Hörspaziergang zum Thema Nachhaltigkeit Eisenach mit dem Audiowalk des Landestheaters erkunden

Nachhaltigkeit ist im Trend. Aber was bedeutet es eigentlich? Mülltrennen, Energiesparen, regionale Produkte kaufen? Das Landestheater Eisenach hat seine gesamte Spielzeit unter das Motto "nachhaltig" gestellt. Besonders intensiv umgesetzt wird das Thema im Audiowalk "Durch und durch Eisenach", den das Junge Theater entwickelt hat: Ein einstündiger Spaziergang durch die Stadt mit vielen Fragen und einigen Antworten.

Zwei Frauen mit Kopfhöhrern von hinten an einem Aussichtspunkt mit Blick über eine Innenstadt. 1 min
Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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MDR FERNSEHEN Di 15.03.2022 17:27Uhr 01:01 min

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Audio

"Geh mit uns spazieren!" fordert ein rotes Plakat am Landestheater in Eisenach auf. Darunter ein QR-Code, der Ausgangspunkt für den Audiowalk durch die Stadt. Einscannen, Datei runterladen, Kopfhörer auf, starten. Ein paar zarte Klänge, dann bittet eine freundliche Frauenstimme, anzukommen, sich Ruhe und Zeit zu nehmen, die Umgebung genau zu betrachten. Eine knappe Stunde lang steuert die Erzählerin die Spaziergänger umsichtig kreuz und quer durch die Stadt – und gleichzeitig durch das komplexe Thema Nachhaltigkeit.

Medienkünstler aus Leipzig beteiligt

Die Idee zu einem Audiowalk kam Chefdramaturg und Regisseur Christoph Macha im Hochsommer vor drei Jahren, als er – noch als Tourist – durch Eisenach streifte und abends ein Kulturangebot vermisste – verfügbar zu jeder Zeit, bei jedem Wetter. Als das Spielzeitmotto feststand, war klar: Dafür eignet sich dieses Format besonders gut. Macha fand Gesprächspartner in der Region, lange Interviews entstanden. Für die technische Umsetzung suchte sich der Regisseur Partner in Leipzig: die Medienkünstler Moritz von Schurer und Christoph Gnädig. Sie inszenierten den Stadtrundgang rund um die Erzählerin, die von Lisa Störr gesprochen wird.

Vier junge Menschen stehen vor dem Landestheater Eisenach. Einer unter ihnen hält ein pinkes in der Hand mit der Aufschrift Geh mit uns spazieren.
Die Macher des Audiowalks "Durch und durch Eisenach": Chefdramaturg und Regisseur Christoph Macha, die Medienkünstler Moritz von Schurer und Christoph Gnädig, Schauspieldirektorin Jule Kracht (von links nach rechts) Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Beruflich, politisch und privat engagiert

"Siehst du das Hochbeet auf dem Theaterplatz?" – "Wie viele Windräder stehen am Horizont?" Die Erzählerin spricht die Zuhörer direkt an, aktiviert ihre Sinne, beschreibt Wind, Gerüche und Geräusche, fordert auf, Bäume zu berühren oder sich vorzustellen, der Marktplatz sei eine große Wiese. Sie überrascht mit teils kuriosen Informationen ("Wusstest Du, dass wir Menschen zu 50 Prozent Bananen sind?") und baut nach und nach die Gesprächspartner ein, acht Frauen und Männer. Die einen haben beruflich mit Energie oder Umweltschutz zu tun, die anderen engagieren sich privat für gesundes Essen und Leben oder sind politisch aktiv.

Der Audio-Rundgang bringe das Spielzeitthema genau auf den Punkt, sagt die Leiterin des Jungen Theaters, Jule Kracht. "Wir erleben unsere Stadt nachhaltig und machen uns zusammen mit den interviewten Menschen Gedanken darüber, wie wir unsere Zukunft nachhaltig gestalten wollen." Sie ist besonders beeindruckt vom privaten Engagement. Dass gleich mehrere Gesprächspartner Trocken- oder Komposttoiletten nutzen beispielsweise – "Hut ab!".

Außenansicht des Landestheaters Eisenach in der blauen Stunde.
Die Idee zum Hörspaziergang "Durch und durch Eisenach" kam Chefdramaturg und Regisseur Christoph Macha vom Landestheater Eisenach als er vor drei Jahren als Tourist abends durch Eisenach spazierte und nach Kulturangeboten suchte. Bildrechte: MDR/Thomas Müller

Von der Altkleidertonne zum Windrad

Der Rundgang verknüpft diese Aussagen mit Stationen auf dem Weg. Die Altkleidertonne beispielsweise, wenn es darum geht, Kleidung länger zu nutzen und zu reparieren. Ein unerwartet grüner Hof zwischen Neubauten, wo von der Menge Sauerstoff erzählt wird, die ein alter Baum erzeugt. Ein Windpark am nördlichen Horizont und die Frage, bis wann wir auf erneuerbare Energien umgestellt haben sollten. Eine vielbefahrene Straße und die Frage: Warum räumen wir den Autos in unseren Städten so viel Platz ein?

Ein Spielplatz mit Sandkasten und Rutsche in einem gemeinsamen Hinterhof mehrerer Neubaublöcke
Unerwartete Orte auf dem Audiowalk: eine grüne Oase in der Innenstadt, ein Hof mit alten Bäumen zwischen Neubauten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Stadt als Raum von Möglichkeiten

Zwei Tage lang sind Moritz von Schurer und Christoph Gnädig durch Eisenach spaziert, haben nach interessanten Wegen und Orten gesucht, die rausfallen aus dem städtischen Raum, die selbst nicht jeder Einheimische kennt. Sie sollten aber auch zu den Inhalten aus den Interviews passen. Sie entwickelten die Erzählerin zur verbindenden dramaturgischen Figur, sagt Christoph Gnädig, die die Spaziergänger an die Hand nehme, aber auch Aussagen kritisch einordne. Moritz von Schurer ist wichtig, "sich das, was ist, auch anders vorzustellen", die Stadt als Raum von Möglichkeiten. Auch mal abzuschweifen, um über andere Konzepte nachzudenken.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturtipps | 17. März 2022 | 11:24 Uhr

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