Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Ulrike Greim von der Evangelischen Kirche.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Täglich hören Sie das Wort zum Tag bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Donnerstag, 30. Juni: In allem sorgsam

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Meine Oma hat das gesagt. Kriegsgeneration eben. Sie wusste, was sparen ist. Dass man mit den wertvollen Dingen sehr sorgsam umgehen muss.

Ulrike Greim 2 min
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Butter zum Beispiel. Da wird bis zum letzten Fipselchen die Folie abgekratzt, damit nichts verschwendet wird. Es werden nur die Lampen angemacht, die wir wirklich brauchen. Und warm baden - duschen war noch nicht erfunden - höchstens einmal in der Woche, und nur kurz, weil immer noch zwei oder drei in das gleiche Wasser müssen.

Längst vorbei. Oder? Mit dem Wohlstand kam die Gewöhnung. Wie schnell wir uns nach der Wende an die vielen Annehmlichkeiten gewöhnt haben, fand ich beachtlich. Keiner will mehr zurück. Und nun sollen wir Gas sparen. Und Öl. So ein Aufschrei. Mehr Wohlstand wird immer gern genommen, ein bisschen weniger - auf gar keinen Fall.

Etwas zu sparen, ist aber eine gute Übung. Das ständige Zuviel ist eher unser Problem. Es lenkt ab. Dabei kann man mit wenig viel bewirken.

"Ein weiser Mensch ist in allem sorgsam“ wussten schon die alten Sprüche der Bibel. Dann merken wir besser, was wir wirklich brauchen, und was - oh Wunder - nicht.

Weisheit im Umgang mit jeder Energie wünscht ihnen Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche

Mittwoch, 29. Juni: Recht auf schlechte Laune

Manche Leute glauben ja, dass sie ein Recht auf ihre schlechte Laune haben. Ich saß neulich neben so einem. Er hat in einer Besprechung konsequent miese Stimmung verbreitet. Immer hatte er etwas zu Bedenken zu geben, hatte immer ein "Aber", sein Glas war immer halbleer. Es war anstrengend. Die gute Laune - hat die bei ihm eine Chance? Ich glaube schon, wenn er sie aktiv sucht.

Einmal lebte einer, der drohte in tiefste Depression zu rutschen. Dem sind vier seiner fünf Kinder gestorben. Was hat er gemacht? Er hat gesungen. Er hat durch das Singen versucht, sich an dem festzuhalten, was ihn am Leben hält. Ein gläubiger Mensch, der sich so seinen Glauben an den Gott des Lebens Vers für Vers zurückerobert hat. Paul Gerhardt heißt der Mann. Und er hat - wenn man so will - eine Liedertherapie gemacht.

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit."

Er hat sein Herz förmlich raus geschickt vor die Tür. Vielleicht meinte er auch seine Frau.

"Bleib nicht drin in deiner dunklen Stube, wo dich all dein Unglück überfällt. Geh raus. Schau dir den Sommer an."

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"Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“ Hör den Vögeln zu, schau dir die kleinen Bächlein an, die munter plätschern, schau dem Weizen beim Wachsen zu. Gott erschafft alles immer wieder neu. Das erweckt unsere Sinne.

Na denn, lieber schlecht gelaunter Kollege, raus mit dir in den Sommer, sagt Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.

Dienstag, 28. Juni: Einfach mal spinnen

Manchmal mag ich ja diese sozialen Medien. Zum Beispiel hat gerade jemand auf Twitter ein angebliches Zitat Putins gepostet:

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"Wir hoffen, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt", soll er gesagt haben. Russland werde alle seine Verpflichtungen nach dem Völkerrecht respektieren und konstruktive Beziehungen zu seinen Partnern im Ausland aufbauen. Die Situation in der Welt sei besorgniserregend.

Großartige Kommentare darunter. Was er geraucht habe, so einen Unsinn zu schreiben. Mit welcher Übersetzungs-App er arbeite. Das sei zu schön, um wahr zu sein. Ich bin neugierig und recherchiere. Das Zitat von Putin stammt von 2018 aus dem Syrienkrieg. Egal - es hat die anderen Twitterer animiert. Sie haben den Faden einfach weitergesponnen.

  • "Deshalb erkläre ich den Krieg für beendet. Ich bitte alle um Verzeihung, die gelitten haben“ postet einer. Ein anderer: "Ferner habe ich angeordnet, die Milliarden Euro monatlicher Desinformationskampagnen unserer Influenzer in Deutschland komplett zu streichen. Stattdessen werden wir Kliniken in der Ukraine aufbauen.“
  • Noch andere: dass Rüstungsgelder in Schulen gesteckt werden. Wie Soldaten jetzt helfen, die Weizenernte reinzubringen. Wie andere Minen entschärfen, damit die Getreide-Schiffe auch sicher auf ihre Route kommen. Und so weiter.
  • Und: "Die entführten ukrainischen Kinder kommen alle wohlbehalten mit einem Rucksack voller Gold zurück.“

Eine andere Welt ist möglich. Lasst uns schon einmal ein Bild davon bekommen. Einfach, damit wir nicht in den bösen Bildern gefangen bleiben. Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.

