Stunde der Wintervögel 2020 So viele Vögel leben in unseren Gärten

Spatzen, Amseln und Meisen sind die häufigsten Vögel in den Gärten Mitteldeutschlands. Welche Arten außerdem rund ums Haus und in Parks leben, zeigt die Auswertung der "Stunde der Wintervögel". In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich mehr als 15.500 Menschen an der Zählaktion des Naturschutzbundes (Nabu) beteiligt.

Haussperlinge
Haussperlinge sind die häufigsten Vögel in unseren Gärten und Parks. Bildrechte: imago/blickwinkel

Bei der Stunde der Wintervögel am 10. und 11. Januar 2020 haben Zehntausende die Vögel in den Gärten Deutschlands gezählt. Auch in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt beobachteten zahlreiche Vogelfans die gefiederten Freunde. In rund 9.700 Gärten zählten die Hobby-Ornithologen in allen drei Bundesländern etwa 382.000 Vögel, wie der Naturschutzbund (Nabu) auf seinen Internetseiten mitteilt. Das sind im Durchschnitt 39,5 Vögel pro Garten. Die Zahl steht ganz im Einklang mit den bundesweiten Ergebnis: Pro Garten in Deutschland wurden im Schnitt 38 Vögel gemeldet. Im vergangenen Winter waren es in den drei Ländern allerdings noch 40,2 Vögel pro Garten. Aber den Rückgang hatten Experten erwartet, da das Wetter in diesem Winter bisher besonders mild war.

Die Daten aus inzwischen einem Jahrzehnt Stunde der Wintervögel zeigen deutlich, dass die Zahl der Vögel in den Gärten umso geringer ist, je milder und schneeärmer der Winter ist.

Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller

Sperlinge, Meisen und Amseln sind häufige Gäste im Garten

Am häufigsten flatterten Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling und Amsel um die Futterstellen. Dies war in ganz Deutschland der Fall - genauso wie in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Besonders der Haussperling gab Experten Grund zur Freude. Nachdem der Bestand jahrelang zurückgegangen war, steigen die Zahlen wieder an. In Thüringen wurden pro Garten in diesem Winter 8,3 Haussperlinge gezählt - 2019 waren es noch durchschnittlich 7,48. Auch in Sachsen nahmen die Bestände zu, in Sachsen-Anhalt veränderten sich die Zahlen kaum.

Amsel
Haben die Amseln die Virus-Epidemie überstanden? Bildrechte: Colourbox.de

Die Zahl der Amseln pro Garten sank in Sachsen von 2,53 auf 1,87 pro Garten, blieb aber in Sachsen-Anhalt und Thüringen stabil. Die Amseln hatten laut Nabu im vergangenen Jahr unter dem für diese Vögel tödlichen Usutu-Virus gelitten. Die Krankheit breitete sich zwar in dieser Saison schwächer aus, so dass die Bestände nicht weiter abnahmen. Aber die Amselpopulationen wurden auch nicht größer. Der Bestand an Kohlmeisen blieb stabil bei im Duchschnitt etwa sechs Vögeln je Garten. Bei Blaumeisen und Feldsperlingen wurden minimal weniger Tiere gemeldet - rund vier waren es pro Garten.

Immer weniger Grünfinken beobachtet

Grünfinken sind zur Zeit die Sorgenkinder der Naturschützer vom Nabu, da ihre Zahl von Jahr zu Jahr gesunken ist. Auch in Sachsen und Thüringen waren rund 20 Prozent weniger Tiere im Garten - nur noch 1,3 Vögel im Durchschnitt pro Garten, in Sachsen-Anhalt waren es immerhin 1,45 Vögel pro Garten. Vermutlich leiden die Tiere nach Angaben des Nabu unter einer Infektion mit Trichomonas. Mit diesem einzelligen Parasiten stecken sich die Grünfinken häufig an sommerlichen Futterstellen an.

