigen Dresdner Stadtteil Hosterwitz verbrachte Webers Familie die Sommermonate.

Mehr zur Ausstellung Carl-Maria-von-Weber-Museum
Dresdner Straße 44
01326 Dresden

Die Ausstellung "200 Jahre Freischütz – Deutsche Nationaloper oder romantische Gruselstory?" ist dort bis zum 19. Dezember zu sehen.

Entstehung und Interpretationsgeschichte werden beleuchtet sowie auch die Tradition der "Freischütz"-Aufführungen auf der Felsenbühne Rathen.

Öffnungszeiten
Mi bis So, Feiertage 12 bis 17 Uhr
Mo/Di geschlossen

Mehr über den "Freischütz"

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. August 2021 | 13:30 Uhr

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