Montag, 27. Juni: G7 tanzt

Haben Sie Phantasie? Dann habe ich etwas für Sie. Stellen Sie sich einmal vor, dass Wünsche in Erfüllung gehen. Wenn jemand zum Beispiel ein Haus baut, damit dort etwas Bestimmtes passiert, das es tatsächlich passiert.

Jetzt aufgepasst: In diesen Tagen schaut die halbe Welt nach Schloss Elmau. Das ist ein luxuriöses Hotel in den Alpen. Dort treffen sich die Großen der sieben einflussreichsten Industrienationen. Das G7-Treffen. Dieses Schloss ist rund hundert Jahre alt. Es wurde von einem protestantischen Theologen erbaut, der hieß Johannes Müller. Er war auch Philosoph und ein Bestseller-Autor.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 27.06.2022 06:20Uhr 02:04 min

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Johannes Müller wollte seinen Gästen und seinen Fans in Schloss Elmau die Möglichkeit bieten, "Ferien vom Ich" zu machen. Sie sollten in der Stille unberührter Natur, bei Konzerten und Tanzabenden mit klassischer Musik "selbstvergessen der lebendigen Wirklichkeit Gottes […] unmittelbar gewahr werden". 

Er wollte, dass sie ihr Ego ruhen lassen können. Das sei nämlich die Wurzel allen Übels. Sie sollten wieder lernen, hinzuhören. Können Sie sich das vorstellen?

Boris Johnson wird dabei sein, Emmanuel Macron, Mario Draghi, Joe Biden, Fumio Kishida, Justin Trudeau. Scholz hat den Vorsitz. Sehen Sie das vor sich? Die Staatschefs lauschen der Natur. Den Vögeln. Dem kleinen Bach, wie er plätschert. Sie vergessen ihr Ego, sie werden der lebendigen Wirklichkeit Gottes gewahr. Sie hören wunderbare Musik, bis sie tanzen. 

Großartig, was? Ein Ruck würde durch die Welt gehen. Alles Blödsinn? Lieber Johannes Müller - wo immer du jetzt bist: Lass uns beten.

Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche

Sonntag, 26. Juni: Ein Tisch bis in die Ewigkeit

"Wie lang ist eigentlich so ein Abendmahlstisch", fragt die Besucherin in der Kirche. Sie stehen im Altarraum, das Licht fällt bunt durch die Fenster. "Oh, sehr lang", sagt der alte Herr, der hier die Kirchenführungen macht. "Er reicht ja schon in die Geschichte zurück. Und bis in die Zukunft." Die Gäste runzeln die Stirn.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 25.06.2022 10:33Uhr 02:03 min

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"Sehen sie, das ist so. Unser Abendmahlstisch, an den sind schon Generationen vor uns getreten. Und wir wissen, er steht noch da, wenn wir schon nicht mehr leben. Und jedes Mal beim Abendmahl - da verbinden wir uns. Mit allen, die an Jesus glauben. Heute. Mit allen Vorfahren, die ihm vertraut haben. Und wir wissen: auch mit denen, die in hundert Jahren erst hier stehen werden." Die Gäste sind ein bisschen beeindruckt. 

Er erzählt, wie die Verbindung auch über Ländergrenzen hinweg geht. "Sehen sie, wir haben Abendmahlskelche für den Wein, die stammen aus dem 17. Jahrhundert. Damals kamen Flüchtlinge zu uns. Hugenotten, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Einige waren Silberschmiede. Die haben diese Kelche hier gemacht. Auch heute stehen hier Geflüchtete - aus der Ukraine, aus Syrien, Eritrea. Wir alle verbinden uns."

Dann sagt der Kirchenführer, dass Jesus ja der Gastgeber ist. Und da hätten alle Platz. Das Jesus keinen wegschickt. "Menschen tun das," sagt er, "auch Kirchgemeinden. Aber Jesus nicht. An seinem Tisch sind alle willkommen. Deswegen ist der Abendmahlstisch sehr groß. Viel größer als der, der hier steht. Manchmal muss man die Augen ein wenig zusammenkneifen, dann sieht man: Er reicht durch die Zeit und einmal um die Welt. Und bis in die Ewigkeit."

 Fröhlichen Sonntag und spannende Entdeckungen wünscht Ulrike Greim aus Weimar

Zur Person: Ulrike Greim Ulrike Greim ist die Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Davor war sie 20 Jahre lang als Radiojournalistin tätig, erst für den MDR, später für den Deutschlandfunk.

Aufgewachsen ist sie im Thüringer Wald. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt in Weimar.

MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 27. Juni 2022 | 06:20 Uhr