Nach 13 Jahren Amtszeit Klassik Stiftung Weimar: Direktor Wolfgang Holler in den Ruhestand verabschiedet

Der Direktor der Weimarer Klassik Museen, Wolfgang Holler, ist am28. Januar in den Ruhestand verabschiedet worden. Fast dreizehn Jahre lang hat er die Geschicke der 27 Museen der Stiftung bestimmt. Mit ihm verlässt ein Mann Weimar, der deutliche Spuren hinterlassen hat – wie das Bauhaus-Museum, dessen Neubau er verantwortet hat. Holler kam 2009 in nach Weimar, wo eine Menge Arbeit auf ihn wartete. Eine Würdigung.

Wolfgang Holler liegt im Anzug in einem Liegestuhl und blättert durch ein Prospekt. 3 min
Bildrechte: Hannes Bertram/Klassik Stiftung Weimar
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Seit 2009 hat Wolfgang Holler als Generaldirektor die Museen der Klassik Stiftung Weimar geleitet. Nun geht er in den Ruhestand. Torsten Unger hat ihn getroffen und mit ihm eine Bilanz seiner Amtszeit gezogen.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 31.01.2022 06:00Uhr 03:17 min

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Keine leichte Aufgabe für einen Kunsthistoriker, die Neukonzeption einer Goethe-Dauerausstellung: Damit fing es für Wolfgang Holler im Jahr 2009 in Weimar an. Die Ausstellung wurde 2012 eröffnet und hieß "Lebensfluten, Tatensturm". Das könnte übrigens auch ein Motto sein, unter dem seine Arbeit als Direktor der Weimarer Klassik Museen insgesamt stand.

Die vorherige Ausstellung im Goethe-Museum war zwar sehr anspruchsvoll, kam aber beim Publikum nicht an. Was also könnte das Publikum interessieren, fragte sich Holler. Er entschloss sich, die Person Goethes in den vielen Facetten seines Lebens in den Mittelpunkt zu stellen. Holler erklärt: "Deshalb haben wir Themen gewählt wie Gewalt, was für Macht steht. Wie ging Goethe mit Gewaltausübung um? Wie ging er mit allen Phänomenen der Liebe um – der platonischen Liebe, der ehelichen Liebe, der ganz sinnlichen Liebe, der Liebe aber auch zur Literatur, zur Kreativität, Natur, Kunst."

Größter Erfolg: das neue Bauhaus Museum in Weimar

Seit 2003 war in Weimar über den Neubau eines Bauhaus-Museums geredet worden. Es dauerte stattliche 16 Jahre, ehe es im April 2019 eröffnet werden konnte. Zum 100. Jubiläum der Gründung des Bauhauses in Weimar konzentrierte man sich natürlich in der Ausstellung auf das frühe Bauhaus, als es noch eine ganz experimentelle Schule gewesen sei, so Kunsthistoriker Holler. "Wo man wirklich sagen kann, das ist ein brodelnder Kessel des Experimentellen."

Ulrike Lorenz überreicht auf einer Bühne einen Blumenstrauss an Wolfgang Holler.
Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz (links) verschiedet sich von Direktor Wolfgang Holler, der nach 13 Jahren die Klassik Stiftung Weimar verlässt. Bildrechte: Hannes Bertram/Klassik Stiftung Weimar

Der besondere Stolz: das Museum Neues Weimar

Im ehemaligen Herzoglichen Museum, 1999 als Neues Museum wiedereröffnet, heute Museum Neues Weimar, befindet sich nun eine Ausstellung, in der die Vorgeschichte des Bauhauses erzählt wird. "Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900", damit wird die Brücke von der Klassik bis zur Moderne geschlagen. Bis zur Eröffnung 2019 hatte dieser Aspekt im Weimarer Zeitstrahl gefehlt.

Auf das Museum Neues Weimar sei er besonders stolz, sagt Wolfgang Holler. "Ich glaube, das ist in der Einrichtung geradezu beispielgebend, Verbindung einer sehr konsistenten, inhaltlich absolut haltbaren und festen Sache. Und auf der anderen Seite eine Präsentationsform, die das Publikum ungemein anregt. Ich habe immer nur positive Stimmen gehört, wenn jemand im Museum Neues Weimar ist."

Wolfgang Holler steht an einem Redepult und hält eine Ansprache.
Auf das Museum Neues Weimar sei er besonders stolz, bilanzierte Wolfgang Holler bei seiner feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand. Bildrechte: Hannes Bertram/Klassik Stiftung Weimar

Stadtschloss als Zentrum der Klassik Stiftung

Obwohl Wolfgang Holler außerordentlich viel geleistet hat, warten auf seine Nachfolgerin Anette Ludwig eine Menge Aufgaben. Die Klassik Stiftung ist im Umbruch. So erhält sie mit dem Stadtschloss künftig eine neue Mitte. "Vor allen Dingen das Schloss steht jetzt an", sagt Holler über die Pläne der Klassik Stiftung. "Das alte Residenzschloss – heute sagen wir ja Stadtschloss – das politische Zentrum dieses ganzen Staatswesens, von dem auch die kulturellen Bestrebungen initiiert wurden, muss neu eingerichtet werden. Da sind wir schon weit gediehen, aber ich denke, das sind jetzt Aufgaben, die meine Nachfolgerinnen stemmen werden."

Wolfgang Holler kehrt nun nach Dresden zurück, wo er bis 2009 Direktor des Kupferstichkabinetts war, und ist neuer Präsident der Sächsischen Akademie der Künste.

Mehr zur Klassik Stiftung Weimar Die 2003 gegründete Klassik Stiftung Weimar ist Deutschlands zweitgrößte Kulturstiftung. Mit ihren mehr als 27 Museen, Schlössern, historischen Häusern und Parks sowie den Sammlungen der Literatur und Kunst bildet die Stiftung ein einzigartiges Ensemble von Kulturdenkmalen. Zu ihrem Bestand gehören zwölf Unesco-Welterbestätten überwiegend des klassischen Weimars, darunter die Wohnhäuser von Goethe und Schiller, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die Fürstengruft und mehrere Parks.

Wolfgang Holler bekleidete seit 2009 das Amt des Generaldirektors der Museen der Klassik Stiftung Weimar. Zu den Höhepunkten in seiner Amtszeit zählten unter anderem die Erstellung des Museumskonzepts für die Klassik Stiftung Weimar, die Neukonzeption der Dauerausstellung im Goethe-Nationalmuseum sowie die Errichtung des neuen Bauhaus-Museums.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Januar 2022 | 08:10 Uhr

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