Wiederentdeckung Pflanzen in Hydrokultur richtig pflegen

Zimmerpflanzen in Hydrokultur zu ziehen, ist in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Dabei hat die Methode viele Vorteile gegenüber der konventionellen Erdkultur. Für die Hydrokultur eignen sich ein Großteil der bekannten Zimmerpflanzen, vor allem die aus den Tropen stammenden Grünpflanzen. Hydrospezialist und Raumbegrüner Markus Gregg erklärt, was bei der Pflege von Hydropflanzen beachtet werden sollte.

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Es muss nicht immer Erde sein: Pflanzen gedeihen auch in anderen Substraten. Welche Pflanzen sich dafür eignen, wie sie gepflegt werden und welche Vorteile die Hydrokultur hat, erklärt Hydrospezialist Markus Gregg.

MDR Garten So 06.03.2022 08:30Uhr 06:53 min

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Die Idee, Pflanzen in Wasser statt in Erde zu ziehen, ist nicht neu. Bereits aus vorchristlicher Zeit sind Ansätze dazu bekannt. "Hydro" stammt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht und einfach "Wasser". "Nachdem es Ende der 1990er Jahre sehr ruhig wurde um die Hydrokultur, kaufen in den letzten Jahren vermehrt auch junge Leute wieder Hydropflanzen", erklärt Hydrokulturexperte und Raumbegrüner Markus Gregg. Vielleicht, weil sie so gut zum aktuellen Trend passt, der Wohnzimmer in Dschungel verwandelt und exotische Pflanzenraritäten feiert.

Hydroponik oder Hydrokultur?

Bei der Hydroponik stehen die Wurzeln der Pflanze direkt im Wasser. Dadurch wird neben einem Gefäß nur Wasser und Dünger benötigt. Allerdings ist diese Art der Kultivierung nur für Pflanzen geeignet, die eher unempfindliche Wurzeln haben und nicht zu Fäulnis neigen. Im professionellen Gemüseanbau ist diese Methode weit verbreitet.

Bei der Hydrokultur hingegen steht die Pflanze in einem Substrat aus Granulat. Das können verschiedene Materialien sein. Am weitesten verbreitet ist Blähton. Das Wasser wird über ein Bewässerungssystem in das Granulat geleitet. Dieses nimmt die Flüssigkeit und die Nährstoffe auf und gibt sie langsam an die Pflanze ab.

Sonderfall Semihydro Bei Semihydro stehen Erdpflanzen auf einem Wasserspeicher, der meist aus Blähton besteht. So kommen sie in den Genuss einer Langzeitbewässerung ohne Staunässe und Wurzelfäule. Dieses System wird oft in der professionellen Raumbegrünung angewendet.

Verschiedene Blattpflanzen, die in Hydrkultur kultiviert werden, stehen auf einem Tisch.
Eine große Vielfalt an Pflanzen lässt sich in Hydro kultivieren. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Was braucht man für Hydrokultur?

Für Hydropflanzen benötigt man zunächst einen Hydrotopf - das ist ein Kunststofftopf, der mit großen, schlitzartigen Öffnungen ausgestattet ist und außerdem über eine Aussparung für den Wasserstandsanzeiger verfügt. Dieser wird in einen Übertopf gestellt, der das Wasser aufnimmt. Dann kommt der bereits erwähnte Wasserstandsanzeiger hinzu, an dem man ablesen kann, ob gegossen werden muss oder nicht. Außerdem das Substrat, in dem die Pflanze wurzelt. Und schließlich ein spezieller Dünger für Hydropflanzen, denn über das Substrat gewinnt die Pflanze keine Nahrung und die Nährstoffe aus dem Gießwasser reichen nicht aus.

Welche Vorteile hat die Hydrokultur?

