Zum 80. Todestag Stefan Zweig und die Musik

Stefan Zweig war nicht nur ein subtiler Geschichtenerzähler und wachsamer Chronist seiner Zeit: Im Bereich der Oper gilt er neben Hugo von Hofmannsthal als bedeutendster Librettist des Komponisten Richard Strauss. Das Leben des einst gefeierten Autors endete vor achtzig Jahren in Petrópolis, einem kleinen Ort unweit der Metropole Rio de Janeiro mit einem verzweifelten Selbstmord.

Der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Stefan Zweig, geboren am 28. November 1881 in Wien, verstorben durch Selbstmord am 23. Februar 1942 in Rio de Janeiro in Brasilien.
Stefan Zweig war Zeit seines Lebens der Musik zugewandt. Bildrechte: dpa

Als Richard Strauss‘ Oper "Die schweigsame Frau" im Juni 1935 an der Semperoper in Dresden uraufgeführt wurde, lebte Stefan Zweig, der das Libretto verfasst hatte, bereits in London. Zuvor hatte der überzeugte Pazifist und erklärte Gegner des Nationalsozialismus erleben müssen, wie nach der "Machtergreifung" in Deutschland seine Bücher verbrannt wurden. Als Strauss und Zweig 1931 ein neues Opernprojekt verabredeten, galt der Dichter noch als einer der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit.

Aus Traurigkeit wächst keine Tat.

Stefan Zweig

Zweig, der aus großbürgerlichem Hause stammte, hatte dort möglicherweise private Musikveranstaltungen erlebt. Auch manche seiner Werke wie der Gedichtband "Silberne Saiten", den der 20-Jährige 1901 veröffentlichte, zeigen eine gewisse Neigung zur Musik. Allerdings wurde Zweig von den damaligen Komponisten vergleichsweise wenig beachtet. 1906 wählte Max Reger für seine "Vier Lieder" für Singstimme und Klavier, Op. 97 das Gedicht "Ein Drängen" aus Zweigs "Silbernen Saiten" aus. Drei Jahre später griff Joseph Marx den gleichen Text für seine Liedvertonung auf.

Ein besonderes Verhältnis zur Musik

Berühmt wurde Stefan Zweig vor allem mit Erzählungen und Novellen wie "Brennendes Geheimnis", "Brief einer Unbekannten" oder "Amok", in die die verschiedenen gesellschaftspolitischen und kulturellen Strömungen seiner Zeit einflossen. Darüber hinaus verfasste er Essays über prominente Musikschaffende wie etwa Gustav Mahler, den Zweig kurz vor dessen Tod 1911 noch persönlich kennen gelernt hatte. Ebenso entstanden Portraits über Bruno Walter und Arturo Toscanini. Auch verfasste Zweig eine Biografie über Georg Friedrich Händel. Als passionierter Autographensammler interessierte er sich nicht nur für literarische Originale, in seinem Besitz befanden sich unter anderem auch etliche originale Kompositionen von Bach bis Strawinsky wie beispielsweise die Handschriften der Lieder "Das Veilchen" von Mozart und "Der Kuss" von Beethoven.

Das Vermächtnis

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Untergang des "Dritten Reichs" erlebte Zweig nicht mehr. Gequält von Depressionen und gedemütigt vom Nationalsozialismus im fernen Europa nahm er sich zusammen mit seiner Frau in der Nacht vom 22. zum 23. Februar 1942 im brasilianischen Exil das Leben.

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig und seine zweite Frau Lotte auf einem Foto, das vermutlich im Jahr 1940 entstanden ist.
Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig und seine zweite Frau Lotte auf einem Foto, das vermutlich im Jahr 1940 entstanden ist. Bildrechte: dpa

Nach dem Krieg wurden seine Schriften sowohl in West- als auch in Ostdeutschland wieder gelesen. Einige von ihnen dienten Komponisten in der damaligen DDR als literarische Vorlage: Michael Rabsilber beispielsweise schrieb 1987 nach einem Text von Zweig die Kantate "Die Legende der dritten Taube" für Soli, Chor und Orchester. In der Bundesrepublik vertonte unter anderem Aribert Reimann 1958 mehrere Gedichte für Singstimme und Klavier.

Die Nachwirkung

Im klassischen Musikbereich ist Zweigs Libretto zur "Schweigsamen Frau" bekannt geblieben, das Richard Strauss zu einem Meisterwerk inspirierte. Indirekt reichte seine Zusammenarbeit mit dem Komponisten sogar noch etwas weiter: Der Strauss empfohlene Joseph Gregor griff in seinen Libretti zu der Oper "Friedenstag" und dem Konversationsstück mit Musik "Capriccio" auf Entwürfe von Stefan Zweig zurück.

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MDR KLASSIK Mo 31.01.2022 18:05Uhr 04:59 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 22. Februar 2022 | 08:40 Uhr

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