Ein häufigerer Gast in unseren Gärten ist mittlerweile der Eichelhäher, wie die Zählung ergab. In jedem Garten Thüringens und Sachsen-Anhalts lebt statistisch betrachtet ein Eichelhäher, in Sachsen sind es sogar ein bisschen mehr. Allerdings bewohnen nicht alle Eichelhäher, die bei der Zählung beobachtet wurden, die mitteldeutschen Gärten und Parks. Aus Nord- und Osteuropa flogen viele Tiere für den Winter ein.

Neben den häufigen Vögeln zeigten sich natürlich noch unzählige andere in den Gärten und Parks. Grünspecht, Elster, Ringeltaube, Kleiber - sie waren alle da. Auch seltene Vögel wie Fasan, Mittelspecht und Zilp-Zalp wurden gesichtet.

Geschützt und gefährdet Tiere des Jahres 2021: Besondere Gartenbewohner

Ob dänische Eintagsfliege, Eidechse oder Mai-Langhornbiene: Viele Tiere können in Gärten einen Lebensraum finden. Sie sind zu "Tieren des Jahres" ernannt worden, um auf ihre Besonderheiten aufmerksam zu machen.

Fischotter
Der Fischotter wohnt zwar nicht im Garten, wurde dieses Jahr aber von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres ernannt. Die größte deutsche Marderart ist sehr selten und steht auf der der roten Liste streng geschützter Tiere. Bildrechte: Panthermedia/karin010759
Fischotter
Der Fischotter wohnt zwar nicht im Garten, wurde dieses Jahr aber von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres ernannt. Die größte deutsche Marderart ist sehr selten und steht auf der der roten Liste streng geschützter Tiere. Bildrechte: Panthermedia/karin010759
Eine grüne Zauneidechse wird von einer Hand gehalten.
Zur Paarungszeit sind die Männchen smaragdgrün - und damit echte Sympathieträger für die Reptilien, wenn sie sich so in der Sonne aufwärmen. Zum Lurch des Jahres 2020/21 wurde die Zauneidechse von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde gewählt. Bildrechte: Colourbox.de
Frühe Langhornbiene
Die Mai-Langhornbiene wurde vom Kuratiorium "Wildbiene des Jahres" ausgewählt. Die leicht plump wirkende Wildbiene mit den langen Fühlern ist wählerisch. Sie besucht ausschließlich Schmetterlingsblüten. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Brauner Bär
Der Nachtfalter Brauner Bär (Arctia caja) wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz zum Schmetterling des Jahres gewählt. Der große Nachtfalter ist durch Lichtverschmutzung, intensive Landwirtschaft und zu wenig Rückzugsmöglichkeiten in seinem Bestand gefährdet. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Wanderlibelle
Die Wanderlibelle (Pantala flavescens) wandert in großen Schwärmen zwischen Afrika und Asien hin und her, immer auf der Suche nach Brutgebieten. Im Jahr 2019 tauchte sie das erste Mal in Deutschland auf. Der Klimawandel und die steigenden Temperaturen ermöglichen ihr die Reise gen Norden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz und die Gesellschaft für deutschsprachige Odonatologen haben den Neuankömmling zur Libelle des Jahres gekürt. Bildrechte: imago images / blickwinkel
dänische Eintagsfliege, Weibchen
Die dänische Eintagsfliege (Ephemera danica) ist Insekt des Jahres 2021. Eine Fliege! Das klingt auf den ersten Blick langweilig. Das ist sie aber ganz und gar nicht. Ihre Verwandten lebten schon vor 355 Millionen Jahren, da gab es noch nicht mal Dinos. Die Fliegenlarven häuten sich 30 Mal, bis sie endlich schlüpfen können. Erst dann können sich die dänischen Eintagsfliegen vermehren. Bildrechte: imago/blickwinkel
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 20. Dezember 2020 | 08:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 22. Dezember 2019 | 08:30 Uhr