Internationale Koproduktion Dresden, Halle oder Erfurt: Per Hörspiel-App die eigene Stadt neu entdecken

Die Natur entdecken oder unbekannte Orte in der eigenen Stadt: Spaziergänge sind während der Corona-Krise und diverser Lockdowns noch beliebter geworden. Passend dazu hat das Theaterkollektiv Rimini Protokoll verschiedene Audiowalks entwickelt, mit denen Sie bereits bekannte Wege verlassen und Ihre vertraute Umgebung neu entdecken können.

Junge Frau mit Rucksack und Kopfhörern
Die Serie "The Walks" bietet Entdeckungstouren durch jede Stadt. Bildrechte: imago/Westend61

Stimmen, Geräusche, Musik – sie sind die Begleiter, wenn man mit "The Walks" die eigene Stadt – oder warum nicht auch das eigene Dorf – neu erkundet. Dabei ist es egal, ob man in Leipzig, Grimma oder Löbau spaziert, das ist für die zehn etwa 20-minütigen Kurzhörspiele nicht wichtig, die das Theaterkollektiv Rimini Protokoll produziert hat. Insofern kann man sich die Tracks an einer "Ampel", auf einem "Friedhof" oder auf einem "Spielplatz" an jedem beliebigen Platz der Welt anhören – auch deshalb, weil es bereits sechs Sprachversionen von "The Walks" gibt wie Englisch, Spanisch und Rumänisch.

Rimini Protokoll haben für die audio-geführten Spaziergänge eine App entwickelt. Das Prinzip ist einfach: Aufs Smartphone laden, Zugangscode erwerben, damit freischalten, Kopfhörer auf und dann einfach losgehen. Die Reihenfolge, in der man den "Walks" folgt, spielt dabei ebenso wenig eine Rolle wie der Zeitpunkt.

Interaktionen schärfen die Sinne

Die inszenierten Audiowalks funktionieren als Aufmerksamkeitsverstärker, die nicht nur auf bloßes Zuhören setzen. Die Hörerinnen und Hörer werden auch zu Interaktionen aufgefordert, um ihre Sinne für die Umgebung zu schärfen. Beispielweise wird man in bestimmten Situationen gebeten, eine Zeichnung anzufertigen oder auch ein Foto zu machen. Am Ende der jeweiligen Tracks kann man sich dann die Galerie aller bisher gemalten Bilder und Fotografien ansehen. Inzwischen ist dadurch ein Archiv entstanden, das von Deutschland über Europa bis nach Singapur reicht.

Auf dem Weimarer Friedhof stehen mehrere wildwachsende Bäume in einer Reihe.
Wichtig für "The Walks" sind konkrete Orte wie Friedhöfe – wie dieser in Weimar. Bildrechte: imago/Panthermedia

Unverzichtbar: die Experten des Alltags

Ihrem Markenzeichen bleiben Rimini Protokoll auch in den Klangwelten von "The Walks" treu und beziehen sogenannte Experten des Alltags mit ein. So geht man beispielsweise durch den "Park" mit dem Spaziergangswissenschaftler Martin Schmitz.

Für den Text zum Track "Kreisverkehr" wurde der türkische Künstler Erdem Gündüz interviewt. Er war 2013 zum Gesicht der Proteste in der Türkei geworden, als er acht Stunden lang stumm und regungslos auf dem Taksim-Platz in Istanbul stand und auf ein Porträt des Staatsgründers Atatürk starrte.

Wenn Hörerinnen und Hörer wiederum mit dem Choreografen Antonio Tagliarini über Kopfhörer im "Supermarkt" unterwegs sind – am besten zu zweit, wie es das Setting dieses Stücks vorgibt – könnte ihre Shopping-Tour stellenweise rauschhafte Züge annehmen.

Theater in der Stadt

In "The Walks" ist eine "Straße" nicht mehr nur eine Straße, sondern sie wird zum Schauplatz, etwa von Kindheitserinnerungen, oder eben auch zur Bühne wie im "Supermarkt". Immer wieder schaffen Rimini Protokoll mit den Kurzhörspielen neue, ungeahnte Assoziationen – durch Erzählungen, Dialoge, durch choreografische Experimente oder musikalisch-rhythmisch inspirierte Spielarten des Gehens. So werden altbekannte Wege und die vertraute Umgebung zu einem überraschenden Erlebnis.

Mehr Informationen Eine Produktion von Rimini Apparat in Koproduktion mit creart / Teatrelli, BorderLight – International Theatre + Fringe Festival Cleveland, European Forum Alpbach, Fondazione Armonie d’Arte, HAU – Hebbel am Ufer, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste, Internationales Sommerfestival Kampnagel, Zona K, Festival PERSPECTIVES.

Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau verschenkt bis zum 9. Januar 2022 1.000 kostenfreie Aktivierungszugänge. Bei Interesse per E-Mail oder Telefon beim Besucherzentrum melden.

Theater in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Dezember 2021 | 17:10 Uhr

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