Hörer machen Programm Wie bekommen Nicht-Krankenversicherte eine Corona-Impfung?

Wer sich impfen lassen will, muss seine Krankenversicherungskarte mitbringen und vorzeigen. Beim Hausarzt, im Impfzentrum oder an anderer Stelle wird zunächst immer die Chipkarte eingelesen. Erst dann ist normalerweise der Weg frei für den Piks. Unser Hörer Andreas Krause möchte wissen, wie das bei Menschen gehandhabt wird, die nicht krankenversichert sind bzw. keine Krankenkarte haben.

Hinter einer Impfspritze ist symbolisch das Coronavirus dargestellt.
Auch Obdachlose, die oft am Rande der Gesellschaft leben, können sich unkompliziert gegen das Coronavirus impfen lassen. Bildrechte: dpa

Einer der ersten, die sich in Deutschland um die Impfung von Obdachlosen kümmerten, war Gunter Jentzsch. Er leitet ein AWO-Wohnungslosenheim für Senioren in Dresden. Jentzsch erinnert sich, dass er nur wenige Tage nach dem offiziellen Impfstart eine Aktion für 18 Heimbewohner organisiert hat: "Ich habe also bereits im Januar, am 4. oder 5., die Rückmeldung bekommen, wo die Impfung geplant wird. Und dass dann ein Arzt bzw. Helfer sich hier in der Einrichtung melden werde."

Obdachlose seien oftmals mit dem Papierkram überfordert, sagt Jentzsch. Hinzu komme, dass nur wenige ihre Versichertenkarte dabei hätten. "Den Aufwand mussten wir betreiben. Die Unterlagen mussten wir zusammenstellen, damit die Impfung durchgeführt werden konnte", erzählt er.

Mehr als 60.000 Menschen nicht krankenversichert

Gunter Jentzsch konnte schließlich alle Karten auftreiben. Doch es gibt Obdachlose, die sind nicht versichert. Genau wie Geflüchtete oder Geringverdiener, die Ausgaben einsparen wollen. Laut Statistischem Bundesamt hatten 2019 rund 61.000 Menschen in Deutschland keine Krankenversicherung, obwohl das eigentlich Pflicht ist. Können die sich trotzdem impfen lassen? Ja, sagt Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping: "Es ist so, dass alle Personen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in der Bundesrepublik Deutschland haben nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes, so nennt sich das, einen Anspruch auf eine Impfung haben. Das heißt, die Krankenversicherung ist damit nicht Voraussetzung, sondern eben, dass ich hier wohne."

Was steht in der Impfverordnung?

Tatsächlich steht in der Bundesimpfverordnung in Paragraf 1: Anspruch auf eine Impfung gegen das Coronavirus haben alle, die in der Bundesrepublik ihren Wohnsitz oder Aufenthaltsort haben. Laut Paragraf 3 gilt dieser Anspruch auch für Asylbewerber. Und das ist kostenlos. Den Impfstoff zahlt der Bund. Die Krankenkassen haben mit der Impfung also nichts zu tun. 

Das heißt: Auch Unversicherte könnten sich jederzeit kostenlos impfen lassen – in Impfzentren, bei mobilen Impfteams, bei der Allgemeinärztin. Das bestätigt der Hausärzteverband MDR AKTUELL. Demnach genügt es, irgendein Ausweisdokument vorzuzeigen, um die Daten der Geimpften erfassen zu können. Das kann die Krankenversicherungskarte sein, muss aber nicht.

Unversicherte für Behörden oft schwer zu erreichen

Dennoch blieben für manche Impfwillige die Hürden hoch, findet Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe: "Ich kann nicht erwarten, dass jemand, der mittellos ist, in ein nicht zentral gelegenes Impfzentrum kommt. Wie erfahren die Menschen überhaupt davon, wann und wo geimpft wird? Wie informiere ich sie rechtzeitig, dass sie beispielsweise nicht krankenversichert sein müssen. Das waren die Fragen die uns in den letzten Monaten nach wie vor beschäftigt haben. Wir denken, dass es sehr wichtig ist, diese Menschen frühzeitig zu informieren."

Für Gunter Jentzsch, den Wohnungslosenheimleiter in Dresden, heißt das: Er hätte die Versichertenkarten seiner Heimbewohner gar nicht zusammentragen müssen, die Personalausweise zum Beispiel hätten ausgereicht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2021 | 06:23 Uhr

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