Tanztheater Theater Plauen-Zwickau vereint Ikonen des Feminismus in "Marie! Romy! Petra!"

Das Theater Plauen-Zwickau vereint Marie Curie, Romy Schneider und Petra Kelly in einem Ballett. Das feministische Tanztheater über die Ikonen aus Wissenschaft, Schauspielerei und Politik gelingt als überbordendes Spektakel, findet unser Kritiker. Bühnenbild, Kostüme und nicht zuletzt der Tanz machen die Aufführung "Marie! Romy! Petra!" zum Opus magnum von Annett Göhre. Die scheidende Ballettdirektorin und Chefchoreografin des Theaters sagt damit lautstark Servus.

Tänzerinnen und Tänzer tanzen auf einer Bühne vor den Portraits von Marie Curie, Romy Schneider und Petra Kelly
Das Ballett-Ensemble des Theaters Plauen-Zwickau bringt die Wissenschaftlerin Marie Curie, Schauspielerin Romy Schneider und Politikerin Petra Kelly (von links) auf die Bühne. Bildrechte: André Leischner

Eins vorweg: Das ist mal eine Aufforderung zum Tanz, die sich gewaschen hat. Unter dem Titel "Marie! Romy! Petra!" präsentiert Annett Göhre, die Ballettdirektorin und Chefchoreografin des Theaters Plauen-Zwickau dabei nicht nur drei starke Frauen, sondern ein wunderbares Stück feministisches Tanztheater – vor dem die Herren der Schöpfung aber keine Angst zu haben brauchen. Ganz im Gegenteil. Denn erstens werden hier gut 100 Jahre Kultur- und Weltgeschichte verhandelt, die bekanntlich von Männern und Frauen geschrieben wird. Und zweitens hat sich Annett Göhre bei diesem Thema eins bewahrt: ihren Humor.

Gerade wenn man sich mit Klischees beschäftigt, ist Humor ein unbedingtes Mittel, das mit dazugehört, wenn es um diese Männer-Frauen-Frage geht.

Annett Göhre, Ballettdirektorin und Chefchoreografin des Theaters Plauen-Zwickau

So weit, so beruhigt sei hier ein weiteres Geheimnis gelüftet – das der drei Namensgeberinnen dieses Ballettabends. Drei starke Frauen aus drei Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, die über gut 100 Jahre in drei verschiedenen Zeiten Großes geleistet haben. Marie Curie als gleich doppelte Nobelpreisträgerin in der Wissenschaft – welcher Mann hat das eigentlich geschafft? Romy Schneider in der (Film)Kultur und Petra Kelly auf dem Gebiet der Politik.

Tänzerinnen und Tänzer bilden vor dem Portrait von Petra Kelly eine Figur.
Szene aus dem Tanztheaterstück "Marie! Romy! Petra!" mit Petra Kelly im Hintergrund, die ein Gründungsmitglied der Grünen war. Bildrechte: André Leischner

Theater Plauen-Zwickau würdigt starke Frauen, die große Risiken eingingen

Drei hammerstarke Frauen, die bei aller individuellen Verschiedenheit aber auch eine Dreieinigkeit bilden. Indem sie, jede für sich, alles aufs Spiel setzten. Für den Erfolg. Nicht den persönlichen, sondern eher den Grundsätzlichen. Den sie mit einer absoluten Unbedingtheit suchen. Sie gehen "all in" in ihrem Lebenspoker und damit ein hohes Risiko ein, das alle drei am Ende auf ihre Weise auch mit dem Leben bezahlen. Doch wie vertanzt man das?

In dem sich Annett Göhre nicht nur "Marie! Romy! Petra!" als "geistige" Verbündete gesucht hat, sondern auch noch eine zweite, ganz reale, Annett. Ihre Namensvetterin und langjährige Ausstatterin Annett Hunger. Die beiden liefern hier ihr Opus magnum ab. Mit einer ebensolchen Unbedingtheit wie Marie, Romy und Petra.

