Sommertheater, Gartenkultur und ein Kunst-Krimi So war das Kulturjahr 2021 in Thüringen

Das Jahr 2021 geht zu Ende und MDR KULTUR blickt zurück auf Ausstellungen, Konzerte und Inszenierungen, die dieses ungewöhnliche zweite Jahr der Corona-Pandemie geprägt haben. In Thüringen waren das vor allem Sommertheater, Gartenkultur bei der Bundesgartenschau (BUGA), der Kunst-Krimi in Gotha und eine Orgel auf Schienen. Ein kultureller Jahresrückblick:

Logo MDR 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
4 min

Im zweiten Jahr der Pandemie war der Thüringer Kulturbetrieb vor allem geprägt von Sommertheater, Gartenkultur auf der BUGA und einer Orgel auf Schienen. Mareike Wiemann blickt auf das Thüringer Kulturjahr 2021 zurück.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 29.12.2021 06:00Uhr 04:08 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Mitte September wurde es melodiös am Erfurter Hauptbahnhof. Eine Dampflok fuhr in die Halle ein – angehängt mit der weltweit einzigen Open-Air-Konzert-Orgel. Die Geschäftsführerin des Landesmusikrats, Constanze Dahlet, erinnert sich gerne an diesen Tag: "Das war etwas ganz Besonderes! Mal was anderes. Es hat großen Spaß gemacht und hat auch eine super Resonanz erzeugt, es war sehr gut besucht."

Die Orgel war 2021 Instrument des Jahres, deswegen wurden ganz verschiedene Aktionen organisiert. Dahlet erklärt, dass es sehr schöne Projekte gegeben habe, die aber nicht alle stattfinden konnten: "Mit der Orgel war das wirklich so das erste Jahr, wo das sehr wahrgenommen wurde."

Ein Jahr geprägt von Verschiebungen und Absagen

Ein Kulturjahr, geprägt von Corona-bedingten Verschiebungen und Absagen – diese Bilanz zieht nicht nur Dahlet. Auch der Thüringer Museumsverband blickt mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Verschiedene Ausstellungen hätten gar nicht oder nur sehr kurz öffnen können, so Präsident Thomas T. Müller. Das sei für alle Kolleginnen und Kollegen sehr unbefriedigend gewesen: "Man arbeitet an größeren Projekten mit einem Vorlauf von zwei bis drei Jahren, man investiert viel Liebe und Gehirnschmalz. Und dann kommt auf einmal eine Pandemie und sorgt dafür, dass manche Ausstellungen drei Wochen zu sehen sind."

Diese Ausstellungs-Highlights gab es 2021 in Thüringen

Auch wenn das Vergnügen manchmal tatsächlich nur sehr kurz währte – Ausstellungshighlights gab es dennoch: etwa die Rückkehrer-Ausstellung auf Schloss Friedenstein in Gotha, ausführlich im MDR KULTUR-Podcast "Lost Art Gotha" beleuchtet, die Fotografieausstellung von Hans-Christian Schinck in der Kunsthalle Erfurt oder die Schau "Ich hasse die Natur" im Weimarer Schillermuseum. Letztere fand im Rahmen des Themenjahrs "Neue Natur" statt – ein Themenjahr, mit dem die Klassik Stiftung Weimar eindrucksvoll ihre Neuausrichtung hin zu einer breiteren Öffentlichkeit deutlich machte.

Vor allem das Grüne Labor, ein temporärer Experimentalbau im Park an der Ilm, zog nicht nur das klassische Museumspublikum an, weiß Folker Metzger von der Klassik Stiftung: "Das waren Leute, die zufällig vorbeigekommen sind, etwas getrunken haben und mit anderen ins Gespräch gekommen sind." Diese Stärkung des öffentlichen Raums als Aufgabe von Kultureinrichtungen ist Metzgers Meinung nach die große Entdeckung, die man im vergangenen Jahr gemacht habe.

Besonders beliebt: Kultur unter freiem Himmel

Kultur draußen im öffentlichen Raum – das war ein klarer Pluspunkt in diesem Corona-Jahr. Nach einem zähen Beginn wurde die Erfurter Bundesgartenschau im Sommer von vielen Besucherinnen und Besuchern angesteuert, die zahlreichen kleinen Außenstandorte wurden teilweise völlig überrannt, so groß war das Bedürfnis nach Kultur im Grünen. Auch die Strategie vieler Theater, nach den Schließmonaten zu Jahresbeginn das Sommertheater groß zu fahren, erwies sich als richtig.

Steffen Mensching
Steffen Mensching, Theaterintendant in Rudolstadt Bildrechte: IMAGO / Hartenfelser

Der Rudolstädter Theaterintendant Steffen Mensching erinnert sich: "Die Leute sind mit so viel Sympathie und Wärme zu uns gekommen. Das waren sehr, sehr besondere Vorstellungen." Auch er hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Weil nur eine Interimsstätte mit schlechter Belüftung zur Verfügung steht, befindet sich das Theater bereits seit Anfang Dezember schon wieder in der Zwangspause.

Anders als in früheren Lockdowns sitzen Mensching und sein Team diese Zeit nun einfach aus – und bieten keine virtuellen Formate als Ersatz an. Mensching erklärt warum: "Das waren gut gemeinte Versuche, aktiv zu bleiben." Die Nachfrage aber sei relativ gering gewesen, so der Theaterintendant: "Ich glaube auch, die Zuschauer sind dessen irgendwie müde. Es gibt ja auch so genug kulturelle Angebote im Netz!"

Was bleibt?

Was bleibt also von diesem Kulturjahr 2021? Die Erinnerung an einen zähen Beginn, an einen fulminanten Sommer und an ein leises Runterfahren der Angebote im Herbst. Das zweite Pandemiejahr hat sichtbare Spuren hinterlassen. Und dennoch: Große Pläne für die Zukunft werden weiterhin geschmiedet.

Podcast "Lost Art Gotha"

Lost Art Gotha – Fünf Kunstkrimis

"Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals.
Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Elfenbeinarbeit "Einbeiniger Strauß"
Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha / Foto: Lutz Ebhardt
Alle anzeigen (5)

Jahresrückblicke: Das Kulturjahr 2021

Kultur

Buchcover von "Alphabet der Tiere", Christian Kreis: "Halle Alphabet" und Matthias Jügler: "Die Verlassenen"
Das sind drei unserer Buchtipps aus Sachsen-Anhalt 2021: Das "Alphabet der Tiere", "Halle Alphabet" von Christian Kreis und "Die Verlassenen" von Matthias Jügler Bildrechte: Collage: Galerie Erik Bausmann / parasitenpresse / Penguin Verlag / Colourbox.de

Mehr Kultur in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Dezember 2021 | 07:40 Uhr

Abonnieren