Uraufführung Den Klimawandel auf der Bühne verarbeiten: Kathrin Rögglas "Das Wasser" in Dresden

Dürre auf der einen, Flutkatastrophen auf der anderen Seite. Das sind die Extreme, mit denen uns vor Augen geführt wird, dass der Klimawandel längst auch hierzulande angekommen ist. Das Wasser wird also zunehmend zum Problem. Das Stück "Das Wasser" am Staatsschauspiel Dresden greift genau diesen Aspekt auf und die Frage danach, wie wir mit diesen krisenhaften Entwicklungen umgehen.

"Wasser" am Staatsschauspiel Dresden
Inszenierung "Das Wasser" | Auf dem Bild: Sarah Schmidt, Marlene Reiter, Christine Hoppe, Moritz Dürr, Franziskus Claus, Philipp Lux Bildrechte: Sebastian Hoppe

Alle haben sie ihren Auftritt: die Klima-Bewegten, die Gleichgültigen, Fachleute, Politiker, selbst der Referent vom Umweltamt. Und alle scheinen sie machtlos zu sein, beziehungsweise haben sie selbst den Eindruck, nichts bewirken zu können, schon gar nicht gemeinsam.

Das erste Bild in "Das Wasser" ist ein Konglomerat aus zahlreichen Gesprächen, die die Autorin Kathrin Röggla während ihrer Recherche für das Stück geführt hat: mit Vertreterinnen und Vertretern des Dresdner Umweltzentrums, der TU, der Kirche, auch des Umweltamtes und vielen andern Aktivistinnen und Aktivisten. Seitens des Staatschauspiels Dresden war sie gebeten worden, ein Stück zum Thema "Anthropozän", also das vom Menschen beeinflusste Erdzeitalter, zu schreiben. Und aus all ihren Begegnungen kristallisierte sich schnell das Wasser als zentrales Moment heraus: "In Sachsen war ich da sehr schnell beim Wasser, weil zumindest der südöstliche Teil von Ostdeutschland unter Trockenstress leidet. Und dann war es so, ich sitze ja im Rheinland, als ich so mitten im Schreiben war, kam dann noch die Flut."

Wasser-Naturkatastrophen längst bei uns angekommen

Das Wasser als dringendstes ökologisches Problem, mit dem die Naturkatastrophen, die sich sonst immer noch weit genug weg von uns abspielten, nun auch in unseren Breiten Einzug gehalten haben. Anhand dieser Situation entfaltet Kathrin Röggla ein Panorama, wie wir mit dem Klimawandel und dem Wissen darum umgehen. Da dieses Thema so komplex ist, wird das Stück in fünf Bildern erzählt, in denen die Autorin jeweils einzelne Aspekte verhandelt, beginnend mit einer Art Bestandsaufnahme zum vielstimmigen gesellschaftlichen Diskurs.

Inszenierung "Wasser" am Staatsschauspiel Dresden
"Das Wasser" Stück von Kathrin Röggla | Auf dem Bild: Marlene Reiter, Thomas Eisen, Sarah Schmidt, Franziskus Claus Bildrechte: Sebastian Hoppe

Die Rolle der Kinder im Klimawandel

Eine wichtige Rolle spielen auch die Kinder, die junge Generation oder auch die letzte, die von den Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft ganz konkret betroffen sein wird. Das Bild, was Kathrin Röggla dafür wählt, sind Eltern, die wie Jona im Bauch des Wales sitzen, während ihre Kinder sich bereits im Meer, im Wasser freischwimmen. Diese biblische Geschichte zieht sich letztlich durch das gesamte Stück.

Inszenierung "Wasser" am Staatsschauspiel Dresden
Kathrin Röggla: "Das Wasser" | Auf dem Bild: Sarah Schmidt, Philipp Lux Bildrechte: Sebastian Hoppe

"Ich war erstaunt, dass im Grunde die ganze Klimaproblematik drinsteckt in dieser Erzählung", sagt Kathrin Röggla. "Man hat die Flut, man hat extremen Starkregen, die verdorrte Landschaft, man hat das Überleben in feindlicher Umwelt, die Fragestellung nach der Verantwortung: Man hat alle Facetten drin, die wir jetzt gerade in den Medien erleben."

Es ist eine Tragödie, die sich – nicht nur – auf der Bühne abspielt. Kathrin Röggla treibt sie jedoch stellenweise immer wieder ins Komische, ins Groteske, denn nur so werden Krisensituationen letztlich erträglich und schaffen möglicherweise Raum für neue Perspektiven. Doch welche wären das, gibt es einen Plan? Im Stück wird beispielsweise über ein "Kurzzeitchina" nachgedacht. Man könnte aber auch, so das trügerisch-idyllische Abschlussbild, abwarten, am Ufer sitzen und mit den Beinen im Wasser baumeln, so lange es noch vorhanden ist.

Inszenierung "Wasser" am Staatsschauspiel Dresden
"Das Wasser" von Kathrin Röggla Bildrechte: Sebastian Hoppe

Informationen zum Stück "Das Wasser" von Kathrin Röggla
am Staatsschauspiel Dresden
Regie: Jan Gehler

Uraufführung: 7. April, 19.30 Uhr im Kleinen Haus

Weitere Aufführugen:
14. April, 19.30 Uhr im Kleinen Haus
14. Mai, 19.30 Uhr im Kleinen Haus
26. Mai 19.30 Uhr im Kleinen Haus

Zwei Darsteller des Theaterstücks "Das Wasser" im Staatsschauspiel Dresden. Beide tragen auffällige Kopfbedeckungen und stehen vor einer Beigenen Wand.
Szene aus "Das Wasser am Staatsschauspiel Dresden Bildrechte: Sebastian Hoppe

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2022 | 17:10 Uhr

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