Der Redakteur | 18.11.2021 Wie funktioniert das mit Corona-Tests für Beschäftigte?

Ein Mitarbeiter eines Wirtshauses kontrolliert am Eingang den 3G-Nachweis von zwei Gästen.
Kontrolle der Gäste - aber wer kontrolliert wie und wo die Beschäftigten selber? Bildrechte: dpa

Am Anfang stand die maximale Verwirrung. Seit Tagen wurde 2G in Thüringen vorbereitet, die konkreten Regeln haben wir hier für Sie zusammengefasst. Die Landkreise bekamen – um einen Flickenteppich zu vermeiden – eine Musterallgemeinverfügung vom Gesundheitsministerium und zwar per "fachaufsichtlicher Weisung". Bedeutet: Mindestens die festgelegten Standards sind einzuhalten, strengere Maßnahmen, die mit dem Ministerium abgestimmt werden mussten, durften ergänzt werden.

Das 2G-Chaos in Thüringen – erster Teil

Quasi unter der Messlatte hindurchzuspringen, war ausdrücklich nicht erlaubt. Der erste Landkreis, der es trotzdem tat, war der Landkreis Nordhausen, der zweite Sonneberg, auf Platz drei landete der Ilm-Kreis. Nicht alle sind direkt einem zänkischen Bergvolk zuzuordnen. In allen Fällen der Stein des Anstoßes: Das tägliche Testen von ungeimpften Mitarbeitern in Einrichtungen und Betrieben mit Publikumsverkehr und zwar vor dem Betreten ihrer Arbeitsstätte.

Dazu gehören Dienstleistungsbetriebe, Gaststätten, Hotels, Clubs usw. Tagelang waren die Unternehmerverbände gegen diese Regelung Sturm gelaufen, offensichtlich vergeblich. Die Vorgabe des Landes entstammt einem Kabinettsbeschluss und lautet: Tägliches Testen der Mitarbeiter mit Kundenkontakt und zwar per PCR-Test oder Nukleinsäure-Amplifikationsverfahren, beides erhältlich im nahegelegenen Testzentrum.

Wenn PCR-Ergebnisse erst nach Ablauf der Frist kommen

Nur im besten Falle ist dieses aber wirklich in der Nähe, gerade im ländlichen Raum dürfte es mitunter schwierig werden. Und auch sonst ist für Arbeitnehmer ein täglicher Testlauf am Rande einer Zumutung. Stichwort Frühschicht, Spätschicht, Kindergarten. Es ist eben ein Unterschied, ob man sich einmal die Woche für ein Vergnügen testen lassen muss, oder um täglich auf Arbeit gehen zu können. Hinzu kommt: Die Idee der PCR-Tests für ungeimpfte Angestellte der betroffenen Einrichtungen scheitert schon daran, dass die Gültigkeitsdauer von 48 Stunden oft schon abgelaufen ist, bevor das Testergebnis überhaupt vorliegt. Gleich die nächste Frage lautet dann: Wer bezahlt eigentlich diesen Test, der durchaus jenseits der 100 Euro liegen kann? Und zwar täglich. Die Gesamtsituation dieser ungeklärten Fragen – nicht 2G grundsätzlich – bringt den Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke (SPD) auf die Palme.

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Das ganze Interview mit dem Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke hier zum Anhören

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 18.11.2021 15:10Uhr 08:57 min

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Da hat das Land wieder etwas gemacht, was überhaupt nicht durchführbar ist. Es gibt da im Sozialministerium viel zu wenig Einbindung der Praxis. Ich mag auch diese belehrende Art nicht mehr, dass dort das Fachwissen besteht. Wir im Landkreis Nordhausen haben schon immer unter Beweis gestellt, wir kriegen das besser hin.

Matthias Jendricke, Landrat Landkreis Nordhausen

Hinzu kommt, dass plötzlich bislang unbemerkte Formulierungen oder Definitionen eine ungeahnte Bedeutung bekommen. Sonneberg, Nordhausen und der Ilm-Kreis fügten ihren Verordnungen verbotenerweise einen winzigen Punkt aus der Thüringer Maßnahmenverordnung hinzu und erlaubten damit Antigenschnelltest durch einen "infektionsschutzrechtlich befugten Dritten". Doch so richtig konnte auf Anhieb niemand sagen, wer dieser ominöse Dritte denn sein könnte. Einigkeit herrschte darin, dass das die Testzentren sind, das es teilnehmende Apotheken sind und die ganz sicher nicht unterbeschäftigten Arztpraxen. Sonneberg listet eine Übersicht dieser Stellen auf, der Ilm-Kreis hält eine Karte bereit und der Landkreis Nordhausen bietet sogar ein Online-Buchungssystem für Termine an.

Wer darf Tests durchführen?

