Der Redakteur | 05.10.2021 Eine Platzfrage: Vornamen im Personalausweis und Pass

Gerhard Ihle aus Jena wollte wissen: Warum wird im Personalausweis oder Reisepass bei mehreren Vornamen der Rufname nicht hervorgehoben? Redakteur Thomas Becker hat Antworten gefunden.

Am 1. November 2010 wurde der neue Personalausweis eingefuehrt
Mit nur einem Vornamen ist das alles kein Problem - aber Frau Mustermann ist da eher eine Ausnahme. Bildrechte: imago images / photothek

Wolfgang Gerhard Ihle. So stand es früher im Ausweis von Herrn Ihle. Heute ist der Gerhard nicht mehr als Rufname unterstrichen und wird deshalb gerne mal ignoriert. Fertig ist der Wolfgang Ihle. Probleme mit solchen Wandlungen gibt es dann zum Beispiel mit den Reiseunterlagen am Flughafen, bei Impfzertifikaten, beim Eröffnen von Konten oder dem Abschluss von Handyverträgen. In all diesen Fällen sollte man peinlich darauf achten, dass die Vornamen genauso in den Unterlagen stehen, wie im Ausweis oder Pass.

Keine Chance für Regionales

Dass sich das Unterstreichen als regionale Kostbarkeit nicht durchgesetzt hat, ist schmerzlich aber verständlich. Spätestens bei den maschinenlesbaren Ausweisen, die alle den gleichen internationalen Standard haben, sind solche regionalen Eigenarten eh nicht hilfreich. Früher durfte man in Thüringen übrigens noch sämtlichen Geschwistern den gleichen Vornamen geben, zur Unterscheidung wurden dann gern Eigenschaften ergänzt, also bei zweimal Hans gab’s zum Beispiel den Klein-Hans und den Groß-Hans und der erste Wilhelm wurde Wilhelm gerufen und der zweite eben Willy.

Schlange aus Vornamen

Damit es gar nicht erst zu Verwechslungen kommt, steht in dem maschinenlesbaren Teil des Passes seit 2010 stets der Familienname am Anfang und dann – so lange der Platz reicht – werden die Vornamen der Reihe nach aufgeführt. Diese Vorgehensweise ist also eine reine Platzfrage und keine Verbeugung vor Ländern, in denen das üblich ist, den Nachnamen nach vorn zu stellen, wie in Ungarn und einigen Thüringer Regionen – Stichwort: "Wie geht’s denn dem Müller, Heinz?"

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 05.10.2021 18:20Uhr 07:37 min

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Nun ist offenbar das Problem mit den unterstrichenen Vornamen irgendwann auch beim Gesetzgeber gelandet und der hat 2018 den Betroffenen ein kleines Türchen geöffnet.

Diese Personen dürfen die Reihenfolge ihrer Vornamen ändern. Es darf aber nichts hinzugefügt oder weggelassen werden.

Annabel Brauer, Standesbeamtin Weimar

Das gilt übrigens auch heute noch, das heißt: Für 25 Euro (für den Eintrag ins Geburtenregister) darf der Gerhard den Wolfgang nach hinten stellen. Allerdings sind diese 25 Euro noch nicht der Gesamtpreis, weil in der Regel eine neue Geburtsurkunde fällig wird (für 10 Euro in Thüringen) und in der Folge ein neuer Pass und ein neuer Ausweis. Hier kommen also die üblichen Gebühren noch hinzu. Man sollte also vielleicht einen günstigen Zeitpunkt wählen, also wenn der alte Pass ohnehin abgelaufen ist.

Das ist auch keine unwiderrufliche Erklärung. Also wenn die Person später auf die Idee kommen sollte, dass die von den Eltern bei der Geburt festgelegte Reihenfolge doch besser war, dann hat sie sogar die Möglichkeit, das wieder rückgängig zu machen.

Annabel Brauer, Standesbeamtin Weimar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. Oktober 2021 | 16:40 Uhr

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