Tänzerinnen und Tänzer liegen auf einer Bühne vor dem erleuchteten Portrait von Romy Schneider.
Das Ballett "Marie! Romy! Petra!" am Theater Plauen-Zwickau wartet mit Hunderten Bildern der Welt- und Emanzipationsgeschichte auf. Bildrechte: André Leischner



Das Ergebnis ist ein überbordendes Spektakel. Bühnenbild, Kostüme und eine ausgeklügelte Foto-Installation, die mit Hunderten Bildern aus über 100 Jahren Welt- und Emanzipationsgeschichte ebenso glänzt, wie mit den Porträts ebenso vieler Frauen, die stark und schön und optimistisch das Eigentliche begleiten und umrahmen – den Tanz. Der trotz all dieses klug eingesetzten Beiwerks immer im Mittelpunkt bleibt.

Tänzerinnen und Tänzer hocken in einem Bühnenbild mit Felsen.
Trotz des spektakulären Bühnenbildes von "Marie! Romy! Petra!" bleibt der Tanz im Mittelpunkt. Bildrechte: André Leischner

Die Company leistet Großes

Die nur zehn Tänzerinnen und Tänzer der Company leisten Großes. Sind emotional, stilistisch, technisch voll gefordert und liefern, dass es eine Freude ist. Das ist feministisches Tanztheater, das unserer Welt den Spiegel vorhält, ernsthaft und augenzwinkernd. Sie können Girl-Reihe wie im Friedrichstadtpalast, auch wenn nicht jede(r) in der Reihe ein Girl ist.

Sie tanzen zum klassischen Impromptu am Klavier oder ganz mechanisch zu Laurie Andersons minimalistischen Klangkaskaden. Ein Abend, der inhaltlich alle etwas angeht und der ästhetisch für jeden etwas dabei hat. Am Ende sogar Nina Hagen mit ihrer Version von "My Way". Auch Annett Göhre wird sich am Ende der Spielzeit auf ihren dann neuen Weg machen. Mit "Marie! Romy! Petra!" sagt sie zum Abschied vom Theater Plauen-Zwickau ziemlich lautstark Servus. 

Auf einer Bühne wird vor dem Portrait von Romy Schneider getanzt
Schauspielerin Romy Schneider wurde durch ihre Verkörperung der Kaiserin "Sissi" zur Ikone, wurde später aber auch in Frankreich gefeiert. Hier eine Szene aus "Marie! Romy! Petra!" am Theater Plauen-Zwickau. Bildrechte: André Leischner

Infos zum Ballett "Marie! Romy! Petra!"
Tanzstück von Annett Göhre über Marie Curie, Romy Schneider und Petra Kelly
Theater Plauen-Zwickau

Choreografie: Annett Göhre
Bühne/Kostüme: Annett Hunger

Tänzerinnen und Tänzer: Miyu Fukagawa, Yael Fischer, Momoe Kawamura, Melissa Panetta, Christina Schulz, Ekaterina Tumanova, Lorenzo Colella, Julian Greene, Mattia Serio, Lucien Zumofen

Vorstellungen im Vogtlandtheater in Plauen:
Samstag, 26. Februar 2022, 19:30 Uhr, Premiere
Samstag, 5. März 2022, 19:30 Uhr
Freitag, 18. März 2022, 19:30 Uhr
Sonntag, 20. März 2022, 18:00 Uhr
Dienstag, 29. März 2022, 19:30 Uhr
Sonntag, 3. April 2022, 15:00 Uhr
Samstag, 14. Mai 2022, 19:30 Uhr
Sonntag, 22. Mai 2022, 18:00 Uhr

Vorstellungen im Gewandhaus in Zwickau:
Sonntag, 6. Februar 2022, 18:00 Uhr
Freitag, 25. März 2022, 19:30 Uhr
Freitag, 8. April 2022, 19:30 Uhr
Montag, 18. April 2022, 18:00 Uhr
Dienstag, 19. April 2022, 19:30 Uhr

Feminismus und Bühne

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Januar 2022 | 07:40 Uhr

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