Nur die tägliche Testfahrt bleibt den Ungeimpften damit nicht erspart. Oder doch? Könnte vielleicht ein wie auch immer Befugter einer jeden Firma einen "infektionsschutzrechtlich befugten Dritten" bestimmen, der die Tests nach Einweisung fachgerecht durchführt? Das würde die Lage in den betroffenen Betrieben deutlich entspannen und war auch wesentlicher Bestandteil der Forderungen des Thüringer Hotel und Gaststättenverbandes und anderer Unternehmerverbände.

Nach dem Gleichheitsgrundsatz kann ich nicht sagen, in der Schule erkennen wir dieses Verfahren an, wo das die Lehrer hat als eingewiesene Personen machen, und in anderen Bereichen erkennen wir das nicht an.

Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer DEHOGA Thüringen
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 18.11.2021 16:17Uhr 05:13 min

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Mit dieser Deutung ist er aber noch relativ alleine. Selbst Landrat Matthias Jendricke aus Nordhausen glaubt, dass seine Verordnung dahingehend zu verstehen ist, dass die Betroffenen täglich zu einem Testzentrum o.ä. fahren müssen. Dass wir aktuell immer noch in dieser misslichen Pandemielage sind, weil wir zu viele Ungeimpfte haben, das soll – auch wenn allseits bekannt – nicht unerwähnt bleiben. Geimpfte sind weit weniger ansteckend und laufen sehr selten Gefahr, im Krankenhaus zu landen. Dort wäre die Lage jetzt wesentlich entspannter und in der Gesellschaft vielleicht auch. Trotzdem müssen wir unterscheiden zwischen jenen, die mit wissenschaftlich nicht haltbarem Unsinn agitieren und jenen, die deshalb einfach nur verunsichert sind oder zögerlich. Letztere brauchen ein vernünftiges Angebot, einfach nur ihren Job machen zu können.

Und damit zum Sport

Laut Verordnung gilt 2G auch im Vereinssport. Ausnahme: Kinder- und Jugendsport. Nun ist der Nachwuchs selten alleine am Start. Es gibt Trainer, Eltern, Schiedsrichter und auch die Frage, an welcher Stelle ist eigentlich die Jugend vorbei? Die Grenze zum Erwachsensein läuft nämlich direkt durch die höchsten Jugendaltersklassen, im Fußball wären das die berühmten A-Junioren. Diese sind hälftig über 18 Jahre alt und damit eigentlich nicht mehr teilnahmeberechtigt. Oder gilt hier eine Ausnahme? Und wenn ja, wo steht die? Offenbar hatte auch der Thüringer Fußballverband mehr Fragen als Antworten und zog den Stecker für das kommende Wochenende. Spielabsage auf Landesebene für Männer und Frauen, Empfehlung an die Kreise, es ebenso zu handhaben und auch für die Jugend.

Von der Absetzung ist aufgrund der unklaren Sachlage über die Durchführbarkeit der Spiele unter Berücksichtigung der Einhaltung der 2G-Regeln aller an den Spielen beteiligten Erwachsenen (z.B. Trainer) für dieses Wochenende auch der Nachwuchsbereich auf Landesebene betroffen.

Mitteilung des Thüringer Fußballverbandes an seine Mitglieder

Wie es danach weitergeht – unklar. Es ist bereits eine vorzeitige Winterpause im Gespräch.

Ein Fußballtor mit Tornetz
Erst mal Auszeit auf Thüringens Fußballplätzen empfohlen Bildrechte: imago images/Noah Wedel

Wie geht es weiter in Thüringen?

Die aktuelle Verfügung der Landkreise gilt nur bis Mittwoch. Da ist überraschenderweise ein Wochenende dazwischen, oder zum Glück, wie betroffene Unternehmen sagen – Gaststätten ausgenommen. Am Mittwoch erwarten wir dann die auf Bundestags- und Bundesratsbeschlüssen fußende Landesverordnung, die aus rechtlichen Gründen in dieser Woche noch nicht hätte verabschiedet werden können. Diese sollte sich textlich nicht wesentlich von dem unterscheiden, was aktuell in den vom Land vorgegebenen Kreisverfügungen steht. Das eigenartige Vorgehen hat etwas mit dem zeitgleichen Auslaufen der vieldiskutierten epidemischen Lage zu tun. Allerdings täte der Freistaat gut daran, die Tests durch Bevollmächtigte in den Betrieben zuzulassen, so wie es in den Schulen – wie bereits erwähnt – auch erlaubt ist. Das würde vielen Betroffenen viele Kilometer ersparen. Es wäre also sogar noch gut fürs Klima. Fürs Weltklima und für das in den Betrieben und in Thüringen ebenso.

Quelle: MDR THÜRINGEN (csr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. November 2021 | 15:10 Uhr

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