Der Redakteur | 23.06.2022 Zeit sparen am Flughafen - so geht's

Deutschlands Flughafenpersonal ist überlastet. Jetzt müssen alle mithelfen, um Wartezeiten zu verringern. Wie es funktionieren kann, lesen Sie hier.

Fluggäste stehen am Flughafen Berlin Brandenburg (BER)
Personalmangel trifft auf großen Andrang: Die Zustände an Deutschlands Flughäfen sind bisweilen chaotisch. Bildrechte: dpa

Wir können leider keine besseren Nachrichten verkünden. Es wird zu Spitzenzeiten in den Sommerferien an einigen Flughäfen zu längeren Wartezeiten kommen. Reisende werden ihre Flüge verpassen und es werden auch Flüge kurzfristig ausfallen, zum Beispiel, weil die Crew wegen Corona-Fällen nicht fliegen kann.

Personalmangel sorgt für lange Schlangen

Neben den Engpässen beim Flugpersonal fehlen auch die Mitarbeiter am Boden. Bei der Gepäckabfertigung und am Check-in genauso wie an den Sicherheitskontrollen. Das sind auch die Flaschenhälse, an denen sich lange Schlangen bilden werden.

Einfach neue Mitarbeiter einzustellen, ist in der Kürze der Zeit auch nicht möglich. Wegen Corona haben sich viele Mitarbeiter neue - vielleicht auch besser bezahlte - Jobs gesucht und Jobs, die weniger Stress versprechen. Auch wenn die 20 Euro pro Stunde plus Zuschläge schon eine recht akzeptable Größenordnung sind, so Silke Zöller vom Bundesverband.

Die Sicherheitskontrolle im Terminal 2 der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH am Hauptstadtflughafen BER
Während der Corona-Flaute haben sich viele Mitarbeiter neue Jobs gesucht. Bildrechte: dpa

Den Job kann nicht jeder machen

Und wir sind - zumindest bei den Kontrollen - im sicherheitsrelevanten Bereich unterwegs. Da kann man nicht einfach jemanden von der Straße holen. Erstens muss man für die Tätigkeiten als Luftsicherheitsassistent mindestens sehr ausführlich eingewiesen und eingearbeitet sein und dann auch noch gründlich durchgecheckt. Und diese Zuverlässigkeitsüberprüfungen sind ein weiterer Zeitfaktor.

Auch diese Stellen, die das durchführen, haben Personalprobleme, sodass diese Überprüfungen eine ganze Weile dauern.

Silke Zöller Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen

Auch hier gilt: Den Job kann auch nicht jeder machen. In der Folge sind auch schon einige Bewerber abgesprungen, die sich eigentlich schon gemeldet hatten. Nicht jeder hat die sechs bis acht Wochen Geduld, die ein solcher Check aktuell dauert. Die Frage ist, inwiefern die Flughäfen für ihre Abläufe noch Optimierungsmöglichkeiten finden, wenn nicht, müssen wir Passagiere selbst für Tempo sorgen.

Sicherheitscheck am Flughafen 23 min
Bildrechte: imago/STAR-MEDIA
23 min

Deutschlands Flughafenpersonal ist überlastet. Jetzt müssen alle mithelfen, um Wartezeiten zu verringern. Silke Zöller vom Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen gibt Tipps wie es funktionieren kann.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 23.06.2022 15:00Uhr 22:42 min

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Passagiere müssen selbst für Tempo sorgen

Grundsätzlich gilt: Es ist nicht egal, ob ich zwei Minuten brauche bei der Sicherheitskontrolle oder drei. Wären alle Passagiere perfekt vorbereitet, könnten die meisten Staus vermieden werden.

Los geht's schon zu Hause. Es lohnt sich durchaus, schon vorab zu schauen, was der jeweilige Flughafen auf seiner Website für Hinweise bereithält. Es ist nämlich von den verwendeten Geräten abhängig, was ich alles ablegen muss: Jacke, Gürtel, Schuhe - um einige Beispiele zu nennen.

Ein Flugzeug ist im Landeanflug auf den Flughafen Dresden
Jeder Flughafen stellt andere Anforderungen bim Check-in. Bildrechte: dpa

Online- oder Vorabend-Check-in

Aber es geht schon mit dem Check-in los. Wenn es möglich ist: Der Online-Check-in ist beinahe schon Pflicht, Bordkarte ausdrucken und die erste Schlange wäre schon mal übersprungen. Wenn das nicht geht - das ist ja auch reisezielabhängig - es gibt oft die Möglichkeit des Vorabend-Check-ins, einschließlich der Gepäckaufgabe.

Langstreckenpassagiere reisen häufig ohnehin bereits am Tag zuvor an und übernachten im Hotel. Den Abend ruhig mal zu einem Spaziergang nutzen, gerade bei großen Flughäfen könnte das ohnehin bei der Orientierung helfen, und wer bei der Gelegenheit gleich noch das Aufgabegepäck loswird - großer Pluspunkt.

Handgepäck reduzieren

Auch muss nicht jedes Familienmitglied die maximale Zahl an erlaubten Handgepäckstücken ausreizen. Je weniger gescannt werden muss, umso schneller geht's für alle. Also hier bitte reduzieren, was geht, so die Sicherheitsunternehmen.

