Klassiker auf Zeitreise Die interessantesten Theaterstücke in Magdeburg, Dessau und Stendal im Januar 2023

Wie wäre es, das Jahr 2023 mit einem Besuch im Theater zu beginnen? In Magdeburg,, Dessau und Stendal gibt es einige Stücke, die sich im Januar lohnen. So hat in Magdeburg der neue Ballettdirektor seinen Einstand gegeben und konnte gleich mit seiner ersten Arbeit überzeugen. Das Theater der Altmark in Stendal zeigt, dass es auch die großen Klassiker gekonnt auf die Bühne bringen kann. Und in Dessau gibt es Puppentheater über einen besonderen Schriftsteller. Das sind die besten Aufführungen:

Menschen mit langen Haaren stehen um die Skulptur einer geballten Faust auf einem Quader.
Das Dessauer Puppentheater nähert sich dem Ausnahme-Autor Ronald M. Schernikau im Stück "der himmel ist ja da ..." - eines der Highlights für Theaterfans im Januar 2023. Bildrechte: Claudia Heysel, Anhaltisches Theater Dessau

Für Schauspiel-Freunde: "Das Leben ein Traum" am Theater Magdeburg 

Das neue Team am Magdeburger Theater blickt immer wieder in die Zukunft und greift dabei auf alte Stoffe zurück, ohne diese in die Zukunft zu zwingen. Das zeichnet auch die Inszenierung von Calderòns "Das Leben ein Traum" aus. Ein König möchte trotz schlechter Voraussagungen seinen Nachkommen an das Regieren heranführen. In Magdeburg handelt es sich dabei um eine künstliche Intelligenz, die dabei alles Menschliche ganz nebenbei infrage stellt. Immer wieder überrascht der Abend mit komischen, fast schon klamaukigen Einlagen, aber schafft es auch, mit träumerischen Bildern nachdenklich zu stimmen. "Das Stück ist eine sogenannte 'ernste Komödie', was wirklich nicht leicht zu machen ist. Die Magdeburger Inszenierung schafft es – sie ist zugleich urkomisch und sehr ernsthaft", meint MDR KULTUR-Theaterkritiker Matthias Schmidt. 

Weitere Informationen "Das Leben ein Traum" nach Pedro Calderón de la Barca

Adresse:
Schauspielhaus Magdeburg
Otto-von-Guericke-Str. 64
39104 Magdeburg

Dauer: 130 Minuten ohne Pause

Termine:
7. Januar, 19.30 Uhr

Für Klassiker-Liebhaber: "Richard III." in Stendal

Richard III. gilt als einer der größten Fieslinge der Theatergeschichte, die Überhöhung des machtbesessenen Politikers. Gerade erst hat der Adlige den 30-jährigen Krieg zwischen den Yorks und den Lancasters beendet und seinem Bruder Edward IV. zum Thron verholfen. Nun will er selbst die Krone und geht dabei über Leichen, sperrt seine Familie weg und verführt das Volk mit klugen Worten.

Für Thomas Pfundtner von der "Magdeburger Volksstimme" beweist Wolf E. Rahlfs mit seiner Inszenierung des Klassikers in Stendal gutes Handwerk. Er bezeichnet den Theaterabend als Kunst, "wenn die Zuschauer überhaupt nicht spüren, wie die fast drei Stunden vergehen. Große Kunst ist es, wenn auch in einem blutigen Theaterdrama, das fast 450 Jahre alt ist, gelacht werden darf." Am Ende will das Theater der Altmark seinem Publikum auch vorführen, wie leicht es den Verführungskünsten erlegen sein kann.

Nahaufnahme eines Mannes mit Krone im Halbschatten
Das Ensemble des Theaters der Altmark in Stendal überzeugt im Klassiker "Richard III." von Shakespeare. Die Aufführung ist eines der Theater-Highlights im Januar 2023. Bildrechte: Nilz Böhme

Weitere Informationen "Richard III."
Historien-Stück von William Shakespeare

Adresse:
Theater der Altmark
Uppstall-Kaufhaus
Ecke Breite Straße / Uppstall
39576 Stendal

Termine:
7. Januar, 19.30 Uhr

Für Opernkenner: Puccinis "Turandot" am Theater Magdeburg

Lange mussten Opernliebhaber in Magdeburg auf die Rückkehr von "Turandot" warten, die Oper feierte ganz zu Beginn der Pandemie Premiere. Der italienische Komponist Giacomo Puccini wollte mit diesem unvollständig gebliebenen Werk ein etwas grausames Märchen erzählen: Die Prinzessin Turandot verweigert sich all den Prinzen, die um ihre Hand anhalten. Stattdessen stellt sie ihnen Rätsel und bestraft die fehlende Lösung mit dem Tod. Regisseur Michiel Dijkema versetzt diese Geschichte noch weiter in die Vergangenheit, kurz vor der Bronzezeit, und überzeugt dabei mit stimmigen Bildern.

