"Meine Schlagerwelt"-Interview Matthias Reim: "Ich spiele Musik, solange ich stehen kann. Ich höre nie auf."

Matthias Reim ist 64 Jahre alt und hat mit "Matthias" sein mittlerweile 21. Album veröffentlicht. Wir haben mit ihm über neue Musik, verwöhnte Kinder und die Schlager-Rente gesprochen.

Matthias Reim an einer Tankstelle.
Denkt gar nicht an's Aufhören: Matthias Reim. Bildrechte: Mischa Lorenz

Meine Schlagerwelt: Dein neues Album „Matthias“ ist auf Platz 2 der deutschen Albumcharts bzw. Platz 1 in den Schlagercharts eingestiegen. Was sagst du dazu?

Matthias Reim: Ich freu mich. Wir Künstler tun ja immer so, als ob wir cool sind, aber natürlich sind wir aufgeregt und möchten gut platziert werden. Das ist ja das Echo für uns. Kommt das, wofür ich gearbeitet habe, bei den Fans an? Also ich freue mich und bin ein kleines bisschen stolz darauf.

Das kannst du auch sein: „Matthias“ ist schon dein 21. Album. Wo nimmst du auch nach so viel Output die Motivation für neue Musik her?

Wenn man Spaß an etwas hat, dann ist man immer motiviert. Ich habe zwei Dinge, die ich liebe: Das eine ist, im Studio zu sitzen und Songs zu schreiben. Und die sind, meiner Meinung nach, um Klassen besser geworden, weil ich theoretisch sechs Wochen Zeit für einen Song hatte. Und das andere ist: Ich freue mich ungeheuer auf die Zeit, wieder auf der Bühne zu stehen.

"Ich habe nach jedem Strohhalm gegriffen."

Wir alle waren in den letzten zwei Jahren viel zu Hause. Wo nimmst du in dieser Zeit die Inspiration her, wo doch relativ wenig passiert?

Matthias Reim, Cover
Das Cover zum Album "Matthias". Bildrechte: Sony Music

Das frage ich mich manchmal auch. Das kam ja nicht ununterbrochen. Man lässt sich auch darauf ein. Ich habe ein Studio gebaut, viel rumprobiert. Und schon beim Ausprobieren nimmst du die Gitarre in die Hand und plötzlich fallen dir Sachen ein. Ich musste nicht zum Flugzeug, nicht im Auto sitzen, ich musste gar nichts und dann sitzt du zuhause und denkst, ach die Idee war ganz witzig. Ich habe also auch nach jedem Strohhalm gegriffen. Ich habe mit einem Freund telefoniert, der hat gefragt: ‚Gehen wir heute ins Studio?‘ Da habe ich gesagt: ‚Nee, heute mach ich gar nichts.‘ Und dann habe ich gedacht: ‚Heute mache ich gar nichts‘, super Songzeile. Da wurde dann ein super Song draus. Manchmal kommt die Inspiration einfach aus dem Moment.

Du hast aber auch so ein bisschen in deiner Vergangenheit gewühlt. Da gibt es zum Beispiel den Song „Blaulicht“, bei dem es darum geht, dass du sehr schnell auf der Autobahn unterwegs warst. Was bist du denn heute für ein Autofahrer?

Ich bin relaxed. Also ich hab‘s früher wirklich geschafft, von Köln nach Hamburg in zweieinhalb Stunden, aber das mache ich nicht mehr. Ich stelle meinen Tempomat ein, wenn es frei ist, auf 160, 170. Dann fährt das Auto ja wie von alleine und ich komme entspannt an. Ich muss auch entspannt sein, weil, wenn es dann noch auf die Bühne geht… Dann lieber ganz entspannt und wirklich auch mit Kaffeepäuschen. Ich bin 64, da fährt man etwas gechillter Auto.

Ein anderer Song ist besonders auffällig: „Kindertraum“. Du hast dir mit sieben Jahren eine Ritterrüstung von deiner Oma gewünscht, die sie sich aber nicht leisten konnte. Dein Opa hat dir stattdessen eine Rüstung selbst gebastelt…

Eigentlich habe ich das für mich geschrieben, weil mir diese Geschichte einfiel und ich dachte, das ist ein wunderschönes Bild über Werte und Liebe. Ich die Rüstung bestimmt zehn Jahre in meinem Zimmer hängen gehabt und ich habe diese Story nie vergessen, weil es so liebevoll war und so einfach.

"Ich habe auch diesen unfassbaren Optimismus."

Wie ist das bei deinen Kindern, kannst du ihnen Wünsche abschlagen?

Also erzieherisch bin ich nicht so das Ideal. Meine Kinder können mich um den Finger wickeln. Ich verwöhne sie, weil es mir finanziell auch recht gut geht. Also wenn etwas ist, dann kann ich auch nicht nein sagen. Ich denke mir: Solange ich da bin, warum denn nicht? Und ich freue mich dann auch darüber, dass ich diese Wünsche erfüllen kann. Es gab ja auch andere Zeiten, wo ich keinen Wunsch erfüllen konnte.

Hat dich deine Geschichte mit den Höhen und Tiefen auch demütig werden lassen?

Matthias Reim und Christin Stark
Könnten aktuell nicht glücklicher sein: Christin Stark und Matthias Reim. Bildrechte: dpa

Demütig war ich immer. Wenn man so alt ist wie ich, da hat man nicht immer nur Triumphzüge. Da gehört es auch dazu, mal einen auf die Nuss zu bekommen. Bei mir war es so: Ich habe zu allen Zeiten Spaß gehabt, auch in den Zeiten, in denen ich pleite war. Ich habe gelebt, ich habe Musik gemacht. Und ich habe auch diesen unfassbaren Optimismus: Ich weiß, es geht immer weiter. Wenn man unten ist, dann ist da ein Türchen, durch das man durchkriechen kann.

Du bist im November 64 geworden. Menschen in deinem Alter sehnen sich nach der Rente. Wie geht es dir, wenn du das Wort Rente hörst?

Also Rente ist ja das Ende der Arbeitszeit. Ich habe nie gearbeitet. Ich habe meine Liebe gelebt. Wenn ich auf die Bühne gehe, sage ich: ‚Wir spielen heute ein Konzert‘ und nicht ‚wir arbeiten heute ein Konzert ab.‘ Man spielt Musik und das tust du immer voll Herz und mit Freude. Und das mache ich, solange ich stehen kann. Ich höre nie auf. Solange, bis der liebe Gott sagt: ‚Ich brauche dich hier an meiner Seite, spiel mir mal ein paar neue Songs vor.‘

Dieses Thema im Programm: MDR SCHLAGERWELT Sachsen-Anhalt | 24. Januar 2022 | 15:00 Uhr

Saenger Matthias Reim GER mit Freundin Christin Stark
Bildrechte: imago images/Christian Schroedter
Christin Stark auf der Bühne.
Bildrechte: imago images/Joachim Sielski