Der Redakteur | 10.12.2021 Was bedeutet die Hanf-Legalisierung der Ampelkoalition und wie gefährlich ist sie?

Die Ampelkoalition will Cannabis legalisieren, so steht's im Koalitionsvertrag. Entkriminalisiert, lizensiert, sauber und begleitet durch viel Aufklärung. Was bedeutet das medizinisch für Menschen, die bisher kein Rezept bekommen haben und ist Hanf wirklich nur ein harmloses Heilkraut?

Cannabis
Cannabis zu rauchen ist aus Sicht der Mediziner nicht die optimale Darreichungsform. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox

Kommt’s nun doch in die Tüte?

Die Legalisierung von Cannabis steht im Koalitionsvertrag der Ampelkoalition. "Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein", schreiben SPD, Grüne und FDP und wollen somit die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindern und auch noch den Jugendschutz gewährleisten. So ganz nebenbei würden auch noch der organisierten Kriminalität der Boden entzogen und das Kapital.

Das könnte bei der Hippie-Generation die Frage aufwerfen, was die in Berlin wohl geraucht haben, aber für die langjährlichen Befürworter der Legalisierung ist dies ein überfälliger und auch kluger Schritt. Denn diese Droge ist nicht schädlicher als alle anderen, die wir als guten Rotwein oder gepflegte Zigarre wie selbstverständlich  konsumieren.

Hanfverband sieht keine medizinischen Gefahren

Der Hanfverband bezieht sich hier auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und kann keinen medizinischen oder gefährlichen Grund erkennen, warum Cannabis härter verfolgt werden sollte als Alkohol.

Ganz im Gegenteil, wie haben hunderttausend Tote wegen Alkohol und Tabak-Konsum, aber null Tote wegen Cannabis-Konsum.

Georg Wurth Sprecher Deutscher Hanfverband

Das Überraschende an der Diskussion ist eigentlich, dass sich die Befürworter der Legalisierung unter den Schutz des Staates wollen, sie wollen Regulierung des Marktes und gerne auch Steuern zahlen. Das hat man selten.

Schwarzmarkt bisher sich selbst überlassen gewesen

Bislang sei es doch so gewesen, dass der Schwarzmarkt mit allen Auswüchsen sich selbst überlassen wurde, die Konflikte – Stichwort Revieraufteilung – werden auch mit der Waffe gelöst, nur ab und zu wird einmal ein kleiner Dealer verhaftet, dessen Job dann eben ein anderer übernimmt. Und das, was den Leuten verkauft wurde, hatte in vielen Fällen kein Qualitätssiegel verdient. Das könnte nun anders werden.

Regeln einführen, durchsetzen, kein Verkauf an Jugendliche, vernünftige Qualitätskontrollen, Steuern zahlen!

Georg Wurth Sprecher Deutscher Hanfverband

Die geplanten Aufklärungskampagnen – die übrigens auch Alkohol und das Rauchen beinhalten sollen, haben die volle Unterstützung des Hanfverbandes. Dieser sieht auch eine Chance für die Bauern in den armen Anbauländern und hat keine Bedenken, dass der Schwarzmarkt mit billigen Preise dem legalen Markt den Rang ablaufen könnte.

Ein Joint auf getrockneten Cannabisblüten. 20 min
Bildrechte: imago/Panthermedia

Aufklärung statt Verboten?

Voraussetzung: Man wiederholt nicht die Fehler, die beim Tabak gemacht werden. Hier gibt es einen Schwarzmarkt zum Steuern sparen, beim Alkohol eher nicht. Niemand käme – Grüße nach Russland – auf die Idee, sich selbst den Schnaps zu brennen, um ein paar Euro zu sparen, im Vergleich zur Flasche aus dem Supermarkt. Mit Verboten erreicht man gar nichts, so die Argumentation, nur durch Aufklärung.

Rauchen von Hanf aus medizinischer Sicht nicht optimal

Das würde auch der Neurologe Prof. Ralf Gold unterschreiben, Vorsitzender des Ärztlichen Beirats der Deutschen MS-Gesellschaft. Er behandelt schon seit Jahren Menschen mit Wirkstoffen der Hanfpflanze. Allerdings sieht er – wie übrigens auch der Hanfverband – die Tüte nicht als die optimale Darreichungsform. Als Tee, Aufguss, Keks, Inhalation – das ist alles besser als das Rauchen.

Eine rau mit Mütze hält eine Tasse, in die eine Flüssigkeit geträufelt wird
Wohldosiert und medizinisch begleitet, kann eine medizinische Behandlung mit Cannabis-Produkten erfolgen. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Korrekte Dosis und Nebenwirkungen

Die medizinische Anwendung sollte ohnehin in wohldosierter Form erfolgen, denn jede Medizin, jede Droge, hat ihre Nebenwirkungen. Die sind bei Cannabis Schwindelgefühle oder Tagesmüdigkeit bis hin zu Wesensveränderungen durch Einflüsse auf das Gehirn, so Prof. Gold, weil man durchaus schon festgestellt hat, dass Synapsen verändert werden.

Eine Hand hält ein Cannabisblatt und die andere Tabletten. 23 min
Bildrechte: Colourbox.de

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zitiert auf ihrer Internetseite Zusammenfassungen von Studien amerikanischer Forscher, die keine Hirnschäden, gleichwohl aber beeinträchtigte Lern- und Gedächtnisleistungen in Zusammenhang mit dem Konsum von Hanf attestieren. Die Patienten sollten deshalb genau beobachtet werden und die Konsumenten sollten es nicht übertreiben. Das kennen wir aber auch schon von der legalen Droge Alkohol.

Es ist nicht nur so, dass es nur die spastischen Schmerzen nimmt und alles rosa ist. Es gibt auch beträchtliche Nebenwirkungen.

Prof. Ralf Gold, Ruhr-Universität Bochum Vorsitzender des Ärztlichen Beirats der Deutschen MS-Gesellschaft

Prof. Gold hält die Absprache mit dem Neurologen für unabdingbar, gerade für Patienten, deren Anträge auf eine Behandlung mit Cannabismedikamenten bisher stets abgelehnt wurden. Hinzu kommt auch, dass jetzt wohl auch mehr Ärzte die entsprechenden Medikamente verschreiben werden, sollten mit der Legalisierung auch die strengen Verschreibungs- und Dokumentationsvorschriften fallen.

Bislang strenge Verschreibungs- und Dokumentationsvorschriften für Hanfkonsumierende

Bislang durften die Rezepte noch nicht einmal mit der Post verschickt werden, sondern nur persönlich übergeben. Auch macht die fünfjährige Aufbewahrungspflicht für die Rezepte in der Apotheke und in der Praxis wegen der Nachverfolgung möglichen Missbrauchs irgendwie keinen Sinn mehr, wenn im Cannabis-Shop nebenan die Haschkekse über den Ladentisch gehen.

Was das alles aus unserer Gesellschaft macht, das will die Regierung aber sehr genau beobachten und ggf. dann auch nachsteuern. Prof. Gold ist dafür, der Hanfverband auch und der Deutsche Fußballverband hoffentlich ebenso. Denn: Holland war 2018 bei der WM nicht qualifiziert und die Quali für 2022 war auch etwas mühsam. Das sollte uns Warnung genug sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. Dezember 2021 | 16:42 Uhr

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