  • Pflegeleicht: Man muss viel seltener gießen, Hydropflanzen überstehen auch eine längere Abwesenheit in der Regel problemlos. Auch müssen sie nicht so häufig umgetopft werden wie Erdpflanzen.
  • Bodenschädlinge wie Schimmelpilze oder Trauermücken können sich nicht im Substrat festsetzen.
  • Nachhaltig: Das Substrat verbraucht sich nicht und hält quasi "ewig". Klimaschädliche Substrate wie Torf werden vermieden.
  • Langlebig: In der Regel werden Grünpflanzen in Hydro gezogen. Bei richtiger Pflege wachsen und gedeihen sie viele Jahre lang.

Ein Philodendron (Baumfreund) mit weißer Blüte wächst in Hydrokultur.
Dieser Philodendron (Baumfreund) wächst in Hydrokultur. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Welche Nachteile hat die Hydrokultur?

Die Anschaffung einer Hydropflanze ist etwas teurer. Markus Gregg schätzt, dass man etwa zehn Prozent mehr Anschaffungskosten hat als bei Zimmerpflanzen in Erde. Allerdings relativiert sich das nach einiger Zeit, weil man keine Kosten für neue Erde hat und die Pflanzen meist viele Jahre gut in Hydro gedeihen. Allerdings eignen sich nicht alle Pflanzen und alle Standorte für Hydrokultur.

Welche Pflanzen eignen sich für Hydrokultur?

Hydropflanzen wachsen am besten in relativ warmen Räumen mit Temperatur um die 20 Grad Celsius. Am besten eignen sich daher wärmeliebende Blattpflanzen wie Gummibaum, Monstera, Philodendron, Efeutute, Ficcus oder Zyperngras. "Die meisten unserer Zimmerpflanzen stammen aus den Tropen und gerade sie lassen sich in der Regel sehr gut auf Hydro kultivieren", sagt Hydrogärtner Markus Gregg. Aber auch Zimmerhibisken, Orchideen und sogar Sukkulenten und Kakteen gedeihen in Hydrokultur.

Blüte vom Zyperngras (Cyperus), die Pflanze wächst in Hydrokultur.
Das feuchtigkeitsliebende Zyperngras ist ideal für Hydrokultur. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Pflanzen, die es gern etwas kühler haben, wie zum Beispiel Zimmerazaleen, Usambara- oder Alpenveilchen, eignen sich nicht so gut für Hydrokultur.

Wie werden Hydropflanzen gepflegt?

Wasser-, Licht und Nährstoffbedarf sowie Temperaturvorlieben hängen von der jeweiligen Pflanzenart ab. Es gibt jedoch ein paar allgemeine Hinweise zur Pflege von Hydrokulturen:

Gießen: Der Wasserstandsanzeiger zeigt an, wann es Zeit ist, die Pflanze zu gießen. Dabei sollte man auf keinen Fall mehr als bis zur "Optimumanzeige" gießen.

Ein Wasserstandsanzeiger in einem Hydrotopf.
Bitte nicht mehr als bis zur Optimumsmarke gießen! Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Der häufigste Fehler ist, dass die Hydros zu viel gegossen werden, dann droht Wurzelfäulnis.

Markus Gregg, Hydrogärtner

"Wenn das Wasser faulig riecht, hat man es meist zu gut mit dem Gießen gemeint", erklärt Markus Gregg. Auch würden die Pflanzen den Wechsel zwischen hohem und niedrigem Wasserstand brauchen: "Auf diese Weise können die Wurzeln atmen." Daher sollte man Hydropflanzen nicht konstant auf einem hohen Wasserniveau halten. Ist der Zeiger auf dem Minimumstand angekommen, sollte man mit dem Gießen noch drei Tage warten. Die Pflanzen überstehen einen niedrigen Wasserstand einige Tage ohne Probleme.

Eine regelmäßige Durchspülung der Hydropflanze, wie sie früher praktiziert wurde, wird heute von den Hydroprofis nicht mehr empfohlen.

Düngen: Da die Pflanzen keine Nährstoffe über das Substrat aufnehmen, ist es wichtig, sie regelmäßig zu düngen. Wie viel und in welchem Rhythmus hängt von der jeweiligen Pflanze ab. Verwenden Sie unbedingt speziellen Hydrodünger, der auf die Bedürfnisse von Hydropflanzen abgestimmt ist. Da es im Substrat keine Bodenlebewesen gibt, die den Dünger umwandeln, müssen die Nährstoffe im Hydrodünger sofort den Pflanzen zur Verfügung stehen.

