Der Redakteur | 30.06.2022 Sollten Brunnen in der Stadt trotz Trockenheit permanent laufen?

"Können wir es uns eigentlich angesichts der Trinkwasserknappheit noch leisten, in unseren Städten die Brunnen laufen zu lassen?" Das fragt Karin Wildner aus Erfurt. Redakteur Thomas Becker hat Antworten gefunden.

Brunnen am Marktplatz in Kaltennordheim
Ein Brunnen am neu gestalteten Marktplatz in Kaltennordheim. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Sollten trotz der aktuellen Trockenheit und des knappen Trinkwassers weiter die Brunnen laufen? Bevor die Frage beantwortet wird, eine kurze Erklärung, wie ein Brunnen funktioniert:

Die meisten Brunnen haben eine Umwälzanlage und ein Wasserreservoir. Dieses kann sichtbar sein als Brunnenbecken oder es ist unterirdisch. Das bedeutet: Es ist nicht so, dass bei einem Brunnen durchgehend der Wasserhahn läuft.

Eine Besonderheit sind die Laufbrunnen. Apolda hat sowas teilweise und vor allem Weimar. Die Brunnen Weimars sind an Quellen außerhalb der Stadt angebunden. Die Quellen im Rabenwäldchen in Weimar-West und im Kirschbachtal sind einige Meter höher als die Innenstadt und das reicht aus, um ausreichend Fließgeschwindigkeit und auch Druck aufzubauen.

500 Jahre alt ist das System, das die Bewohner der Stadt früher mit Wasser versorgt hat, das es für die meisten nur am öffentlichen Brunnen gab. Einige Poller und Steinblöcke zeugen noch davon, die waren zum Abstellen der Eimer. Die alten Rohre waren ausgehöhlte Baumstämme, heute sind es PE-Rohre. Das Wasser fehlt auch nirgendwo, es würde versickern, verdunsten oder irgendwie in der Ilm landen, aber da kommt es mit dem Umweg über die Brunnen letztlich ohnehin an.

Was ist, wenn Wasser verloren geht?

Wir dürfen zwar den Regen nicht unterschätzen, der auch die Brunnen wieder auffüllt. Aber wenn die Wasserstände der Umlaufbrunnen zu niedrig werden, öffnen sich unterirdisch Magnetventile, die dann Frischwasser zulaufen lassen.

Orangerie Gotha - spätbarocke Gartenanlage mit Brunnen im Schlosspark des Schlosses Friedenstein. 20 min
Bildrechte: imago images/ari

Je nach Größe des Brunnens werden dann zwischen 50 Litern und einem Kubikmeter Wasser pro Tag nachgespeist. Am Ende kommt je Brunnen eine Jahresmenge zusammen, die dem Jahresverbrauch eines vierköpfigen Haushalts entspricht. Das sind bei zehntausenden Haushalten und ein paar Brunnen einer Stadt keine Größenordnungen, die Thüringen austrocknen lassen würden.

Ein bisschen Freude, Flair und Abkühlung dürfen wir uns auch in Zeiten des Sparens gönnen. Anders als mit Importobst aus dem Süden legen wir mit unseren Brunnen auch keine fremden Länder trocken. Und die modernen Fontänen passen quasi auch auf, dass sie nicht so viel Wasser verplempern. Der Hauptfeind ist der Wind: Über Windmesser werden die Fontänen gesteuert und über Zeitschaltuhren sowieso. Nachts ist das Wasser in der Regel ganz still.

Wenn Wind kommt, wird die Fontäne heruntergenommen, damit nicht so viel verspritzt wird. Und bei zu starkem Wind geht die Anlage aus.

Sebastian Schreier Brunnenmeisterei Schreier, Buttelstedt

Die Brunnenbauer nördlich des Ettersbergs haben schon über 500 Brunnen in Thüringen gebaut, restauriert oder gewartet und kennen quasi jeden Wassertropfen dort persönlich.

Wird Brunnenwasser gereinigt?

Eher selten bis nie wird Brunnenwasser gereinigt. Trinkwasserqualität haben ohnehin nur Brunnen mit einem entsprechenden Schild. Ansonsten wird noch nicht einmal Badewasserqualität erreicht.

Schloss-Brunnen Rudolstadt 2018
Wasser in Brunnen hat sehr selten eine Trinkwasserqualität. Oft wird noch nicht einmal Badewasserqualität erreicht. Bildrechte: JM Unger

Das sollte man bedenken, wenn man baden gehen will. Erstens aus Eigenschutz und auch mit Blick auf die, die sich anschließend noch erfrischen wollen. Das bedeutet: Man muss sich in einem Brunnen auch nicht unbedingt die Füße waschen.

Einige größere Anlagen wie an der Staatskanzlei und am Angerbrunnen werden über eine Sandfilteranlage und eine Chemiestrecke gereinigt, damit es schöner aussieht und auch die Keimzahl etwas heruntergenommen wird.

Matthias Schreier Brunnenmeisterei Schreier, Buttelstedt

Wer es ganz genau wissen will: Auch die Stromkosten eines Brunnens sind im Rahmen. Zum Beispiel zieht die Anlage am Platz der Völkerfreundschaft in Erfurt ungefähr zwei bis drei Kilowatt. Kostenpunkt: rund ein Euro pro Stunde. Kleinere Brunnen kommen sogar mit deutlich weniger aus.

MDR (ifl,mw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 30. Juni 2022 | 16:40 Uhr

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