Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 22. September 2021 Keine Impfung = keine Lohnfortzahlung bei Quarantäne

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Wer nicht geimpft ist und als Kontaktperson in Quarantäne muss, hat bald keinen Anspruch mehr, während der Zeit weiter Lohn zu erhalten. Außerdem: In Sachsen gelten morgen neue Corona-Regeln.

Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster.
Wer als Kontakt einer infizierten Person isoliert werden muss und nicht geimpft ist, bekommt bald keinen Lohn mehr gezahlt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

ich bin mir sicher: Sie haben es gesehen, gelesen und gehört: In Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz hat ein Mann einen Studenten erschossen, der ihn an der Tankstelle bedient und auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte. Ich persönlich frage mich immer wieder, warum die Maske bei einigen Menschen so verhasst ist. Man kann die Wirkung anzweifeln. (Hinweis: Es ist bewiesen, dass die Maske wirkt.) Aber ich frage mich: Warum zweifeln die Zweifler nicht in die andere Richtung? Was, wenn die Maske wirkt? (Hinweis: Sie wirkt.) Was, wenn ich Menschen wirklich vor einer schlimmen Infektion schützen kann? 

Im Folgenden soll es aber um ein anderes Thema gehen. Es hat eine große Diskussion gegeben und viele Gegenstimmen: Trotzdem haben sich am frühen Nachmittag die Gesundheitsminister und -ministerinnen von Bund und Ländern darauf verständigt, dass Menschen, die nicht geimpft sind, im Fall einer angeordneten Quarantäne bei Verdienstausfällen keine Entschädigungen mehr bekommen sollen. Mehr Details nach den aktuellen Zahlen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind zu heute 10.454 neue Corona-Infektionen gemeldet worden, die meisten aus Bayern (2.228), Nordrhein-Westfalen (2.095) und Baden-Württemberg (1.898). Die Gesamtzahl der Neuinfektionen ist im Vergleich zur Vorwoche gesunken. Am vergangenen Mittwoch waren 12.455 Neuinfektionen gemeldet worden.

Die deutschlandweite Inzidenz liegt bei 65,0. In Bremen sind in den vergangenen sieben Tag 102,9 Menschen pro 100.000 Einwohnern positiv getestet worden, 85,2 in Bayern und 83,8 in Baden-Württemberg.

In Mitteldeutschland sind die Inzidenzen deutlich niedriger: In Thüringen beträgt der Wert 43,7, in Sachsen-Anhalt 36,2 und in Sachsen 35,3.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 3.736 ↗ (+99 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 1,11 (+0,17)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 44, davon 20 beatmet, 108 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten 
  • Impfquote: 54,0 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 17,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 53,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 77,0 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.272 (+1)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 2.021 ↘ (-25 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 1,46 (+0,24)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 19, davon 7 beatmet , 50 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 57,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 21,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 57,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 80,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.451 (+1)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 1.402
  • Hospitalisierungsrate*: 0,96 (+0,55)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 7, davon 3 beatmet, 45 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 60,2 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 17,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 60,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 82,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.523 (+/-0)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegell" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Finanzielle Nachteile für Ungeimpfte kommen

Nicht geimpft zu sein, wird in Zukunft teurer. Schon länger ist klar, dass Coronatests ab 11. Oktober von Bürgerinnen und Bürger selbst bezahlt werden müssen. Das wird vor allem Menschen betreffen, die im Rahmen der 3G-Regel ein negatives Testergebnis vorlegen müssen, um Zutritt zu Gastronomiebetrieben wie Restaurants und Veranstaltungen zu erhalten. Ausnahmen gelten etwa für Kinder, Schwangere und Stillende.

Zudem haben sich Bund und Länder heute geeinigt, dass auch Verdienstausfälle wegen Quarantäne nicht mehr bezahlt werden, wenn eine nicht geimpfte Person wegen Kontakt zu einem oder einer Infizierten in angeordnete Quarantäne muss. Maximilian Heim hat bei MDR AKTUELL darüber berichtet.

  • Wer selbst Covid-19 bekommt ohne geimpft zu sein, ist von der Regel nicht betroffen, ebenso wenig Menschen, die auf ärztlichen Rat hin auf die Impfung verzichten. 
  • Dass freiwillig nicht geimpfte Menschen einen Verdienstausfall nicht mehr bezahlt bekommen, ist im Infektionsschutzgesetz bereits vorgesehen. Die Begründung: Die Quarantäne hätte vermieden werden können. Bisher wurde diese Regel aber noch nicht umgesetzt. Das ändert sich, weil alle Menschen mittlerweile die Möglichkeit gehabt hätten, sich impfen zu lassen.
  • Bei der Abstimmung heute haben sich zwei Bundesländer enthalten: Thüringen und Bremen. Thüringen hatte aber bereits vor knapp zwei Wochen auf Landesebene Pläne vorgestellt, die Lohnfortzahlung auszusetzen. 

Stimmen zu Thema

  • Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist die Entscheidung eine Frage der Fairness. Es sei eine berechtigte Frage von Geimpften, warum sie für andere mitzahlen, die nicht geimpft seien und in Quarantäne müssen. Er sagte außerdem: "Und dann ist es eben auch wichtig, wenn Menschen sagen, es ist ihre freie, persönliche Entscheidung – das bleibt es auch –, ob sie sich impfen lassen oder nicht, dass mit dieser Entscheidung dann eben auch die Verantwortung kommt, finanzielle Folgen zu tragen."
  • Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, sagte im RBB-Inforadio, die Politik drücke sich vor einer klaren Entscheidung und verlagere den Konflikt auf die Beschäftigten. Es gebe außerdem keine rechtliche Grundlage dafür, dass Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Beschäftigten abfragten. Die Information wäre aber nötig, um Entschädigungen beantragen zu können. 
  • Bayerns Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte sich in der Debatte vor dem Beschluss ebenfalls kritisch geäußert: Er hält die Regelung für kontraproduktiv. Sie führe dazu, dass Kontakte verschwiegen und Infektionsketten nicht unterbrochen würden. 

Mehr zur Debatte, die schon vor dem Beschluss geführt wurde, erfahren Sie im Audio von Vera Cornette.

Aktuelle Infos zu den Corona-Maßnahmen

  • Sachsen: 2G als Option für Veranstalter: Ab morgen gilt die neue sächsische Coronaschutzverordnung. Veranstalter und Gastronomen bekommen die Möglichkeit, nur Genesene und Geimpfte (2G) einzulassen und dafür auf Masken- und Abstandspflichten zu verzichten.
  • Thüringen: Schule ohne Tests und Maske: An den Schulen in Thüringen ist die zweiwöchige Test- und Maskenpflicht beendet. Nun gilt ein Warnstufensystem. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich, in der Politik gibt es weiterhin Diskussionen.

Zitat des Tages

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen"-Zeitung: 

Wenn keine neue Virusvariante auftaucht, gegen die eine Impfung nicht schützt, was sehr unwahrscheinlich ist, dann haben wir die Pandemie im Frühjahr überwunden und können zur Normalität zurückkehren.

Zum Schluss

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Alle aktuellen Informationen und Entwicklungen rund um die Wahl finden Sie auf der hier und unten verlinkten Seite, außerdem unser Angebot zum Wahlprogramm-Vergleich und die MDR-Wünschekarte. Gucken Sie vor der Wahl am Sonntag gern noch einmal rein. Zuvor kriegen Sie aber noch ein weiteres Corona-Update von meiner Kollegin Olga Patlan.

Bleiben Sie gesund! Viele freundliche Grüße
Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 22. September 2021 | 17:05 Uhr

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