Bemerkenswert ist vor allem die Leistung der musikalischen Leitung, die eben nicht nur schwelgt, sondern die Brüche und Härte der Protagonistin unterstreicht. "Originell und überraschend" nannte Opernkritiker Roland Dippel diese Produktion in der "Neuen Musik-Zeitung".

Bühnenszene: Eine Frau mit Stofffetzen-Kleid und Schädelkrone hält einen Speer. Im Hintergrund sind weitere archaisch wirkende Personen in blaues Licht getaucht.
Michiel Dijkema hat in Magdeburg einen eigenwilligen Zugang zur Oper "Turandot" gefunden. Bildrechte: Andreas Lander

Weitere Informationen "Turandot" von Giacomo Puccini
Regie: Stephan Kimmig

Adresse:
Opernhaus Magdeburg
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 150 Minuten

Termine:
8. Januar, 18 Uhr
28. Januar, 19.30 Uhr

Für Figurentheater-Fans: "der himmel ist ja da. der himmel fängt hier unten an." in Dessau

Ronald M. Schernikau war ein Ausnahme-Autor, der erst vor wenigen Jahren noch einmal von sich Reden machte, als sein Hauptwerk "Legenden" neu aufgelegt wurde. Ein Buch, das sich kaum zusammenfassen lässt, in dem Götter auf die Erde kommen, um mit den holzschnittartigen Figuren des Kapitalismus‘ ins Gespräch zu kommen. Das Anhaltische Theater Dessau holt den Schriftsteller als Puppe auf die Bühne.

In rund 100 Minuten erzählen sie aus seinem bewegten Leben. Dabei verhandeln sie aber auch Fragen der Wiedervereinigung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. MDR KULTUR-Theaterkritiker Wolfgang Schilling ist vor allem von der Energie auf der Bühne überzeugt: "Wir erleben ein spielfreudiges Ensemble, bei dem selbst der Inspizient zum Mitspieler und Tänzer avanciert. Das Team um den Regisseur Christian Franke geht die großen gesellschaftlichen Glaubensfragen mit Lockerheit an."

Weitere Informationen "der himmel ist ja da. der himmel fängt hier unten an. ein ronald m. schernikau-abend"
Schauspiel mit Puppe

Adresse:
Anhaltisches Theater Dessau
Altes Theater
Lily-Herking-Platz 1
06844 Dessau-Roßlau

Dauer: 100 Minuten, eine Pause 

Termine: 
13. Januar, 19 Uhr
16. Januar, 19 Uhr
19. Januar, 19 Uhr

Für Tanz-Fans: "Verklärte Nacht/Mahler 4" am Theater Magdeburg

Arnold Schönberg komponierte seine "Verklärte Nacht" nach einem gefühlsstarken Gedicht von Richard Dehmel. Das nimmt auch der Choreograf und Magdeburger Ballettchef Jörg Mannes auf und konzentriert sich vor allem auf die Emotionen, die er in Tanz übersetzt. Daran schließt auch der zweite Teil des Abends zu der Musik der Vierten Sinfonie von Gustav Mahler an – ein Zeitgenosse von Schönberg, aber mit einer anderen Tonsprache.

Rolf-Dietmar Schmidt von der "Volksstimme" ist begeistert vom Einstand des Choreografen an der Elbe und vom originellen Zugang zum Tanz: "Jörg Mannes gelingt eine Synthese von Mahlers Musik in Soli und Gruppentänzen, vor allem aber in Pas de Deux und Trois von unglaublicher Anziehungskraft." Der Doppelabend wird im Januar vorerst zum letzten Mal gezeigt.

Eine Frau in einem weißen Kleid streckt sich rückwärts weit nach hinten und wird dabei von einem Mann in weißem Shirt und schwarzen Hosen gehalten
Das Magdeburger Tanzensemble interpretiert "Verklärte Nacht" von Arnold Schönberg. Bildrechte: Nilz Böhme

Weitere Informationen Der Tanzabend "Verklärte Nacht/Mahler 4" von Jörg Mannes

Adresse:
Opernhaus Magdeburg
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 130 Minuten, eine Pause

Termine:
6. Januar, 19.30 Uhr
14. Januar, 19.30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. September 2022 | 07:40 Uhr

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