Man kann wählen zwischen Flüssigdünger, den man in geringer Menge bei jedem Gießen zu gibt und Langzeitdünger, der direkt in das Pflanzgefäß kommt und mehrere Monate lang hält.

Durch das Düngen lagern sich irgendwann Salze an der oberen Blähtonschicht ab. Diese Ausfällungen erinnern manche Menschen an Schimmel. Sie sind nur ein optischer Makel. Wer sich daran stört, kann entweder das Substrat waschen und anschließend wieder einfüllen oder es ganz erneuern.

Salzablagerungen auf dem Tonsubstrat einer Hydropflanze.
Nur optisch ein Makel: Salzablagerungen auf dem Tonsubstrat einer Hydropflanze. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Standort: Zimmerpflanzen, egal ob in Erde oder Hydro, stehen ungern direkt über einer Heizung, weil ihnen warme, trockene Luft in der Regel nicht bekommt. Bei Fussbodenheizungen sollte man etwas Abstand zwischen Pflanze und Boden bringen. Ein halber Zentimeter, in dem die Luft zirkulieren kann, reicht schon: Stellen Sie die Pflanze also auf eine Rollplatte oder Filzfüße.

Auch unbeheizte Wintergärten sind generell ungünstig für Hydrokulturen, da keine Erdschicht die empfindlichen Wurzeln vor den kühlen Temperaturen schützt.

Können Erdpflanzen auf Hydrokultur umgestellt werden und umgekehrt?

Es ist immer schwierig, eine in Erde gewachsene Pflanze auf Hydro umzustellen: "Das gelingt allenfalls bei sehr jungen Pflanzen", so Gärtner Gregg. Grund ist, dass Wurzeln in Erde und Granulat unterschiedlich wachsen und sich dann nur sehr schwer an das neue Substrat gewöhnen können.

Umgekehrt - also von Hydro auf Erde - funktioniert es besser, aber das ist laut Markus Gregg ein eher unübliches Vorgehen.

Drei Hydropflanzen stehen auf einer Fensterbank.
Diese Pflanzen sind nie in Erde gewachsen. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Kann man Hydropflanzen selbst heranziehen?

Das geht ganz einfach über das Schneiden von Stecklingen, die im Wasser bewurzelt werden. Die auf diese Weise bewurzelten Stecklinge wachsen in Hydrokultur ganz ausgezeichnet an.

Was ist beim Umtopfen von Hydropflanzen zu beachten?

Generell müssen Hydropflanzen seltener umgesetzt werden als Erdpflanzen und ihre Gefäße können etwas kleiner sein als bei einer vergleichbaren Erdkultur. Aber ab und zu müssen auch Hydropflanzen in einen größeren Topf umziehen. Der Vorgang ist im Grunde derselbe wie bei Erde: Man gibt unten in den neuen Behälter Substrat und setzt die Pflanze etwa so hoch ein wie sie auch im alten Topf stand. Anschließend füllt man mit Substrat auf, bis sich ein ebener Anschluss mit dem Topf ergibt.

Über unseren Experten Markus Gregg beschäftigt sich schon seit den 1980er Jahren mit Hydropflanzen. Das Interesse daran wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater Günter Gregg gehörte zu den Begründern der Hydrokultur in Deutschland und adaptierte den Blähton für die Bedürfnisse der Hydropflanzen. Früher zählte die Gärtnerei Gregg zu den größten Produzenten von Hydropflanzen in Deutschland, mittlerweile hat sich die Firma aus der Pflanzenproduktion zurück gezogen und hat sich zum Dienstleister für professionelle Innenraumbegrünung entwickelt.

Markus Gregg, Experte für Hydrokultur und Raumbegrünung zu Gast im MDR Garten.
Sein Herz schlägt für Hydropflanzen: Markus Gregg. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Quelle: Markus Gregg, Experte für Hydrokultur und Raumbegrünung; dg

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 06. März 2022 | 08:30 Uhr