Umfrage zur Impfbereitschaft Warum die Corona-Impfquote in der Bevölkerung vermutlich höher ist als bislang angenommen

Manuel Mohr
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Laut offiziellen Daten schwächelt der Impffortschritt zum Schutz vor Corona-Infektionen in Deutschland seit Monaten. Eine neue RKI-Umfrage kommt jetzt zu dem Schluss, dass bereits deutlich mehr Menschen geimpft sind als bislang angenommen. Welche Gründe es für die Unterschiede gibt, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Eine Einkaufspassage, in der vielen Menschen laufen. Viele von ihnen tragen einen Mund-Nasen-Schutz.
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Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In den vergangenen Tagen hat sich die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland weiterhin unterschiedlich entwickelt. Während der bundesweite Durchschnitt insgesamt stagniert, ist die Entwicklung in den Bundesländern recht verschieden. Während Sachsen-Anhalt beispielsweise aktuell ebenfalls stagnierende Werte verzeichnet, steigt das Infektionsgeschehen in Sachsen und Thüringen weiter an:

Aktuell ist außerdem zu beobachten, dass die Inzidenzen in den oberen Altersgruppen steigen, in den unteren Altersklassen allerdings leicht sinken und sich das Geschehen deshalb insgesamt ausgleicht. Für die Auslastung der Intensivstationen kann diese Entwicklung allerdings ein leichter Anstieg bedeuten, da die ältere Bevölkerung anfälliger für schwere Krankheitsverläufe ist.

Die Hospitalisierungsrate – auch bekannt als Hospitalisierungsinzidenz – liegt in Thüringen aktuell deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt. Allerdings gilt hier weiterhin zu beachten, dass die Angaben der vergangenen zwei Wochen vorläufigen Charakter haben und sich durch Nachmeldungen noch substanziell erhöhen können:

Neben der Inzidenz sind auch bei der Hospitalisierungsrate deutliche Unterschiede hinsichtlich der Impfstatus sichtbar. In Sachsen-Anhalt werden beide Kennzahlen differenziert nach geimpfter und ungeimpfter Bevölkerung ausgewiesen. Für Freitag sehen die Werte wie folgt aus:

  • 7-Tage-Inzidenz geimpfte Bevölkerung: 16,1
  • 7-Tage-Inzidenz ungeimpfte Bevölkerung: 100,6
  • Hospitalisierungsrate geimpfte Bevölkerung: 1,4
  • Hospitalisierungsrate ungeimpfte Bevölkerung: 3,2

Corona-Impfquote vermutlich höher als angenommen

Dass die Höhe der Impfquote entscheidend für den weiteren Pandemie-Verlauf in den kommenden Monaten ist, war bereits Thema im Corona-Daten-Update der vergangenen Woche. Neue Umfrageergebnisse des Robert Koch-Instituts (RKI) haben am vergangenen Mittwoch nun für Irritation und Aufsehen gesorgt. Hintergrund: Seit Januar 2021 befragt das RKI deutschlandweit etwa einmal pro Monat rund 1.000 Personen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 18 Jahren zu ihrer COVID-19-Impfbereitschaft und -akzeptanz. Die Befragung trägt den Namen COVIMO.

Informationen zur COVIMO-Befragung

Mit der sogenannten COVIMO-Befragung will das RKI die Bevölkerung Deutschlands regelmäßig zu Themen rund um die COVID-19-Impfung befragen. Ziel ist es, die Impfbereitschaft und -akzep­tanz verschiedener Bevölkerungsgruppen in Deutschland zu erfassen, zeitnah mögliche Barrieren der Impfinanspruchnahme zu erkennen und entsprechende Kommunikationsmaß­nahmen ableiten zu können.

Neben Daten zu persönlichen Merkmalen wie Alter, Geschlecht oder Berufsgruppe werden außerdem Daten der folgenden Kategorien erhoben:

  • Impfstatus und Impfbereitschaft
  • Impfakzeptanz bzw. Impfeinstellung
  • Gründe für bzw. gegen eine Impfung
  • Wissen zur COVID-19-Impfung
  • Informationsbedarf

Die jüngste COVIMO-Erhebung fand von Ende Juli bis Mitte August statt. Von den rund 1.000 befragten Erwachsenen gaben 87,5 Prozent an, mindestens einmal geimpft zu sein und 80,9 Prozent, dass sie bereits vollständig gegen COVID-19 geimpft. Zum Vergleich: Die zum Stichtag 18. August, dem letzten Tage der Befragung, vorliegenden Impfquoten laut Datenbank des RKI ("Digitales Impfquoten-Monitoring") liegen deutlich darunter:

Mögliche Gründe für deutliche Unterschiede

Für die Diskrepanz der Impfquoten gibt es nach Angaben des RKI verschiedene Erklärungsansätze:

1. Es wird davon ausgegangen, dass Impfbefürwortende häufiger die Befragung abschließen als weniger impfbereite Menschen. Die Folge: Diese Personen wären in der Bevölkerungsstichprobe der Befragung unterrepräsentiert und die Impfquote würde demnach überschätzt werden. Wie stark dieser sogenannte "Selektionsbias" in der Befragung ist, kann das RKI nicht beziffern.

2. Bislang findet die Befragung nur auf Deutsch statt. Die durch COVIMO ermittelte Impfquote spiegelt daher den Anteil geimpfter Personen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 18 Jahre wider, nicht die Impfquote der Gesamtbevölkerung. Das RKI vermutet, dass Sprachbarrieren zu einer geringeren Inanspruchnahme der COVID-19 Impfung führen. Damit führt eine Nicht-Berücksichtigung dieser Menschen ebenfalls zu einer Überschätzung der Impfquote. Ab November soll die Befragung nun auch mehrsprachig durchgeführt werden.

3. Nicht alle durchgeführten Impfungen von Haus- und Betriebsärztinnen und -ärzten werden ordnungsgemäß elektronisch an das RKI gemeldet. Laut RKI ist das ein Hinweis darauf, dass die Angaben des Digitalen Impfquoten-Monitorings (DIM) zu niedrig ausfallen.

Schlussfolgernd stellt das RKI in seinem neuesten COVIMO-Bericht fest:

Diese Überlegungen legen nahe, dass die auf Grundlage der COVIMO-Daten berechneten Impfquoten eher eine Überschätzung darstellen, während die Meldungen im DIM die Impfquoten vermutlich unterschätzen.

COVID-19 Impfquoten-Monitoring in Deutschland, Report 7

Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren sei mit einem aktuellen Blick auf alle Impfungen, die bis zum 05.10.2021 durchgeführt wurden, in der Erwachsenenbevölkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 % und einem Anteil vollständig Geimpfter von bis zu 80 % auszugehen.

Gewissermaßen wurde also aus beiden Werten ein Mittelwert gebildet. Die DIM-Angaben hätten eher den Charakter einer "Mindest-Impfquote" und es können eine Unterschätzung um bis zu 5 Prozentpunkte angenommen werden.

Den gesamten Bericht mit weiteren Angaben, beispielsweise zur weiterhin hohen Impfbereitschaft in der Bevölkerung, können Sie hier nachlesen. Die nächste COVIMO-Befragung läuft aktuell bereits und soll voraussichtliche Mitte Oktober abgeschlossen sein.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
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MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 07. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

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