Sachsen-Anhalt Wie die Kulturszene auf Robras Appell zur Kulturfinanzierung reagiert

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra hat kürzlich Kulturschaffende aufgefordert, sich selbst bei Politikern stärker für eine auskömmliche Kulturfinanzierung stark zu machen. Die Reaktionen aus der Kulturszene auf Robras Vorstoß reichen von Verständnis bis Ablehnung. Ein Überblick.

Rainer Robra
Sachsen-Anhalts Kulturminister Robra hat freie Kulturschaffende aufgefordert, sich bei der Politik stärker für eine bessere Finanzierung einzusetzen. Bildrechte: dpa

Der Appell von Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra an die Kulturszene, sich bei der Politik stärker für die eigenen Belange einzusetzen, stößt auf gemischte Reaktionen. Robra hatte mit Blick auf die anstehenden Haushaltsverhandlungen gesagt, Kulturschaffende sollten selbst auf Abgeordnete zugehen und dort für eine auskömmliche Finanzierung ihrer Arbeit werben. Die Antworten aus der Szene darauf reichen von Verständnis bis Ablehnung.

Betty Magel vom Vorstand des Netzwerks freie Kultur Magdeburg sagte MDR KULTUR, viele Mitglieder ihres Verbands hätten mit Irritation und Frustration reagiert, "weil gesagt wird, dass das die Aufgabe der gewählten VertreterInnen ist – also sprich die Aufgabe von Politik, Meinung einzusammeln." Außerdem habe man bereits versucht, sich Gehör zu verschaffen und klargemacht, was die Bedarfe der freien Szene seien. "Dass da jetzt der Appell kommt, stößt wahnsinnig auf Irritation", so Magel.

Ob Kunstschaffende zu Abgeordneten gehen würden, könne sie noch nicht sagen. Die Gespräche "sollten eigentlich nicht in den Büros der Landtagsabgeordneten stattfinden, sondern da, wo die Kultur stattfindet, um zu zeigen, worum es wirklich geht", so Magel. Das Netzwerk freie Kultur Magdeburg vereint unter anderem freie Theater, Klubbesitzer, Literaturhäuser und Einzelakteure.

Künstler sollen sich mit künstlerischen Mitteln äußern

Ein renovierungsbedürftiges Gebäude mit einem Ausstellungsplakat.
Das Forum Gestaltung befindet sich in den Räumen einer ehemaligen Magdeburger Kunstschule. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Geschäftsführer des Forums Gestaltung in Magdeburg, Norbert Pohlmann, bemühte sich um eine andere Interpretation von Robras Aussage: "Wenn der Appell nur darauf gemünzt ist, zu sagen: 'Besucht mal eure Abgeordneten in den Büros und macht eine Lobbyarbeit dieser ganz simplen Art'", dann sei das zu wenig. Ihm sei seine "Zeit zu schade, um noch mal hinzulaufen und zu sagen: Kultur hat eine Bedeutung."

Stattdessen verstehe er den Appell aber so, dass Kunstschaffende sich "mit ihren Mitteln als bildende Künstler, als Schauspieler, als darstellende Künstler, als Musiker" mehr Gehör verschaffen sollten. Denn diese Art von Artikulation erscheine ihm bislang tatsächlich "recht leise", so Pohlmann.

Robras Aussage klinge nach einem Hilferuf. Der Minister könne offenbar einschätzen, auf welche Art viele Abgeordnete über Kultur dächten. Pohlmann ergänzte, deshalb wäre es besser, wenn Robra "den Appell an die Abgeordneten loslässt und sagt: 'Geht mal da hin, wo die Kultur auch zu sehen ist'".

Landeszentrum freies Theater fühlt sich "energetisiert"

Brief, auf dem "Lanze" steht - Landeszentrum freies Theater Sachsen-Anhalt
Das Landeszentrum freies Theater in Sachsen-Anhalt hat die Aussage von Kulturminister Robra begrüßt. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Sandra Bringer vom Landeszentrum freies Theater in Sachsen-Anhalt zeigte sich erfreut über die Initiative des Kulturministers. Das Zentrum wird vom Land institutionell gefördert und berät sowohl die freie Szene als auch Behörden bei der Vergabe von Fördermitteln. Bringer sagte, für sie sei Robras Statement weniger irritierend als "richtungweisend und energetisierend". Bisher seien die Signale aus der Landesregierung "sehr verhalten, sehr stockend" gewesen. Man sei lange hingehalten worden, etwa beim "Gerangel um die Findung des Haushalts".

Jetzt auf die Straße zu gehen, sei "ein richtiges Zeichen", so Bringer. Dafür habe Robra nun "dieses klare Signal gegeben". Sie finde nicht, dass der Minister damit die Verantwortung auf die Szene abwälze: "Er hat einen Schritt nach vorn gemacht und hat eigentlich gesagt: 'Ich bin hier, ich bin für euch da. (...) Macht mit, seid selbstbewusst und seid stark.'"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Januar 2022 | 07:30 Uhr

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