Neue Corona-Regeln Welche Corona-Kennzahlen künftig überhaupt noch relevant sind

Manuel Mohr
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Empfehlungen statt Regelungen, Basisschutz statt Eindämmung: Die neuen Corona-Regeln bringen eine Reihe von Lockerungen mit sich. Welche Relevanz künftig die bislang wichtigen Corona-Kennzahlen wie 7-Tage-Inzidenz oder Hospitalisierungsrate noch haben, das und mehr im Corona-Daten-Update.

Eine junge Frau liegt auf einer Blumenwiese. Im Vordergrund steht der Schriftzug "Corona-Daten-Update".
Mit dem Wegfall der meisten Corona-Eindämmungsmaßnahmen gelten künftig vielerorts nur noch einige wenige Basisschutzmaßnahmen. Bildrechte: MDR/Unsplash/Joshua Fuller

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) könnte die aktuelle Corona-Infektionswelle auf ihrem Höhepunkt angekommen sein. Der Gipfel der Welle sei wahrscheinlich erreicht – schreibt das Institut in seinem Wochenbericht von Donnerstagabend – möglicherweise auch bereits überschritten. Zu der Einschätzung kommt das RKI wegen eines leichten Rückgangs der Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche.

Der Infektionsdruck bleibe aber mit mehr als 1,5 Millionen an das RKI übermittelten Covid-19-Fällen pro Woche weiterhin sehr hoch. Bei den Altersgruppen beobachtet das RKI weiter unterschiedliche Entwicklungen: Rückläufig sei die Inzidenz bei jungen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren. Bei Älteren zwischen 60 und 85 Jahren hingegen steigen die Infektionszahlen weiter an. Insbesondere Risikogruppen und Menschen ab 70 Jahren rief das RKI daher erneut dazu auf, sich mit der empfohlenen zweiten Auffrischimpfung vor einer schweren Erkrankung zu schützen.

Belastungen im Gesundheitswesen weiterhin hoch

Dem stationären und intensivmedizinischen Bereich schreibt das RKI weiterhin eine hohe Belastung der Kapazitäten zu. Neben der aktuell konstanten Zahl behandlungsbedürftiger Patientinnen und Patienten liegt aktuell auch eine eingeschränkte Verfügbarkeit des medizinischen Personals vor. Grund dafür sind infektionsbedingte Ausfälle, sowohl wegen Erkrankung als auch durch Quarantäne. Mit deutschlandweit rund 2.300 auf einer Intensivstation behandelten Personen mit Covid-19-Diagnose ist die Zahl im Vergleich zur Vorwoche stabil geblieben.

Die Anzahl der mit Omikron in Verbindung stehenden Todesfälle bleibt im Verhältnis zu den Neuinfektionen bisher auf einem niedrigeren Niveau als in den früheren Wellen, ist aber absolut gesehen mit täglich etwa 200 Todesfällen weiterhin erheblich.

Keine konkreten Grenzwerte für Hotspot-Regelung beschlossen

Trotz der weiterhin hohen Fallzahlen fallen ab 3. April die meisten Corona-Regeln weitgehend weg. Grund dafür ist die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG), das nach einer Übergangsfrist nun vollständig in Kraft tritt. In den meisten Bundesländern gelten fortan "Basisschutzmaßnahmen", dazu zählt etwa die Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr und in Einrichtungen wie Arztpraxen, Krankenhäusern, Tageskliniken, Pflegeeinrichtungen und Obdachlosenunterkünften.

Darüber hinaus ist im IfSG die sogenannte Hotspot-Regelung festgehalten. Sie besagt, dass lokal oder regional schärfere Regeln durch den jeweiligen Landtag beschlossen werden können. Dazu müssten einer oder mehrere Landkreise oder kreisfreie Städte aufgrund einer konkreten Gefahr oder einer dynamisch ausbreitenden Infektionslage ein entsprechendes Ersuchen an die Landesregierung stellen. Während Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg aktuell von der Hotspot-Regelung Gebrauch machen, ist dies in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen nicht der Fall.

Konkrete Grenzwerte für eine Einstufung als Corona-Hotspot gibt es allerdings nicht. Laut IfSG besteht eine "konkrete Gefahr einer sich dynamisch ausbreitenden Infektionslage", wenn

  1. in der jeweiligen Gebietskörperschaft die Ausbreitung einer Virusvariante des Coronavirus SARS-CoV-2 festgestellt wird, die eine signifikant höhere Pathogenität aufweist, oder
  2. auf Grund einer besonders hohen Anzahl von Neuinfektionen oder eines besonders starken Anstiegs an Neuinfektionen eine Überlastung der Krankenhauskapazitäten in der jeweiligen Gebietskörperschaft droht.

Bisher relevanten Corona-Kennzahlen wie die 7-Tage-Inzidenz, die Hospitalisierungsrate oder die Auslastung der Intensivstationen könnten als theoretisch auch künftig auf politischer Entscheidungsebene eine Rolle spielen, müssen sie aber nicht, da der Gesetzestext großen Interpretationsspielraum lässt. Ab kommenden Montag haben die Zahlen rund um die Corona-Pandemie also primär nur noch einen informativen Charakter. Entscheidend wird stattdessen sein, ob die Landesregierung eine Hotspot-Regelung für eine bestimmte Region beschließt – oder eben auch nicht.

Blick in die Corona-Zukunft

Die Zahlen werden sicherlich zumindest bis zu den Osterferien oder ein, zwei Wochen danach noch relativ hoch bleiben.

Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie der Charité in Berlin

Das sagte der Virologe Christian Drosten am vergangenen Dienstag im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update" mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen. Derzeit profitiere man vom Haupteffekt durch die Impfung und von der Abmilderung der Krankheitsschwere bei Omikron. "Wir können jetzt schon sagen, die Situation ist dadurch deutlich besser geworden. Sie ist aber nicht komplett aufgelöst". Man erkenne einen linearen Anstieg bei den Krankenhauseinweisungen und eine Verlagerung zu höheren Altersgruppen, erklärte Drosten.

Deswegen gehe er davon aus, dass sich demnächst die Intensivstationen stärker füllten und mehr Todesfälle zu verzeichnen seien – möglicherweise bis etwa Mitte Mai. Die Frankfurter Virologin Ciesek fügte in der vorerst letzten Folge des Podcasts hinzu, dass wenn die Infektionszahlen wie aktuell wieder steigen würden, es schlecht sei, wenn man dann noch zusätzlich Maßnahmen aufhebt. Allerdings habe die Wissenschaft in den vergangenen zwei Jahren "ihren Teil beigetragen" und es bleibe zunächst nicht mehr viel zu sagen, nun sei die Politik am Zug.

Drosten machte zudem noch einmal deutlich, dass er erwarte, dass sich das Virus weiterentwickelt. So komme es nun wieder nach China und sei angesichts der großen Bevölkerung dort kaum zu kontrollieren. "Das schafft enorme Evolutionsmöglichkeiten für das Virus", erklärte er. Mit Blick auf den kommenden Herbst rechnet Drosten wieder mit einer stärkeren Übertragung. Er denke nicht, dass man das Infektionsgeschehen dann einfach "laufen lassen" könne, mahnte er. "Vielleicht ist das aber der letzte Herbst, wo man da noch mal so gegenbremsen muss."

dpa, MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. April 2022 | 19:00 Uhr

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