Der Redakteur | 13.10.2021 Wie wird Laub und Grünschnitt aus öffentlichen Parks und Straßen entsorgt?

Ein Hörer aus Greiz möchte wissen: Was passiert eigentlich in Thüringen mit Laub, das in dieser Jahreszeit eingesammelt wird? Kommt es in die Müllverbrennung? Wird daraus Strom und Biogas? Oder wird es kompostiert?

Stadtreinigungsmitarbeiter beseitigen heruntergefallenes Laub.
Im öffentlichen Raum fällt jetzt jede Menge Laub an. Was wird damit gemacht? Bildrechte: dpa

Wer es ganz genau wissen möchte, kann sich mit dem "Leitfaden zur hochwertigen Behandlung und Verwertung von Bio- und Grüngut im Freistaat Thüringen" beschäftigen. Die 205 Seiten bringen Sie auf den neuesten Stand bei der Frage "Wohin mit dem Bioabfall?". Wobei der Begriff "Abfall" gern vermieden wird.

Unterscheidung zwischen Haushalts- und Grünabfällen

Außerdem müssen wir unterscheiden zwischen Biogut und Grüngut. Biogut sind die getrennt erfassten Bioabfälle aus privaten Haushalten. Welche das sind, steht in der jeweiligen Abfallsatzung. In den Biotonnen landen gewöhnlich Essenreste, Eierschalen und eben auch das, was im Garten so anfällt. Nicht aber Windeln, selbst wenn Verpackung und Inhalt als biologisch abbaubar angepriesen werden.

Grüngut wird auch gern in "krautig" bzw. "saftend" (Gras, frische Pflanzenreste, Heckenschnitt) und "holzig" (Ast- und Strauchwerk) unterteilt. Letztlich sind es also Garten- und Parkabfälle, Friedhofsabfälle, Abfälle von Sportanlagen und Kinderspielplätzen, Landschaftspflegeabfälle, Straßenbegleitgrün und pflanzliche Abfälle aus der Gewässerunterhaltung.

Schubkarre mit Mischung aus Erde und Kompost
Im besten Fall entsteht wieder Erde aus den Bioabfällen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Entsorgung im Kreislaufsystem

Nun sind wir in einem Kreislaufsystem unterwegs, das heißt, die letztlich entstehende Erde soll auch wieder verwendet werden. Deshalb schreibt die Bioabfallverordnung vor, dass das Endprodukt behandelt und untersucht werden muss.

Bei der Behandlung wird das Material "hygienisiert", durch eine geordnete Kompostierung oder Vergärung, Fachleute sprechen von "thermophiler anaeroben Vergärung". Da müssen die richtigen Mikroorganismen unterwegs sein und auch sonst die richtigen Bedingungen geschaffen werden.

Nicht alle Konzepte funktionieren überall

Ganze Heerscharen von Wissenschaftlern haben sich in den vergangenen Jahren damit beschäftigt, wie mit den biologischen Resten umgegangen werden sollte. Und nicht jedes Konzept ist überall anwendbar. Es braucht auch eine gewisse Menge an Material, um zum Beispiel eine Biogasanlage zu betreiben. Und zwar im regionalen Umfeld, schließlich ist es ökologisch nicht vertretbar, ordentlich Diesel für das Heranschaffen zu verpulvern, um dann am Ende ein bisschen Biogas fürs Klimagewissen zu produzieren.

Man braucht dann schon mal 700.000 Einwohner und nicht nur 195.000, wenn man solche höherwertig technischen Lösungen angehen möchte.

Dietmar Lübke, Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen

Sprich: Die Investition in eine Biogasanlage muss sich rechnen, sonst bleiben die Gebührenzahler am Ende auf den Kosten sitzen.

Kompostieren oder Biotonne?

Auch hier gilt: Es kommt darauf an. Die Biotonne macht auf dem Dorf wenig Sinn. So stellt sich die Frage, was die Leute bei ihren Grundstückgrößen mit diesem niedlichen Becherchen anfangen sollen. Hinzu kommt, dass natürlich viele – gerade im ländlichen Raum – in dem Bio"abfall" wertvolle Rohstoffe sehen und von diesen auch selbst profitieren wollen. Sogenannte "Fehlwürfe" von Plastetüten, Windeln und anderen unschönen Dingen, kommen auf dem privaten Kompost einfach nicht vor. Entsprechend verlässlich ist die Qualität der Pflanzerde. Und sollte der Kompost in diesem Herbst so groß werden wie nie zuvor oder die Biotonne das ganze Jahr über zu klein gewesen sein, es könnte am Wetter gelegen haben.

Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
Auf dem Land kompostieren viele Leute selbst - und das ist auch sinnvoll. Bildrechte: imago/mm images/bildagentur-n

Wenn es in einem Jahr sehr viel regnet, haben wir sehr viel Bioabfall. In trockenen Jahren nimmt das wieder ab. Tendenz ist allerdings, dass es steigt.

Dietmar Lübke, Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen

Ein Plus von 40 Prozent waren es in den vergangenen 10 Jahren in Thüringen, also Biogut und Grüngut zusammengenommen. Und wir gehören auch noch zu den eifrigsten Sammlern im Bundesvergleich.

Diagramm zum Bioabfall in Thüringen
Die Menge an kompostierbaren Abfällen steigt in Thüringen. Bildrechte: MDR/Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 13. Oktober 2021 | 16:20 Uhr