Chorprojekt "König Artus" der Jungen Oper Leipzig: Sage voller drängender Fragen

Nach vielen Zwangspausen kann der Jugendchor der Oper Leipzig endlich wieder ein großes Projekt zeigen. In den vergangenen Monaten haben sich die Jugendlichen mit der berühmten Artus-Sage beschäftigt, inklusive dem Schwert im Felsen und der Tafelrunde. Doch die jungen Sängerinnen und Sänger erzählen darin auch von sehr aktuellen Problemen. MDR KLASSIK hat eine Probe besucht und mit den Jugendlichen gesprochen.

Szenenbilder: "König Artus", Jugendchor Oper Leipzig
"König Artus" heißt die neue Musiktheaterproduktion des Kinder- und Jugendchores der Oper Leipzig, die am 13. Juli Premiere feiert. Bildrechte: Kirsten Nijhof

Am Ende feiert der Jugendchor der Oper Leipzig eine große Party in einer Halle des Kunstkraftwerks. In ihren bunten Kostümen, die aus ausrangierten Jacken und Hosen zusammengenäht scheinen, tanzen sie im Kreis. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist auch für die Jugendlichen wichtig.

Musik verbindet

Chormitglied Paul erzählt: "Hier ist eine ganz neue Freundesgruppe außerhalb der Schule. Es sind ganz neue Leute, mit denen man sich eigentlich nicht treffen würde, aber die Musik verbindet dann schon." Darum hat vielen von Ihnen die Arbeit mit dem Chor in den vergangenen Jahren gefehlt, so wie Charlie:

Ich habe das Gefühl während Corona ist der Chor schon ein bisschen auseinandergebrochen. Ich bin ziemlich froh, dass wir jetzt wieder proben dürfen!

Charlie, Sängerin im Jugendchor der Oper Leipzig

Kinder- und Jugendchor der Oper Leipzig
Kinder- und Jugendchor der Oper Leipzig mit Leiterin Sophie Bauer. Bildrechte: Merdes

Aktuelle Fragen in "König Artus"

"König Artus" ist eine Adaption der berühmten englischen Sage über den Jungen, der ein Schwert aus einem Felsen zieht, der sich in Kriege verstrickt und am Ende die Tafelrunde gründet. Es geht um vieles, erklärt Merlin-Darsteller Georg:

Szenenbilder: "König Artus", Jugendchor Oper Leipzig
In "König Artus" beschäftigt sich der Jugendchor mit Fragen und Problemen unserer Zeit. Bildrechte: Kirsten Nijhof

"Die Sage greift den Demokratie-Gedanken auf. Damals war es eher üblich, dass alle Leute Macht haben wollten. Deshalb wurde die Tafelrunde errichtet und die Gewaltenteilung. Das ist immer noch eine sehr aktuelle Sache. Denn gerade gibt es den Konflikt, ob Demokratie immer noch die geistige Herrschaftsform ist oder nicht."

"In vielen Ländern gibt es außerdem immer noch Diktaturen", ergänzt Philine, die Sängerin von Artus‘ Frau Guinivere. In dieser Version der Geschichte hintergeht sie Artus mit dessen Stiefbruder Lanzelot. Der wird von Charlie gespielt, die die Entwicklung besonders spannend findet: "Diese Überforderung: Artus ist 16 Jahre alt und muss auf einmal ein ganzes Land regieren. Er muss ganz viele Entscheidungen treffen und seine engsten Vertrauten betrügen. Das ist alles total viel für ihn. Die menschliche Psyche, Gefühle spielen eine große Rolle. Das macht das Stück immer noch aktuell."

Natur, Umwelt, Klima

Schließlich geht es auch um Umweltschutz. Immer wieder tritt die Hexe Morgana auf und warnt Merlin. Verkörpert wird die Figur von der Sängerin Alma. "Ich stelle ja sozusagen die Natur dar und die Schützerin der Natur. Ich mache Merlin den Vorwurf, dass Artus nicht der geeignete König ist, weil die Natur unter ihm leidet. Das kann man übertragen auf heute, auf den Klimaschutz."

Damit es nicht zu ernst wird, gibt es im dem Leipziger Stück auch einen Narren. Zwischen den Szenen hüpft Flo auf die Bühne und spricht in Reimen. Themen wie Klimaschutz seien für ihre Generation schon lange wichtig, erzählt sie. Deswegen ist sie begeistert, dass für Ausstattung alte Materialien wiederverwendet werden. "Das find ich cool! Das zeigt: Wir sagen nicht nur was. Wir machen auch was oder die Produktion, die dahintersteckt. Der Thron wurde auch recycelt."

Musikalische Unterstützung

Die Musik in dieser Produktion stammt von Purcell und Händel. Dafür wurde die Musiziergruppe Michael Praetorius dazu geholt, in der Elias Fagott spielt: "Die Musik ist sehr majestätisch und sehr volltaktig strukturiert. Man kann es mit einem Marsch vergleichen."

Szenenbilder: "König Artus", Jugendchor Oper Leipzig
In der Jugendmusiziergruppe "Michael Praetorius" spielen rund 40 Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren. Bildrechte: Kirsten Nijhof

Die Hilfe war besonders wichtig. In den Proben die Energie zu halten, war nicht immer leicht, erzählt auch Artus-Darsteller Benno: "Ich bin von der Schule immer gleich hergekommen und musste mich dann auf eine Probe einstellen und konzentriert bleiben. Das war manchmal auch schwer."

Auch seine Spielpartnerin Philine hat eine Weile gebraucht, um in ihre Rolle zu finden: "Für das Spielen muss man die Geschichte nachvollziehen können. Ich finde es – besonders bei diesen ganzen Liebesbeziehungen – schwer, das Ganze so darzustellen, wie es dasteht."

Diesen Herausforderungen haben sich die Jugendlichen mit Freude gestellt. Der Chorsänger Paul ist fasziniert, dass die Rollen auf die Darsteller abgefärbt haben, sodass Benno auch im Alltag etwas von Artus hat: "Es entsteht dann so ein Mischmasch, dass beide zusammenfließen und zusammenwachsen. Ich finde das sehr, sehr schön!"

Weitere Informationen "König Artus" – eine Musiktheaterproduktion des Kinder- und Jugendchores der Oper Leipzig

Für Kinder ab 8 Jahren

Premiere:
13. Juli 2022 um 19 Uhr im Kunstkraftwerk (ausverkauft)

Weitere Aufführungen:
14. Juli 2022, 11:00 Uhr, Kunstkraftwerk Oper (Restkarten)
14. Juli 2022, 19:00 Uhr, Kunstkraftwerk Oper (ausverkauft)
15. Juli 2022, 19:00 Uhr, Kunstkraftwerk Oper (ausverkauft)

Die Produktion soll in der kommenden Spielzeit nochmal gezeigt werden.

Eintritt:
10 Euro


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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 13. Juli 2022 | 09:10 Uhr

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