Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Was uns die Corona-Impfquote über die nächste Infektionswelle verrät

Manuel Mohr
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Inwiefern die bisher erreichte Impfquote in Deutschland die Bevölkerung vor der nächsten Infektionswelle im Winter schützt und warum in Dänemark alle Corona-Beschränkungen mittlerweile aufgehoben wurden, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Am vergangenen Dienstag äußerte sich der Virologe Christian Drosten im NDR Info-Podcast "Coronavirus-Update" unter anderem wie folgt:

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin Bildrechte: imago images / Reiner Zensen

Man sieht bereits jetzt, dass in den ostdeutschen Bundesländern die Inzidenz offenbar unabhängig vom Ferienende wieder Fahrt aufnimmt. Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wiedersehen werden.

Drosten weist damit auf jüngste Entwicklungen hin, die sich auch nach Podcast-Ausstrahlung noch weiter fortgesetzt haben. Während deutschlandweit die Inzidenz sank, stieg sie in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen weiter an. In den beiden zuletzt genannten Bundesländern intensivierte sich die Zunahme in den vergangenen Tagen noch einmal deutlich, wie Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen:

Die nächste Corona-Winterwelle

2020, so Drosten weiter, war ab der zweiten Oktoberhälfte eindeutig sichtbar, dass sich Deutschland wieder in einen exponentiellen Anstieg der Corona-Infektionen befand. Die Folge: Eine "Winterwelle", die über Monate anhielt. Für dieses Jahr prognostiziert der Virologe einen erneuten Eintritt in eine Winterwelle zu einem vergleichbaren Zeitpunkt. Als Hauptgrund dafür führt er die aktuelle Impfquote in der Bevölkerung.

Ganz ähnlich ist es im aktuellen Wochenbericht des RKI nachzulesen: Zwar habe sich der Inzidenz-Anstieg zuletzt nicht fortgesetzt, allerdings seien die Fallzahlen schon jetzt deutlich höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Ein Anstieg der Infektionszahlen im Herbst und Winter ist zu erwarten. Gründe dafür sind insbesondere die noch immer große Zahl ungeimpfter Personen und mehr Kontakte in Innenräumen."

Gegenwärtig besitzt nach RKI-Angaben rund 64 Prozent der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz. In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen liegen der Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung sogar noch darunter:

In diesen Tagen schließen deutschlandweit die Impfzentren, darunter auch das in Quedlinburg im Harz, das Ende vergangenen Jahres aufgrund des verfrühten Impfstarts und der deutschlandweit ersten Impfung mediale Aufmerksamkeit erlangte. Künftig sollen die Impfungen vollständig von den Hausärzten durchgeführt – und die sind gut vorbereitet. "Für die ausstehenden Impfungen, zu denen wir dringend weitere Menschen ermuntern müssen, ebenso wie für die nun fälligen Auffrischungsimpfungen sehen wir uns in den Hausarztpraxen allerdings gut gerüstet", sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Beispiel Dänemark: Höhere Impfquote, mehr Freiheiten

Mit Blick auf Deutschlands Nachbarland Dänemark, das im September auch die letzten Corona-Beschränkungen aufgehoben hat, spricht der Virologe Drosten ebenfalls in der aktuellen Podcast-Folge des "Coronavirus-Update" von einer sogenannten "Nachdurchseuchungsphase". Damit gemeint ist eine Phase, in der "sich das Virus am Ende noch einmal in der Bevölkerung verteilt und Infektionen dort setzt, wo es noch Impflücken gibt". Das gehe aber nur dann, wenn diese Lücken bei jungen Leuten bestünden, bei denen das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe sehr gering ist. Gleichzeitig müssten die älteren Gruppen nahezu vollständig geschützt sein. Und das ist – im Gegensatz zu Deutschland – in Dänemark bereits der Fall.

Nach Angaben des Europäische Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) liegt die Impfquote in der dänischen Bevölkerung ab 50 Jahren bei rund 94 Prozent, bei den über 70-Jährigen sogar bei nahezu 100 Prozent. "Dann kann man im Prinzip politisch, gesellschaftlich an weitere Schritte denken" schlussfolgert Drosten und verweist mit Blick auf die deutlich niedrigeren Impfquoten in Deutschland: "Wir können uns das in Deutschland so wahrscheinlich nicht leisten, in so eine Phase einzutreten. Wir müssen erst einmal die Lücken schließen."

Dennoch scheint Dänemark nach Informationen der Tagesschau sein selbst gestecktes Impfziel verfehlt zu haben. Nach jüngsten offiziellen Zahlen erhielten bisher knapp 85 Prozent der Dänen ab zwölf Jahren beide Impfdosen. Die Regierung hatte allerdings das Ziel von 90 Prozent bis Anfang Oktober ausgegeben.

Hospitalisierung und Intensivbetten-Auslastung momentan konstant

Neben der Inzidenz und der Impfquoten sind die Hospitalisierungsrate und die Auslastung der Intensivbetten weitere wichtige Kennzahlen der Corona-Pandemie. Beide Werte sind deutschlandweit momentan konstant und bilden mit etwas zeitlichem Verzug die Entwicklung ab, die die 7-Tage-Inzidenz in den vergangenen Wochen bereits durchlaufen hat:

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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