Und dann ist da noch die Geschichte mit den richtigen Zeitpunkten. Natürlich sollte man deutlich früher am Flughafen sein als kurz vor knapp. Aber bitte mit Augenmaß: Wer um 18 Uhr fliegt, der muss nicht zur Stoßzeit am Mittag zum Check-in und Sicherheitskontrollen beglücken wollen.

Durchsichtiger Plastikbeutel für kleine Mengen an Flüssigkeiten und Gels, Pasten, Cremes
Flüssigkeiten nicht erst lange im Rucksack suchen, sondern gleich abpacken und bereit halten. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Die Stoßzeiten der jeweiligen Flughäfen für die einzelnen Wochentage lassen sich bei Google Maps ganz gut ablesen. Und dann ist da noch das fehlende Timing vieler Passagiere in den Warteschlangen.

Die Leute haben ein bisschen vergessen, wie man fliegt!

Silke Zöller Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen

"Boarding-Time" nicht mit "Gate-Closing" verwechseln

Erster Hinweis: Es ist abhängig von der Airline und dem Flughafen, was auf der Bordkarte für eine Uhrzeit steht. Manchmal steht dort "Boarding-Time", also: die Zeit, zur der das Einsteigen beginnt. Manchmal ist dort aber auch die Zeit aufgedruckt, zu der das Gate schließt. Das ist ein himmelweiter Unterschied und schon so manchem auch erfahrenem Fluggast zum Verhängnis geworden.

Ist das sicher und das Aufgabegepäck in den Katakomben verschwunden, wäre die Sicherheitskontrolle die nächste Hürde. Und es ist wirklich erstaunlich, was man hier alles routinemäßig falsch macht und wie sich dadurch die Wartezeiten zu Stunden addieren können. Es ist schon rechnerisch nicht egal, ob 50 Passagiere für das Durchlaufen jeweils zwei Minuten benötigen oder drei.

Häufige Fehler beim Sicherheitscheck

Erster Fehler beim Sicherheitscheck: Zu glauben, es ist wie immer. Es hat sich hier an den Flughäfen einiges getan. Und was zu tun ist, das ist wie eingangs erwähnt abhängig von der installierten Technik. Deswegen ist es klug, die Wartezeit zu nutzen und die Piktogramme und Hinweise zu studieren.

Jacke aus? Schuhe aus? Gürtel raus? Es gibt Scanner, die können besser gucken als andere. Die neueste Generation kann zum Beispiel die Schichten in den Taschen besser trennen und dann muss der Laptop nicht mehr ausgepackt werden. Es würde den Prozess natürlich ungemein beschleunigen, wenn das alle vorher wüssten.

Flughafen in italienischer Hauptstadt Rom
Manche Scanner können schon mehr als andere - deshalb sollten sich Reisende vorhher online informieren. Bildrechte: imago images/Xinhua

Auf der anderen Seite stehen die Leute eine Stunde lang genervt in der Schlange, fangen aber erst am Band an, die Jacke auszuziehen und die Fläschchen in die Tüte zu packen oder eben die Technik aus übervollen Taschen zu holen. Würde das schon vorher geschehen, dann wäre die besagte Minute schon mal reingeholt. Zeitgewinn bei 30 Passagieren: eine halbe Stunde.

Warum werde immer ich jedes Mal angegrapscht?

Normalerweise geht man durch den Scanner oder stellt sich kurz hin wie Ronaldo vor einem Freistoß. Wird man anschließend noch extra abgetastet oder per Hand gescannt, könnte das am Bekleidungsstil liegen.

Drei Schichten übereinander, T-Shirt, Hemd, Pullover und Jackett? Legere und deshalb faltenreiche Kleidung? Dreimal umgeschlagene Ärmel? Herzlichen Glückwunsch zur Gratismassage.

Dann sind Sie irgendwann an einem Punkt, an dem das Gerät sagt: Hier kann ich keine Entscheidung mehr treffen, bitte gucken! Und dann gehen Sie zur Nachkontrolle.

Silke Zöller Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen

Und jede Nachkontrolle verzögert, und das summiert sich. Und noch etwas: Stiefeletten haben oft Metallstifte, Ketten, Ringe oder Uhren schon vorher im Handgepäck zu verstauen, bringt auch wieder ein paar Sekunden, und auch für das Ausziehen der Jacke ist in der Warteschlange genügend Zeit.

Auch gibt es an vielen Flughäfen unmittelbar vor dem Beginn der Sicherheitskontrollen Tische, die man zum Ein-, Aus- und Umpacken nutzen kann, das muss nicht erst unmittelbar am Band geschehen.

Keine sinnlosen Diskussionen mit Sicherheitspersonal

Und: Diskussionen mit dem Personal über die Füllstände der Cremetuben und Sonnenmilchflaschen sind sinnlos. Die haben aus guten (Sicherheits-)Gründen Mengenbegrenzungen, wobei es auch hier eine Entwicklung gibt.

Die modernen Scanner "sehen", was in der Flasche ist, bzw. ob davon eine Gefahr ausgehen kann. Es könnte also sein, dass wir in absehbarer Zeit nicht mehr zu Trinkern werden an der Sicherheitskontrolle, weil wir dann unsere Flaschen wieder wie früher ganz normal mit an Bord nehmen dürfen.

Quelle: MDR THÜRINGEN (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 23. Juni 2022 | 15:00 Uhr

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